Kommentar zu Developer-Studie von CA

Wie Software-Entwickler ihre Arbeitssituation beurteilen

| Autor / Redakteur: Georg Lauer * / Stephan Augsten

Da Software-Entwickler oft alleine oder in kleinen Teams, dabei aber in mehreren Projekten zeitgleich aktiv sind, ist eine ordentliche Projektorganisation unabdingbar.
Da Software-Entwickler oft alleine oder in kleinen Teams, dabei aber in mehreren Projekten zeitgleich aktiv sind, ist eine ordentliche Projektorganisation unabdingbar. (Collage: StartupStockPhotos.com / CA / CC0)

Unrealistische Abgabetermine, mangelnde Kommunikation, unübersichtliche Workflows: Obwohl Software-Entwickler in einer CA-Studie viele Baustellen offenlegen, sind sie mit ihren Arbeitgebern trotzdem zufrieden. Wo besteht nun akuter Handlungsbedarf?

Wie modern und innovativ ein Unternehmen ist, zeigt sich Kunden heute nicht erst anhand von Produkten. Die ersten Berührungspunkte präsentieren sich den End-Usern in Form von Unternehmenswebsite und -Apps.

Der Stellenwert, den Unternehmen der direkten Interaktion mit den Kunden einräumen, wird dabei recht unterschiedlich bemessen. Dementsprechend liegen auch die Prioritäten bei der zugrundeliegenden Software-Entwicklung auf unterschiedlichen Levels.

Doch wie gehen Software-Entwickler eigentlich selbst damit um? Wie zufrieden sind sie mit der Unterstützung, die sie durch ihr Unternehmen erfahren? Und wo gibt es Ansatzpunkte für Verbesserungen? Wir haben 125 Software-Entwickler befragt, wie sie ihre gegenwärtige Arbeitssituation beurteilen.

Das Positive vorneweg: Insgesamt stellen Software-Entwickler ihren Arbeitgebern recht gute Noten aus. 99 Prozent der befragten Entwickler fühlen sich in der Lage, ihrem Unternehmen durch ihre Arbeit einen echten Mehrwert zu verschaffen und zu Innovationen beizutragen – doch besser geht bekanntermaßen immer.

Defizite bei der Projektorganisation: Unklare Ziele, unrealistische Deadlines

Es liegt in der Natur der Sache, dass Software-Entwickler zumeist alleine oder in kleinen Teams, dabei aber in der Regel auf mehreren Projekten zeitgleich, arbeiten. Umso wichtiger ist eine ordentliche Projektorganisation. Das fängt bei einem umfassenden Briefing an, umfasst die Kommunikation zwischen allen Stakeholdern und endet mit einer realistischen Deadline.

Doch wie unsere Befragung zeigt, gibt es in all diesen Bereichen Defizite: 78 Prozent der Befragten monierten, dass sie in neue Projekte „hineingeworfen“ werden, ohne vorher ausreichend zu den Zielen neuer Kunden-Apps gebrieft zu werden. Da verwundert es nicht, wenn die gleiche Anzahl angibt, dass im Zuge laufender Projekte die Spezifikationen oftmals so substanziell geändert werden, dass eine pünktliche Abgabe meist nicht möglich ist: 73 Prozent der Befragten beklagen unrealistische Deadlines.

Ein weiteres Manko im Bereich Projektmanagement liegt für die Befragten in der Kommunikation zwischen den Teams. 84 Prozent wünschen sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen Entwickler-, Operations- und Security-Teams. Entscheidend sei für die Befragten auch die Zusammenarbeit über die Grenzen des IT-Teams hinaus, um gemeinsam mit den Business Units die Ziele der Programmierarbeiten abzustecken und im Blick zu behalten.

Um die Kommunikation an der Schnittstelle zwischen Entwicklung und Business Line zu verbessern, sollte für die Befragten vor allem eins gegeben sein: Agiles Arbeiten. Entwickler wünschen sich die Integration agiler Praktiken in den Arbeitsalltag und den vermehrten Einsatz lernender Maschinen und künstlicher Intelligenz, um smarte Software im Unternehmen implementieren zu können.

Lücke zwischen unternehmerischem Anspruch und technologischer Wirklichkeit

Was sehr positiv auffällt: Ein Großteil der Befragten (73%) fühlt sich von seinem Arbeitgeber unterstützt und wertgeschätzt. Auch wenn sich noch immer 23 Prozent mit dem Druck, unter dem sie stehen, allein gelassen fühlen – ein Problem, das allerdings weniger den Eigenheiten der Branche als dem generell zunehmenden Wettbewerbsdruck geschuldet ist.

Leichter dürfte sich das folgende, von den Befragten genannte, Manko beseitigen lassen: 37 Prozent der Entwickler vermissen Tools und Werkzeuge sowie Schulungen, um innovative Software einführen zu können – eine zu hohe Zahl bei den Ansprüchen, die Unternehmen heute an die Softwareentwicklung stellen.

Immerhin: Software-Entwickler sehen sich nicht allein in der Rolle des „ausführenden Organs“ , das blind zur Umsetzung der Unternehmensstrategie beiträgt. Grundsätzlich teilen Software-Entwickler die Strategie des Managements – 87 Prozent begrüßen den Ansatz ihres Unternehmens in der Kundenansprache und -orientierung. Allerdings stellen 26 Prozent der Befragten fest, dass ihr Unternehmen im Konkurrenzkampf mit anderen keine essentiellen Wettbewerbsvorsprünge erreicht. 40 Prozent attestieren ihrem Unternehmen sogar eine zu geringe Risikobereitschaft, was eine schnellere Entwicklung verhindert.

Technologisch ist mehr drin!

Als weiteren, bremsenden Faktor für eine schnelle Entwicklung wird von den Befragten oft auch das Hin und Her vieler Unternehmen empfunden. So geben 26 Prozent an, dass aktuelle Softwareentwicklungen nicht stringent verfolgt werden. Das mag organisatorische wie auch technologische Gründe haben. Aus letzter Sicht birgt es das Potenzial, Automatisierungslösungen bei der Softwareerstellung und -einführung sowie Konzepte wie Agile Development und DevOps zu implementieren – dem stimmen drei Viertel der Befragten uneingeschränkt zu.

Das würde es wiederum auch ermöglichen, das Augenmerk wieder verstärkt auf das häufig vernachlässigte Thema Security zu richten. Denn leider ist Zeitdruck nach wie vor die Hauptursache für Sicherheitslücken. 59 Prozent der Befragten geben zu, dass sie Security stiefmütterlich behandeln, wenn sie gezwungen sind, neue Software und Apps schnell auf den Markt zu bringen.

Georg Lauer
Georg Lauer (Bild: CA Technologies)

Unsere Studie zeigt deutlich: In der Softwareentwicklung gilt es sowohl organisatorisch, als auch technologisch noch an einigen Stellschrauben zu drehen, um den Wünschen nicht nur der Kunden, sondern auch der Entwickler selbst zu entsprechen. Gerade bei großen Konzernen mit vielen Playern mag es kurzfristig einfacher sein, sich neuen Technologien zu öffnen als sich einer neuen Unternehmenskultur zu verschreiben – auch wenn, auf lange Sicht, beides Hand in Hand gehen muss.

* Georg Lauer ist als Senior Principal Business Technology Architect bei CA Technologies tätig.

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