Kommentar zur Tool-Sammlung in Unternehmen Wohin geht die Low-Code-Reise?

Ein Gastkommentar von Florian Binder *

Low-Code-Entwicklung soll in Unternehmen schnell einen Mehrwert liefern, so zumindest der Anspruch. Doch die Auswahl an Tools und Plattformen wird zunehmend größer – und damit auch die Unsicherheit.

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Florian Binder
Florian Binder
(Bild: Pegasystems)

Eine schnelle, einfache und kostengünstige Entwicklung von Anwendungen, die genau auf die Anforderungen von Fachbereichen zugeschnitten sind – das hört sich zu gut an, um wahr zu sein, ist aber das große Versprechen von Low-Code. Entsprechend hoch sind die Erwartungen von Unternehmen, wenn sie die Einführung von Low-Code-Plattformen planen.

Doch schon bei der Auswahl der Lösungen tauchen oft die ersten Fragen auf. Schließlich ist das Angebot mehr als üppig und die Fähigkeiten und Einsatzbereiche der einzelnen Plattformen unterscheiden sich stark. Selbst Marktforscher und Analysten tun sich noch schwer damit, den Markt zu strukturieren und verschiedene Lösungen miteinander zu vergleichen.

Die Palette reicht von Tools für den Bau von Websites und Apps über Marketing- und E-Commerce-Lösungen bis hin zu Werkzeugen für die Erstellung von Chat- und Sprachbots. Sie umfasst DevOps-Tools ebenso wie Anwendungen für die Auswertung und Aufbereitung von Daten, dazu kommen mächtige Plattformen für die Automatisierung und Steuerung komplexer Prozesse.

Überdies bringen inzwischen aber auch klassische Anwendungen für die Software-Entwicklung Low-Code-Fähigkeiten mit, um Entwickler zu entlasten; und selbst zentrale Business-Software für ERP oder CRM unterstützt Low-Code, damit Unternehmen sie leicht um eigene Funktionen erweitern können.

„Best of“-Ansatz nicht immer förderlich

Viele dieser Lösungen stehen für sich allein und lösen sehr spezifische Probleme. Dadurch können Unternehmen sie gut unabhängig voneinander einsetzen und sich genau die Tools herauspicken, die zu ihren Herausforderungen im Tagesgeschäft passen. Allerdings ist das mit einigen Risiken verbunden.

Zum einen besteht die Gefahr, dass sie neue Anwendungssilos schaffen, die sich nicht in die bestehende Anwendungslandschaft einfügen und aus denen Daten nur schwer für andere Einsatzbereiche herauszubekommen sind. Zum anderen bürden sie ihren IT- und Entwicklungsabteilungen mit einem großen Sammelsurium an Low-Code-Tools einige Arbeit auf.

Zwar versetzen die Tools durchaus Fachbereichsmitarbeiter in die Lage, ohne Programmierkenntnisse eigene Anwendungen zu erstellen – ganz ohne Unterstützung geht das aber nicht. Gerade in der Einführungsphase von Low-Code im Allgemeinen und einzelnen Tools im Speziellen brauchen die Mitarbeiter Anleitung und intensive Betreuung.

Überdies müssen sich die Spezialisten aus der IT und Entwicklung um die Pflege der Plattformen kümmern, sicherstellen, dass diese und die erstellten Lösungen alle Sicherheits- und Datenschutzvorgaben des Unternehmens einhalten, Integrationen bereitstellen und je nach Plattform auch einzelne Software-Bausteine liefern, aus denen die Fachbereichsmitarbeiter ihre Anwendungen erstellen.

Statt also leichthin in die große Low-Code-Kiste zu greifen, sollten Unternehmen die Auswahl der Werkzeuge strategisch angehen. Mit den Low-Code-Fähigkeiten vieler ERP- und CRM-Suiten können sie ihre Kernsysteme bereits deutlich vielseitiger und für firmenspezifische Anforderungen fit machen.

Darüber hinaus sollten sie sich auf eine Handvoll Low-Code-Plattformen konzentrieren, die zu enormen Arbeitserleichterungen führen oder sehr wichtige Geschäftsprobleme lösen. Ideal sind Plattformen, die vielseitig sind und für unterschiedliche Anwendungsfälle taugen – der Einsatz sehr spezialisierter Plattformen will dagegen wohlüberlegt sein, da diese kaum Potenzial über den ursprünglichen Einsatzbereich hinaus bieten.

Eine Schlüsselrolle kommt in der Low-Code-Welt den Plattformen für die Automatisierung von Geschäftsprozessen zu, insbesondere wenn sie den Low-Code-Ansatz mit Case Management, Regelwerken und KI-Funktionen kombinieren. Sie sind in der Lage, Prozesse Ende zu Ende digital abzubilden und zu automatisieren, über die Grenzen einzelner Abteilungen, ja sogar über die Grenzen des Unternehmens hinweg.

Damit verbinden sie alle in komplexe Prozesse involvierten Daten, Personen und Anwendungen. Im Prinzip sind sie der Klebstoff, der Legacy-Anwendungen, neue Tools und selbst sehr spezialisierte Low-Code-Plattformen zusammenzuhalten vermag.

* Florian Binder ist Principal Solution Consultant bei Pegasystems.

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