Auf dem Weg in neue Welten Wie man das Metaverse mit AR, VR und Blockchain aufbaut

Ein Gastbeitrag von Gopikrishnan Konnanath *

Von Cloud Computing und 5G über Blockchain und Virtual sowie Augmented Reality bis hin zu künstlicher Intelligenz: Im Metaverse herrscht aktuell Hochkonjunktur – und die Vision, in welche Richtung sich Dinge entwickeln, wird immer deutlicher. Wie wird die Konvergenz dieser Technologien die Welt verändern?

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Die jüngsten Entwicklungen im Blockchain-Ökosystem treiben AR-Anwendungen voran.
Die jüngsten Entwicklungen im Blockchain-Ökosystem treiben AR-Anwendungen voran.
(Bild: xresch / Pixabay )

Aktuell konzentrieren sich die Diskussionen rund um das Metaverse auf eine immersive virtuelle Realität (VR) – doch auch die Augmented Realitiy (AR) spielt eine wichtige Rolle. AR blendet digitale Objekte in die reale Welt ein, sichtbar werden diese über Endgeräte wie Smartphones und Smart Glasses.

Experten zufolge birgt AR im Vergleich zu VR ein größeres Potenzial, da die Menschen sich wahrscheinlich früher oder später an einer vollständig virtuellen Umgebung satt sehen und es vorziehen, sich einem realen Umfeld aufzuhalten. AR-Anwendungen gibt es auch schon seit einiger Zeit, etwa bei Spielen wie Pokémon Go oder Echtzeitnavigation wie Google Maps. Eine breite Akzeptanz bildet sich allerdings nur langsam.

Grund hierfür sind Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, der Kosten für die erforderliche Technologie und des Mangels an rentablen Anwendungen. Dies wird sich voraussichtlich schnell ändern, denn die jüngsten Entwicklungen im Blockchain-Ökosystem treiben AR-Anwendungen voran – diese wiederum können durch AR-Clouds, Non-fungible Tokens (NFTs) und die dezentralisierte Content-Erstellung über Open Source-Software ergänzt werden.

AR-Clouds treiben zahlreiche Applikationen voran

AR-Clouds sind digitale 3D-Zwillinge der realen Umgebung und werden mit virtuellen Objekten und Informationen ergänzt. Sie nutzen Datenstreaming und Geolokalisierungsfunktionen, um AR-Inhalte in realen Umgebungen remote weltweit bereitzustellen. So kann Augmented Reality den Anwenderinnen und Anwendern ein besseres Erlebnis bieten.

Informationen lassen sich damit auf immersive Weise vermitteln, anstatt dass die User in einer App oder einem Internetbrowser danach suchen müssten. Das AR-Startup Arround beispielsweise hilft Firmen, Blockchain-basierte soziale Netzwerke (wie Kommunikationsplattformen, Metaversen und Bildungsportale) für ihre Community zu erstellen. Im Gegensatz zu zentralisierten sozialen Netzwerken behalten die Unternehmen die vollständige Kontrolle über die Inhalte in ihren Netzwerken und können diese auch durch Werbung monetarisieren.

NFTs könnten zum Wachstum der AR-Wirtschaft beitragen

Blockchain-basierte NFTs haben im Metaverse bereits an Bekanntheit gewonnen. Führende Marken wie Nike, Adidas, Walmart, und Walmart experimentieren mit ihnen und entwickeln neue digitale Geschäftsmodelle. Bisher sind NFTs hauptsächlich auf VR-Welten ausgerichtet, allerdings gewinnen sie im AR-Umfeld bereits an Zugkraft und funktionieren in diesem Umfeld genauso wie in einer VR-Umgebung.

Geografisch verortete, virtualisierte Assets aus realen Umgebungen, darunter Grundstücke und Immobilien, Werbeplakate und andere Objekte, können in AR-Clouds erworben, genutzt, gemietet und gehandelt werden. Die Erstellung von Assets als NFTs auf der Blockchain ermöglicht es, dass jedes Objekt eindeutige, identifizierbare Eigenschaften besitzt und die Eigentümerschaft unbestreitbar ist.

Mit NFTs in AR-Welten sind Anwender in der Lage, ihre Assets mit Hilfe von Smart Contracts zu monetarisieren. So kann beispielsweise die in einer Augmented-Reality-App erworbene Werbefläche zu einem vordefinierten Preis und einer vordefinierten Zeit zusammen mit anderen Bedingungen an interessierte Werbekunden vermietet werden. In Games wie Pokémon Go haben Nutzer die Möglichkeit, einzigartige Charaktere zu erwerben und sie in der virtuellen Wirtschaft gegen echtes Geld einzutauschen. NFTs ermöglichen es Anwendern, Kontrolle über ihre Aktivitäten in VR- oder AR-Umgebungen auszuüben.

NFTs und das Krypto-Ökosystem sind jedoch mit einigen Bedenken verbunden. Erstens verbrauchen einige Blockchains große Mengen an Energie. Marathon, ein Bitcoin-Mining-Unternehmen, hat beispielsweise ein Kohlekraftwerk in Montana gekauft und wieder in Betrieb genommen – im zweiten Quartal 2021 wurden hier 187.000 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Unternehmen können die Verwendung von Proof-of-Stake-Blockchains anstelle von Proof-of-Work-Blockchains in Betracht ziehen, da erstere schneller und weniger energieintensiv sind.

Zweitens sind die NFT- und Krypto-Bereiche nicht reguliert – dies wiederum wirft Fragen auf, inwieweit digitale Token und Assets tatsächlich für den Mainstream-Gebrauch durch Verbraucher geeignet sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Regulierungsbehörden die neuen Tools stärker kontrollieren, infolgedessen wird sich das derzeitige Ökosystem einem Wandel unterziehen – Unternehmen sollten dies bereits jetzt einplanen.

Erstellung von Open-Source-Inhalten erweitert das Ökosystem

Dezentralisierung ist eine Kernprämisse des Metaverse. Es gibt bereits Plattformen, die Software Development Kits (SDKs) für die Erstellung von AR-Inhalten anbieten. Darüber hinaus setzen sich Low-Code/No-Code-Plattformen immer mehr durch. Damit sind Anwender in der Lage, digitale Assets für VR- und AR-Welten zu erstellen. Dies wiederum treibt das Wachstum des Metaverse-Ökosystems voran und schafft eine virtuelle Wirtschaft, die schon bald größer sein könnte als die reale, da es mehrere VR- und AR-Welten geben wird.

Das Hinzufügen von Open-Source-Software zu jedem System bringt jedoch Herausforderungen mit sich. Wenn man der Öffentlichkeit erlaubt, Inhalte auf proprietären Plattformen zu entwickeln, kann dies – absichtlich oder unabsichtlich – zu Sicherheitslücken führen: OSS kann beispielsweise davon abhängig sein, dass Dritte ihren Code und ihre Bibliotheken pflegen. Jede Software, die mit dem Code von Drittanbietern entwickelt wird, muss regelmäßig auf potenzielle Sicherheitslücken untersucht werden. Dies ist ein Bereich, in dem Zero-Trust-Security-Frameworks helfen können, potenzielle Probleme einzudämmen.

Das Erstellen von Open-Source-Inhalten könnte für Menschen und Organisationen aber auch eine Reihe neuer Einnahmequellen erschließen. Unternehmen wie OVR erstellen Open-Source-AR-Welten, indem sie Milliarden von sechseckigen Flächen auf der Oberfläche des Planeten überlagern. Davon kann jede einzelne gekauft und von den Eigentümern genutzt werden, um weitere digitale Inhalte zu erstellen. So sind User beispielsweise in der Lage, ihre eigenen virtuellen Immobilien mit digitaler Kunst, Möbeln und anderen Dingen zu gestalten und ihre Entwürfe für die Verwendung in der VR-, AR- oder realen Welt zu lizenzieren.

Angesichts der zunehmenden Bedenken, dass die Menschen zu viel Zeit mit und an ihren Endgeräten verbringen, müssen auch Unternehmen auf das Risiko einer negativen Resonanz achten. Zwar gibt es kaum stichhaltige Beweise für eine tatsächliche Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit, aber die Wahrnehmung, dass zu viel Zeit online, dem Wohlbefinden schaden kann, und das Schadenspotenzial – und damit das Risiko für den Ruf eines Unternehmens – wird mit der zunehmenden Verbreitung „metaverser Erfahrungen“ nur noch zunehmen.

Gopikrishnan Konnanath
Gopikrishnan Konnanath
(Bild: Infosys)

Abschließend sollte der aktuelle Hype um NFTs, die für Tausende oder sogar Millionen von US-Dollar verkauft werden, Firmen nicht von tatsächlichen Problemlösungsanwendungen ablenken. Die meisten der aktuellen Erfahrungen in der VR- und AR-Wirtschaft müssen erst noch für eine breitere Akzeptanz bei Verbrauchern und Unternehmen validiert werden. Große technologische Umwälzungen hat es jedoch bereits gegeben und wird es auch in Zukunft geben. Diejenigen, die in der Lage sind, einen echten Mehrwert für ihre Kreationen zu finden und zu liefern, werden erfolgreich sein, während andere einfach verschwinden könnten – ähnlich wie Unternehmen in der realen Welt.

* Gopikrishnan Konnanath ist SVP & Global Head, Engineering Services and Blockchain, bei Infosys.

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