RPA für schnelle Entscheidungen in Hightech-Lieferketten

Wie intelligente Software-Bots arbeiten

| Autor / Redakteur: Swapnil Sirdeshmukh, Yashdeep Saran und Ankit Tondon / Stephan Augsten

Im Zuge von RPA standardiesieren und automatisieren Software-Bots wiederkehrende Geschäftsprozesse.
Im Zuge von RPA standardiesieren und automatisieren Software-Bots wiederkehrende Geschäftsprozesse. (Bild gemeinfrei: geralt / Pixabay)

Mit Robotic Process Automation, kurz RPA, lassen sich wiederkehrende Geschäftsprozesse automatisieren und beschleunigen. Dies erlaubt es, schnellere und bessere Entscheidungen im und für das Unternehmen zu treffen.

Schnelle Entscheidungsfindung spielt in der dynamischen Hightech-Branche und deren Lieferketten – komplexe physikalische und virtuelle Netzwerke, die rund um die Uhr und synchron arbeiten – eine entscheidende Rolle. Kurze Produktlebenszyklen und zunehmende Preissensibilität stehen auf der Unternehmensagenda ganz oben.

Aber warum ist die Geschwindigkeit, in der Entscheidungen getroffen werden, eigentlich so wichtig? Nun ja: In der Hightech-Branche wird die Zeit vermehrt zum entscheidenden Faktor, jede Verzögerung kann direkte Auswirkungen auf wichtige Geschäftskennzahlen haben.

Ein Beispiel: Ein PC verliert nach etwa zehn Prozent seines durchschnittlichen Produktlebenszyklus etwa 30 Prozent an Wert. Dieser Druck ist innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette spürbar – von den OEMs bis hin zu den Lieferanten.

Hightech ist ein innovationsgetriebener Markt mit kurzer Time-to-Market und konstantem Margendruck. Endprodukte sind oftmals modular aufgebaut und bieten verschiedene Versionen – auf Wunsch teilweise auch personalisiert – um die individuellen Wünsche der Kunden so gut wie möglich zu adressieren.

Aber warum sind gerade die Lieferketten in dieser Branche so schwer zu managen? Durch den oftmals modularen Charakter der Produkte ist eine große Anzahl an verschiedenen Komponenten notwendig. Fernseher bestehen beispielsweise aus 1.200 Einzelteilen. Das erhöht die Komplexität bei der Verwaltung von Stock Keeping Units (SKUs) in einem dynamischen, anspruchsvollen und immer kürzer werdenden Lebenszyklusumfeld immens.

Hightech-Unternehmen bestimmen Produktionsstandorte basierend auf einem sich stetig weiterentwickelnden Algorithmus aus Arbeitskosten, Verfügbarkeit von Wissen und Expertise, Bedarfszentren und logistischen Netzwerken. Geografische Entscheidungen sind alles andere als statisch und müssen verschiedene Risiken einkalkulieren.

Angesichts dieser Kombination von Faktoren sind Auftragsabwicklung und Kundenservice große Herausforderungen in der Branche. Die zur Lieferkette gehörenden Unternehmen müssen in der Lage sein, die Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Gesamtkosten unter Kontrolle zu halten.

Langsame Entscheidungen verhindern Wachstum

Entscheidungsverzögerungen bei Preisen, Lagerbeständen und Auftragsmengen wirken sich direkt auf Umsatz, Marge, Cashflow und Kundenzufriedenheit aus. Falsche Entscheidungen und selbst geringe Auftragsverzögerungen führen zu erheblichen Problemen bei der Kundenzufriedenheit und damit den Geschäftskennzahlen. Damit ist es ein idealer Kandidat für automatisierte, rationale Entscheidungen auf Basis vordefinierter Bedingungen und Regeln.

Was kann RPA?

Robotic Process Automation (RPA) ist der Einsatz spezialisierter Computerprogramme – bekannt als Software-Roboter (Bots) – zur Standardisierung und Automatisierung wiederholbarer Geschäftsprozesse und alltäglicher Aufgaben mit regelbasierter Software. Als virtuelle Assistentenerledigen Bots langwierige und programmierbare Aufgaben schneller und geben den Mitarbeitern Zeit, sich auf interessantere Aufgaben mit Mehrwert zu konzentrieren.

RPA verwendet eine vorhandene Benutzeroberfläche (User Interface / UI) und kann auf jeder Software oder Plattform ausgeführt werden – einschließlich webbasierter Anwendungen, ERP-Systeme und Mainframes. RPA unterstützt Unternehmen dabei, schnellere Entscheidungen zu treffen. Die Technologie automatisiert Aufgaben, die aufgrund übermäßiger Prozesszeiten bei der Organisation und Präsentation von Daten verzögert werden.

Bei der traditionellen Methode zur Automatisierung von Workflows erzeugt ein Programmierer eine Folge von Aktionen zur Ausführung einer Aufgabe. Er integriert oder vernetzt sich mit dem Backend-System – etwa ERP oder CRM – unter Verwendung von Anwendungsprogrammierschnittstellen (Application Programming Interfaces, APIs) und Skriptsprachen.

RPA-Implementierungen hingegen erzeugen Aktionslisten, indem sie benutzerdefinierte Aufgaben in der Anwendungsoberfläche aufzeichnen. Diese aufgezeichneten Aufgaben werden dann direkt und wiederholt auf der Benutzeroberfläche automatisiert ausgeführt.

Die Vorteile von RPA liegen darin, dass historische Datenmuster in einzigartigen Situationen identifiziert und als Wissen für zukünftige Entscheidungen erfasst werden können. Im Supply Chain Management lässt sich diese automatisierte und schnelle Entscheidungsfindung nutzen, um häufig auftretende Szenarien wie Auftragserfüllung, Eskalation bei Verzögerungen, Kundeninteraktionen und Änderungsmanagement zu verwalten.

Das Change Management bei der Auftragserfüllung umfasst auch die Aktualisierungen der Auftragsattribute. Viele davon sind sehr komplex, unter anderem Menge, Ziel, Zeit und Lieferart sowie alternative Teile aufgrund von Nichtverfügbarkeit oder Veralterung.

KI-basierte Lösungen

Wenn Unternehmen fortschrittliche Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Natural Language Processing für kognitive Fähigkeiten einführen, lassen sich damit auch komplexere Aufgaben wie die Auswahl der Lieferanten und der Abgleich von Angebot und Nachfrage automatisieren.

In Kombination mit KI replizieren und beschleunigen diese RPA-Möglichkeiten Aufgaben, die bisher von Menschen durchgeführt: Daten erfassen, verarbeiten und teilen sowie Entscheidungen treffen, die auf dem Wissen vergangener Aktionen basieren.

RPA interagiert mit der bestehenden IT-Architektur, ohne dass komplexe Integrationen oder Änderungen von Systemen und Prozessen erforderlich sind. Die Entwicklung von Anwendungscodes sowie ein direkter Zugriff auf eine Anwendung oder Datenbank sind ebenfalls nicht notwendig.

Die Vorteile von RPA auf einen Blick:

Präzision: Geringere Fehleranfälligkeit und Funktion mit Genauigkeit und Gleichmäßigkeit

Produktivität: Schnellere Ausführungszeit

Compliance: Definierte Richtlinien für eine auditfreie Testversion

Konsistenz: Wiederkehrende Aufgaben werden jedes Mal auf die gleiche Weise ausgeführt

Codefrei: Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich

Kosteneinsparungen: Reduziert die Anzahl der manuellen Mitarbeiter und senkt damit die Kosten

Zuverlässigkeit: Bots können rund um die Uhr effektiv arbeiten

Reduziert die Belastung der IT: Beeinflusst das zugrunde liegende Altsystem nicht

RPA imitiert und optimiert repetitive Geschäftsprozesse. Darüber hinaus verwalten KI-Algorithmen Geschäftsaufgaben, die Analysen und komplexe Entscheidungen umfassen. RPA ist in Kombination mit KI noch leistungsfähiger und erzielt bessere Ergebnisse. Mit KI erhöhen Bots den Wert von Systemen, anstatt Aufgaben zu duplizieren, die Menschen zuvor erledigt haben. Die KI fügt dem System quasi ein „Gehirn“ hinzu, wobei RPA als Arme und Beine der Prozessausführung fungiert.

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