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Vorschau auf neue Microsoft-Konsole Windows Terminal Preview in Windows 10

| Autor / Redakteur: Mirco Lang / Stephan Augsten

Mit der „Eingabeaufforderung“ hat Windows jahrzehntelang versierte Nutzer abgeschreckt oder zumindest ernüchtert. Mit Windows Terminal steht im Microsoft Store nun ein neues Tool bereit – derzeit noch als Preview und natürlich nur für Windows 10, aber die Erwartungen und Hoffnungen sind groß.

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Der Windows Terminal bildet künftig die Grundlage für die gängigsten Kommandozeilen-Tools unter Windows, darunter die PowerShell.
Der Windows Terminal bildet künftig die Grundlage für die gängigsten Kommandozeilen-Tools unter Windows, darunter die PowerShell.
(Bild: Lang / Microsoft)

Wenn Sie bislang unter Windows auf der Kommandozeile arbeiten, ist das Tool „conhost.exe“ (Console Host) für das Terminal-Fenster verantwortlich, das die Windows-NT-Shell „cmd.exe“ beherbergt. Windows Terminal ersetzt zukünftig den Console Host. Damit erhalten die „Command Prompt“, die ihrerseits nicht betroffen ist, und weitere Shells wie PowerShell ein neues Zuhause.

Damit einher geht vor allem eine neue User Experience. Und darauf hat die Windows-Community nun wahrlich lange gewartet. Laut Microsoft selbst ist der Hauptzweck des Console Hosts die Aufrechterhaltung von Abwärtskompatibilität – was vielen neuen, auch von den Entwicklern gewünschten Features entgegenstand und -steht.

Windows Terminal steht nun als Nachfolger in den Startlöchern. Soll heißen: Im Windows Store gibt es den Terminal als Preview, genauer gesagt „very early preview“ – es ist also noch mit Fehler und Problemen zu rechnen. Das Tool wird als quelloffenes Microsoft-Terminal-Projekt auf GitHub entwickelt. Neben der Installation über den Windows Store werden zwei weitere Optionen zur Verfügung.

Nicht selbstverständlich ist die Variante über (das leider weitgehend unter dem Radar laufende) Chocolatey: Der an typische Linux-Paketmanager angelehnte Windows-Paketverwalter wird als inoffizielle Möglichkeit aufgeführt – und da es immerhin um die Kommandozeile geht, dürfte ein simples „choco install microsoft-windows-terminal“ auf eben jener die sympathischste Lösung sein.

Transparenzen und individuelle Farbschemata werden viele Freunde finden.
Transparenzen und individuelle Farbschemata werden viele Freunde finden.
(Bild: Lang / Microsoft)

Im Zuge der GitHub-Bereitstellung lässt sich die Quelle aber selbstverständlich auch selbst kompilieren. Als wesentliche Neuheiten verspricht Microsoft die Unterstützung von Unicode- und UTF-8-Zeichen, GPU-gestütztes Rendering, individuelle Themes, Styles und Konfigurationen sowie die lang ersehnten Tabs.

Auf technischer Ebene ist man bei C++ für die Entwicklung geblieben, allerdings soll der Code deutlich aufgeräumter und besser anderweitig zu nutzen sein. Zudem wurden der komplette Rendering- und Input-Part als Windows-UI-Control-Element realisiert, um Entwicklern die Wiederverwendung in eigenen Projekten zu ermöglichen. Soweit zur Theorie.

Windows Terminal in der Praxis

In der Praxis beginnt es nicht ganz so reibungslos, wie es bei Microsoft klingt: Der Versuch, Windows Terminal auf Windows 10 in einer virtuellen VirtualBox-Maschine zu starten, scheiterte scheinbar am Rendering des Fensters – mehr als ein leerer, unbeweglicher, inaktiver Fensterrahmen war nicht zu bekommen.

Viel gibt es noch nicht zu entdecken im Windows Terminal.
Viel gibt es noch nicht zu entdecken im Windows Terminal.
(Bild: Lang / Microsoft)

Als Systemanforderung verlangt Microsoft ein Windows 10 mindestens in Version 18362 – gegebenenfalls sind also (manuelle) Updates erforderlich. Nach der Installation zeigt sich schnell der Preview-Status, es fehlt in der Tat noch vieles. Bislang gibt es standardmäßig Tabs für PowerShell und CMD und einen Link zu den Einstellungen – einer simplen JSON-Datei. Mehr ist in der GUI tatsächlich nicht an Elementen zu finden.

Die Config-Datei ist leider noch ziemlich unaufgeräumt.
Die Config-Datei ist leider noch ziemlich unaufgeräumt.
(Bild: Lang / Microsoft)

Leider ist auch die Dokumentation offensichtlich bislang eher angerissen. Zwar finden sich auf GitHub allerlei technische Infos und Hinweise, die für (Terminal-)Entwickler interessant sein mögen, Nutzer müssen sich aber noch selbst behelfen. Windows Terminal kann dabei jedoch mit Profilen umgehen, ist optisch weitgehend anpassbar und auch eigene Tastenkürzel sind kein Problem. Hier hilft nur Learning by Doing mit der JSON-Datei.

Konfiguration

Über den Menüpunkt „Settings“ wird die Datei „profiles.jason“ aus einem „AppData-Unterordner“ des Nutzers geöffnet. Sehr angenehm zum Testen: Änderungen, die Sie in dieser Datei speichern, werden umgehend in der laufenden App umgesetzt – es ist also kein Neustart des Terminals notwendig.

Etwas ungewohnt ist, dass das Terminal-Fenster im aktiven und inaktiven Zustand anders aussieht. So verschwinden Transparenzen, sobald das Fenster im Hintergrund ist. Das hat durchaus seinen Reiz: Im Vordergrund ist die Transparenz nützlich, um Fenster dahinter zu sehen. Im Hintergrundbetrieb ist Intransparenz nützlich, um wiederum selbst hinter transparenten Vordergrundfenster sichtbar zu bleiben.

Ganz oben in der Konfiguration finden Sie zunächst den Bereich „globals“, wo beispielsweise die Menge an Zeilen und Spalten festgelegt wird, das verwendete Theme und so weiter. Den größten Teil nehmen die Tastenkürzel ein, die insbesondere den Umgang mit vielen Tabs enorm erleichtern.

Es folgen zwei Profile im Bereich „profiles“: Das erste Profil ist für PowerShell-Tabs (zu erkennen an der Option „commandline : powershell.exe“), das zweite für CMD-Tabs. Hier finden Sie allerlei Einstellungen zum Personalisieren, beispielsweise Cursor- und Font-Farben, Größe der Befehlshistorie und das Startverzeichnis für Sitzungen. An dieser Stelle sollen Sie auch weitere Profile etwa für eine Ubuntu-Shell oder sogar SSH-Sitzungen einfügen können.

Der Windows-Terminal im Hinter- und Vordergrundmodus.
Der Windows-Terminal im Hinter- und Vordergrundmodus.
(Bild: Lang / Microsoft)

Für Transparenzen sind zum Beispiel folgende Einstellungen verantwortlich: Über „useAcrylic : true“ wird Transparenz aktiviert und über „acrylicOpacity : 0.5“ auf einen Wert gesetzt. Interessant ist auch noch die Option „colorScheme“, über die eines der verfügbaren Farbschemata gewählt werden kann – die sich wiederum weiter unten in der JSON-Datei im Bereich „schemes“ finden und sich auf simple Zuordnungen von Farbnamen (black) auf Hex-Werte (#282c34) sowie das Setzen von Vorder- und Hintergrund beschränken.

Was noch zu tun ist

Stand heute ist der Windows Terminal wirklich nicht mehr als eine sehr, sehr frühe Vorschau. Die Konfiguration beispielsweise dürfte sich später wesentlich einfacher gestalten – selbst in der JSON-Datei. Hier ist die Reihenfolge „globals“, „profiles“, „schemes“ zwar halbwegs logisch, aber die einzelnen Blöcke mit Optionen sind völlig durcheinandergewürfelt.

So stehen beispielsweise bei den Profilen die Namen der Profile sowie die zugehörigen Shells irgendwo mittendrin. Sobald hier ein wenig Ordnung einzieht, ist die bislang mögliche Konfiguration nahezu intuitiv. Die Optionen selbst sind bei GitHub dokumentiert – allerdings nicht alle. Die Doku bezieht sich auf den originalen Console Host und im Terminal scheinen Optionen hinzugekommen zu sein.

Zu behaupten, Windows Terminal sei aber schon ein vielversprechender Ansatz, wäre an dieser Stelle vielleicht schon zu viel des Guten. Tabs, Profile und Anpassungsmöglichkeiten sind freilich wünschenswert, aber nun wahrlich nichts Neues, schaut man sich die große Vielfalt ähnlicher Tools unter Linux an.

Bevor Windows Terminal nutzbar wird, bleibt noch massig zu tun. Die Optionen, die im alten Console Host zur Verfügung standen sollten noch folgen, Einstellungen und Profile müssten über eine grafische Oberfläche realisiert, die Config-Datei aufgeräumt werden, die Dokumentation fehlt zu großen Teilen und an vielen Ecken wartet einfach noch „Kleinkram“.

Wenn das alles mal soweit umgesetzt ist, ist Windows Terminal vermutlich wirklich eine spürbare Verbesserung gegenüber dem alten Console Host. Zumal natürlich auch noch technische Änderungen unter der Oberfläche zu berücksichtigen sind. Wer jedoch oft unter Linux arbeitet und dort beispielsweise mit dem wunderbaren Terminator, wird vermutlich mehr erwarten.

Terminator hat ein sehr gutes Profile-System, kann unterschiedlichste Shells einbinden, kommt deutlich besser mit Copy-and-Paste-Operationen zurecht und bietet vor allem Tiling, um mehrere Terminals in einem Fenster zu organisieren. Der Weg von Windows Terminal (Preview) bis zu einer ernsthaften Konkurrenz zu Terminator & Co. – jedenfalls, was das Frontend angeht – ist jedenfalls noch sehr weit, so er denn überhaupt gegangen wird.

Windows Terminal ist derzeit wirklich nur für Menschen spannend, die sich für die Technik an interessieren sowie Entwickler, die möglicherweise Teile des Tools einsetzen wollen. Wer mit dem Terminal arbeiten will, muss definitiv noch warten. Was Microsoft übrigens ganz genauso sieht.

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Über den Autor

 Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist & BSIler