Paketmanager, UI-Design, Game Stack und mehr Windows 11 bietet viel Neues für Entwickler

Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Windows 11 ist da – und Microsoft setzt wie selten zuvor auf die Entwickler-Szene. Eine ganze Reihe neuer oder deutlich optimierter Features wartet darauf, ausprobiert zu werden.

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Unter der modernen Oberfläche von Windows 11 verbergen sich einige nützliche Neuerungen für Entwickler.
Unter der modernen Oberfläche von Windows 11 verbergen sich einige nützliche Neuerungen für Entwickler.
(Bild: Microsoft)

Nach wie vor ist Microsoft Windows das verbreitetste Desktop-Betriebssystem der Welt. Android hat Windows beim Marktanteil zwar inzwischen überflügelt. Dennoch kommen Software-Entwickler, die eine große Menge Nutzer ansprechen wollen, kaum an Windows vorbei.

Mit Windows 11 gibt es seit Anfang Oktober 2021 eine neue Major-Version. Wie bei jedem Wechsel der Hauptversion müssen sich Entwickler allerdings mit den Änderungen befassen, die bei der Softwareentwicklung anfallen. Diese betreffen sowohl die verfügbaren Tools als auch die Schnittstellen für das Entwickeln für Windows 11.

Praktische Neuerungen

Zunächst ein Blick auf die Verbesserungen der Windows-Umgebung für Entwickler: Die wohl wichtigste Neuerung ist das Windows Subsystem for Linux (WSL) 2. Die in Windows integrierte Linux-Umgebung unterstützt jetzt auch GUI-Anwendungen unter Linux, zudem ist endlich ein vollständiger Linux-Kernel integriert.

Das WSL 2 integriert sich, wie schon die erste Version des Windows-Subsystem für Linux, weitestgehend nahtlos in die Windows-Umgebung. Damit können Software-Entwickler in vielen Fällen direkt unter Windows ihre Lieblings-Tools für Linux ausführen und müssen nicht umständlich mit Virtualisierungssoftware, Dualboot oder vergleichbaren Lösungen hantieren.

Paketmanager und mehr

Passend dazu gibt es mit dem neuen Windows-Terminal und dem Paketmanager Winget gleich zwei praktische Tools, um auch Windows im Unix-Stil zu verwenden. Ebenfalls runderneuert ist übrigens auch der Microsoft-Store, der nun eher als Paketmanager mit GUI dient.

Microsoft erlaubt jetzt das Einpflegen jeder App, auch weil nicht mehr Microsofts proprietäres MSIX vorausgesetzt wird. Das bedeutet für Entwickler, dass sie ihre Apps, Programme und sogar Progressive Web Apps (PWAs) künftig ohne Änderungen im Microsoft-Store anbieten können.

Visuelle Änderungen am Betriebssystem beachten

Die wohl offensichtlichste Änderung bei Windows 11 ist die deutlich modernere Benutzeroberfläche. Bei der Entwicklung für das neue Betriebssystem gibt es daher seitens Microsoft eine ganze Reihe neuer Design-Prinzipien. Microsoft wünscht sich in Apps modernes, barrierefreies Design, abgerundete Ecken, ein neues Farbschema und einen Nachtmodus.

Wie immer bei Windows ist das eher Kür als Pflicht; trotzdem ist es sinnvoll, einen Blick in die App-Designrichtlinie zu werfen, um Apps künftig optisch an das neue Microsoft-Betriebssystem anzupassen und dem User die bestmögliche Nutzererfahrung zu gewährleisten.

Natürlich können Software-Entwickler auch weiterhin ihre eigenen Design-Brötchen backen, müssen aber im Zweifel damit leben, dass die Oberfläche nicht sonderlich attraktiv auf Nutzer wirkt. Ein Kompatibilitätstest zu Windows 11 ist aber ohnehin für jede Software, die auf dem System laufen soll, sinnvoll.

Bei der Anpassung kann künftig auch die Windows-UI-Bibliothek WinUI 3 helfen, die Bestandteil der aktuellen Windows-App SDK ist. Diese wurde im Rahmen des ehemaligen „Project Reunion“ ebenfalls runderneuert und besitzt bereits vorgefertigte Windows-11-Templates für Desktop- und Portable-Apps: Entwickler, die diese Templates verwenden, können sehr einfach sicherstellen, dass ihre Apps vollständig im Windows-11-Stil gehalten sind.

Neuigkeiten für Spiele-Entwickler

Spiele-Entwickler können von Windows 11 ebenfalls profitieren. Der neue Game Stack ist Teil des Game Development Kits von Microsoft. Dabei handelt es sich um eine Zusammenführung verschiedener hauseigener Dienste und Services von Drittanbietern zu einem Ökosystem für die Spieleentwicklung.

Dreh und Angelpunkt ist dabei Microsofts Azure-Plattform, die unter der neuen Bezeichnung PlayFab einen Backend-Service für Spiele bereitstellt. PlayFab beinhaltet zum Beispiel Kommunikations- und Teamfunktionen, Echtzeit-Push und den sicheren Austausch von usergenerierten Spielinhalten. Game Stack beinhaltet zudem neue SDKs zur Entwicklung von XBox-Live-Inhalten auf anderen Plattformen wie iOS und Android.

Viele kleine Neuerungen für Developer

Neben diesen „großen“ Änderungen gibt es unter Windows 11 eine ganze Reihe kleinerer Verbesserungen für Software-Entwickler: Hunderte neue APIs wurden in der WinRT-Referenz eingefügt, auch die Win32-API wurde ergänzt.

Weitere Neuerungen betreffen Windows-Schnittstellen für die Bluetooth-Funktion, Telefonie, haptisches Feedback für Eingabestifte oder Firewall- und VPN-Optimierungen. Interessant sind auch die Optimierungen bei Microsofts Grafikschnittstelle DirectX und die völlig neue Rapid Storage-Technologie, die den Datentransport zwischen Datenträger und GPU deutlich beschleunigen soll.

Windows ist das Zentrum eines Ökosystems

Neben all den Neuerungen nimmt Microsoft auch logistisch eine Änderung vor: Windows 11 soll wieder Dreh- und Angelpunkt für Entwickler und das Zentrum eines ganzen Ökosystems werden. Microsoft hat verstanden, dass es sinnvoll ist, Software-Entwickler an die eigenen Töpfe zu locken und dort zu halten. Windows 11 ist deshalb von Grund auf besonders entwicklerfreundlich und – für Windows-Verhältnisse – sehr offen gestaltet.

Dadurch will Microsoft auch der wachsenden Konkurrenz großer Service-Anbieter wie Google oder Amazon entgegenwirken. Der wohl wichtigste Schritt auf diesem Weg ist dabei in der Tat der runderneuerte Windows-Store: Er erlaubt künftig allen Software-Entwicklern, hier reibungslos Software anzubieten – und zwar die „reguläre“ Version ohne Funktionsbeschränkungen, wie das bislang der Fall war

Microsoft wendet sich damit deutlich vom von Apple und Google etablierten (und schon lange nicht mehr gültigen) Argument des App-Stores als Sicherheitsgarantie ab. Statt Formzwang und Review-Prozess ist der neue Store eine Art Paketmanager mit GUI und bietet Möglichkeiten für den einfachen, zentralen Vertrieb. Davon profitieren neben Entwicklern natürlich auch Windows-Nutzer und nicht zuletzt Microsoft.

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