Das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 11 – sollten Entwickler schon umsteigen?

Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Developer werden sich über kurz oder lang mit dem neuem Microsoft-Betriebssystem Windows 11 befassen müssen. Allerdings ist das OS aufgrund TPM-2.0-Zwang und hohen Hardware-Anforderungen längst nicht für jeden PC geeignet. Ist der Umstieg trotzdem sinnvoll oder gar zwingend?

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Das Windows-Subsystem für Linux erlaubt jetzt auch grafische Oberflächen.
Das Windows-Subsystem für Linux erlaubt jetzt auch grafische Oberflächen.
(Bild: Microsoft)

Eigentlich sollte Windows 10 ja das „letzte Windows“ sein, zumindest behauptete Microsoft das im Jahr 2015 doch recht vollmundig. Inzwischen hat sich Microsoft aber von den damaligen Plänen verabschiedet.

Microsoft Windows 11 soll als nächste Major-Version des Windows-Betriebssystems die Nachfolge von Windows 10 antreten. Schon wieder ein neues Windows? Schon wieder neue Funktionen lernen, neue Hardware und neue Lizenzen kaufen? So manchem Developer und User dürften sich hier die Zehennägel rollen.

Alte Lizenzcodes können weiterverwendet werden

Immerhin lizenzseitig ist der Umstieg auf Windows 11 kein Problem: Laut einem FAQ-Eintrag auf der Microsoft-Community-Seite können Windows-10-Lizenzen einfach weiterbenutzt werden, ein Umstieg auf Windows 11 ist also nicht an den Erwerb neuer Lizenzen gekoppelt.

Windows 11 kann sogar mit Windows-7-Keys aktiviert werden.
Windows 11 kann sogar mit Windows-7-Keys aktiviert werden.
(Bild: Microsoft)

Mehr noch: Da schon Windows 10 sich mit alten Windows-7- und Windows-8-Lizenzcodes aktivieren ließ, stehen die Chancen gut, dass auch Windows 11 diese Lizenzen schluckt. Und in der Tat konnte der Autor dieses Beitrags einen ungenutzten Windows-7-Key für die Aktivierung von Windows 11 verwenden. In Sachen Lizenzkosten ist Windows 11 also zunächst kein Problem.

Hardware-Anforderungen steigen

Kosten dürften aber an anderer Front entstehen: So ist Windows 11 längst nicht für jeden PC geeignet, der mit Windows 10 reibungslos läuft. Zwar hat Microsoft durch die zum Teil beißende Kritik inzwischen nachgebessert, allerdings gibt es nach wie vor jede Menge PC-Systeme, die die Anforderungen für Windows 11 nicht erfüllen.

WhyNotWin11 klärt darüber auf, ob Windows 11 auf der Hardware laufen wird.
WhyNotWin11 klärt darüber auf, ob Windows 11 auf der Hardware laufen wird.
(Bild: github.com/rcmaehl)

Wer genau wissen will, ob seine PC-Infrastruktur für Windows 11 geeignet ist, kann den PC Health Check oder, noch besser, das kleine Gratis-Tool WhyNotWin11 einsetzen: Hier wird genau aufgelistet, warum Windows 11 (nicht) auf dem aktuellen System laufen wird.

Software unter Windows 11 weiter benutzen

Sind die Lizenz- und Hardware-Fragen geklärt, stellt sich die Frage, ob es sich für Software-Entwickler überhaupt schon lohnt, auf Windows 11 umzusteigen. Grundsätzlich ist es schließlich so, dass die allermeisten für Windows 10 entwickelten Programme auch unter Windows 11 arbeiten sollen. Im Umkehrschluss können Entwickler also grundsätzlich zunächst bei Windows 10 bleiben. Das betrifft selbstredend auch Entwicklertools.

Alte Software bleibt unter Windows 11 weiter lauffähig, schließlich ist Windows 11 „nur“ eine Weiterentwicklung von Windows 10. Andersherum wird es hingegen möglicherweise knifflig: Wird Software auf Windows 11 für Windows 11 entwickelt, kann es zu Kompatibilitätsproblemen mit Windows 10 oder älteren Versionen kommen – allerdings nicht zwangsläufig, schließlich spielt hier auch das Geschick des Entwicklers eine Rolle.

Windows 11 bietet hilfreiche Entwickler-Tools

Im Gegenzug besitzt Windows 11 allerdings einige praktische neue Funktionen, die Software-Entwicklern das Leben erleichtern können. So wäre das neue Windows Terminal, das bei Windows 11 serienmäßig installiert ist, als hochmodernes Kommandozeilen-Utility schon für sich allein genommen ein guter Grund, Windows 11 zu verwenden – allerdings kann die Software auch mit wenigen Handgriffen auf Windows 10 installiert werden, wodurch sie als Umstiegsgrund ausscheidet.

Das Windows-Subsystem für Linux erlaubt jetzt auch grafische Oberflächen.
Das Windows-Subsystem für Linux erlaubt jetzt auch grafische Oberflächen.
(Bild: Microsoft)

Wesentlich eindeutiger für Windows 11 spricht daher das WSLg oder WSL 2: Das von Windows 10 bekannte Windows Subsystem for Linux erhält mit Windows 11 Unterstützung für Linux-GUI-Anwendungen. Das bedeutet, dass Linux-Anwendungen auch grafisch unter Windows 11 eingesetzt werden können: Microsoft verspricht hier eine „nahtlose Desktopdarstellung“. Voraussetzung ist allerdings ein Grafiktreiber, der eine virtuelle GPU unterstützt und eine entsprechend leistungsstarke Grafikkarte.

Windows 11 hat endlich einen Paketmanager

Ebenfalls attraktiv dürfte für viele Entwickler der neue Paketmanager winget sein: Dieser erlaubt die Installation von Software direkt aus der Kommandozeile. Genau wie das Windows-Terminal lässt sich allerdings auch winget unter Windows 10 nachrüsten, der Vorteil von Windows 11 ist, dass er serienmäßig an Bord ist und keinen zusätzlichen Administrationsaufwand benötigt.

Fazit: Windows 11 ist noch keine Pflicht-Installation

Unter dem Strich spricht derzeit noch nicht viel dafür, Windows 11 in Produktivsystemen einzusetzen. Zwar will Microsoft den Wechsel möglichst reibungslos gestalten, allerdings sind die hohen Hardware-Anforderungen sicherlich ein Grund, den Wechsel noch eine Weile zu schieben. Das ist in der Praxis nicht schlimm; die meisten für Entwickler sinnvollen Neuerungen von Windows 11 können auch unter Windows 10 verwendet werden.

Der Trend zu Cross-Plattform-Development und entsprechenden Tools sorgt außerdem dafür, dass die Wahl des Betriebssystems heutzutage eher eine Frage des Geschmacks als der technischen Anforderungen ist. Es spricht auf der anderen Hand aber auch nichts dagegen, Windows 11 ab dem Release-Date zu verwenden – sofern die Hardware die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt.

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Über den Autor

 Christian Rentrop

Christian Rentrop

IT-Fachautor