DevOps muss der Komplexität des IT-Stacks gerecht werden Wie Developer die Observability-Implementierung vorantreiben

Ein Gastbeitrag von Klaus Kurz

In Zeiten moderner, verteilten IT-Umgebungen und agiler Development-Methoden geht schnell der Überblick verloren. Dieser Beitrag zeigt auf, wie Observability-Technologien dabei helfen, trotz aller Hektik angemessen und schnell zu reagieren.

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Klassische Security- und Monitoring-Tools liefern nicht den holistischen Blick auf das Zusammenspiel aller Komponenten im IT-Stack.
Klassische Security- und Monitoring-Tools liefern nicht den holistischen Blick auf das Zusammenspiel aller Komponenten im IT-Stack.
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Für Entwickler hat sich durch die Pandemie viel verändert. Das Arbeiten findet viel verteilter statt – im Development, aber auch im gesamten Unternehmen. So wurden in Windeseile neue Lösungen fürs Remote Working eingeführt. Hinzu kommen neue Anwendungen für die Interaktion der Unternehmen mit der Kundschaft.

Die Art und Weise, wie dieselben mit Unternehmen kommunizieren, hat eine wahre Revolution erlebt. McKinsey liefert Zahlen dazu: Der Anteil digitaler Kundenkontakte stieg durch Corona auf ein Level, das unter üblichen Bedingungen erst ganze drei Jahre später erreicht worden wäre. Ein großer Sprung nach vorn für die Digitalisierung.

DevOps Teams stehen daher vor großen Herausforderungen. Einer aktuellen Studie nach klagen lediglich 17 Prozent der Entwicklerinnen und Entwickler nicht über Anzeichen von Überlastung. Dass Ressourcen sehr zügig – in manchen Fällen geradezu hektisch – aufgestockt wurden, führt in vielen Fällen zu einem Verlust an Überblick. Nicht immer können DevOps Teams sämtliche Komponenten im Stack rund um die Uhr im Auge behalten.

Die Folge: Atemberaubende 80 Prozent der Unternehmen setzen veraltete Komponenten im Stack ein – mit entsprechenden Folgen für Sicherheit, Resilienz und Performance. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen haben als Reaktion auf den Evolutionssprung und die hohe Geschwindigkeit der Entwicklung ihr Budget für IT-Sicherheit erhöht. Das berichtet der State of Security Operations Report von Micro Focus. Ein erster Schritt. Doch reicht das aus?

Weiterhin viele IT-Systemausfälle

Offensichtlich nicht, denn die Resilienz der IT-Landschaft in Deutschland lässt zu wünschen übrig. Der im Herbst 2021 erschienene New Relic Observability Forecast belegt: Ganze 62 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland verzeichneten einen oder mehrere IT-Systemausfälle pro Woche. Ein Fünftel der Unternehmen traf es sogar einmal pro Tag. Sieben Prozent plagten sich gar mehrmals täglich mit IT-Systemausfällen.

In der New-Relic-Studie zum Thema „More Perfect Software“ kam zudem zum Vorschein, dass 46 Prozent der Unternehmen erst von Kundinnen und Kunden auf Probleme aufmerksam gemacht werden. Mangelnde Observability betrifft folglich nicht nur die IT, sondern kann direkte Auswirkungen auf das Kundenvertrauen und den Geschäftserfolg entfalten.

Unternehmen, die Observability ernst nehmen, stärken damit ihrem DevOps-Team den Rücken und ebnen den Weg hin zu DevSecOps – und sie tun gut daran. Denn so können Developer und Admins Anomalien und Angriffe frühzeitig erkennen und abwehren, und das über den gesamten Lifecycle hinweg, beginnend bei der Entwicklung über die Implementierung bis hin zum laufenden Betrieb. So werden Downtimes und Umsatzeinbußen vermieden.

Dem New Relic Observability Forecast nach besteht hier jedoch Nachholbedarf: Ganze 74 Prozent der Befragten sehen Luft nach oben bei ihrer Observability-Praxis. Dennoch sind die an der Studie Teilnehmenden überzeugt: Observability macht es dank besserem Überblick leichter, für mehr Sicherheit und Resilienz von IT-Anwendungen zu sorgen. Das gilt für On-Premises-Anwendungen, aber auch für containerbasierte Kubernetes-Anwendungen in der Cloud.

Wer nicht zwischen etlichen Tools hin- und herschalten muss, um seinen Stack zu kontrollieren, hat mehr Zeit für das Wesentliche. Diesbezüglich gibt es in den Unternehmen viel zu verbessern: 72 Prozent aller weltweiten Studienteilnehmer gaben an, mindestens zwei verschiedene Werkzeuge zu nutzen, um die Systemgesundheit im Blick zu behalten. 13 Prozent der IT Professionals verwenden sogar zehn Tools.

Das sorgt für Leidensdruck und Investitionsbereitschaft: 72 Prozent der Befragten planen, ihr Observability-Investment 2022 zu erhöhen. Weitere 22 Prozent möchten die Ausgaben unverändert lassen, nur sechs Prozent planen eine Verringerung ihres Observability-Budgets.

Observability ist strategisch wichtig

Für den New Relic Observability Forecast 2021 wurden Unternehmen in Amerika, Asien und Europa befragt. 90 Prozent davon stellen fest, Observability habe eine strategisch wichtige Bedeutung für ihr Unternehmen. 91 Prozent finden, sie habe kritische Bedeutung an jedem Punkt des Software-Lebenszyklus. Dies sowohl während der Planung als auch im operativen Geschäft. 42 Prozent finden, Observability sei ein wichtiger Faktor im Rahmen der digitalen Transformation. Ein Viertel freut sich darüber, dass ihr Unternehmen durch Observability effektiver geworden sei.

DevOps-Teams wissen, wie sehr Observability zu Sicherheit und Effizienz der IT und des ganzen Unternehmens beiträgt. Immer komplexere Wechselwirkungen zwischen Infrastruktur-Komponenten, Apps, Netzwerken und weiteren Systemen bergen Risiken, die sich so besser kontrollieren lassen. Klassische Security- und Monitoring-Tools sind ein erster richtiger Schritt, liefern aber nicht den holistischen Blick auf das Zusammenspiel der Komponenten im Stack.

Die Frage ist: Wie überzeugen operativ Verantwortliche das Top-Management von deren Wert? Auch wenn Observability dank nutzungsabhängiger Abrechnung keine hohen Kosten verursacht: C-Levels sind stets auf der Suche nach Budgetposten, die eingespart oder auf später verschoben werden können. Die Antworten der Befragten liefern eine gute Argumentationslinie.

Observability zahlt direkt auf das Geschäftsergebnis ein

Observability wirkt sich positiv auf den Geschäftsbetrieb aus. Dieser Meinung sind zumindest die befragten Entwickler, Professionals und Entscheider:

  • 1. 27 Prozent sehen dank Observability eine höhere Geschwindigkeit bei der Entwicklung sowie mehr Qualität und Agilität.
  • 2. 25 Prozent verbinden Observability mit mehr Kosteneffektivität.
  • 3. 23 Prozent attestieren Observability eine verbesserte digitale Nutzererfahrung.

Das sind alles starke Argumente, die auch C-Levels verstehen. Genau das kommt DevOps Teams und IT-Verantwortlichen entgegen. Denn sie können damit intern die Notwendigkeit zusätzlicher Ressourcen für Observability untermauern. Die Botschaft der Fachabteilungen an das Top-Management lautet: Observability lohnt sich auch betriebswirtschaftlich. Es geht nicht nur um IT-interne Verbesserungen, sondern um mehr Schlagkraft für das gesamte Unternehmen.

Fehlende Ressourcen und Expertise bremsen Implementierung

Viele Unternehmen befinden sich derzeit noch in der Entscheidungs- und Planungsphase. Nur etwa jedes zweite sieht sich bereits im Prozess der Implementierung – was die Frage aufwirft: Woran liegt’s?

Vor allem mangle es an Ressourcen, so 38 Prozent der Befragten. Fehlende Expertise sehen 29 Prozent als Ursache. Drei von fünf DevOps Teams betreiben aufgrund dieser Hürden das Monitoring ihrer Telemetriedaten immer noch anwendungsspezifisch mit mehreren unterschiedlichen Tools. So entstehen Blind Spots. Teile des Stacks bleiben mangels Gesamtüberblick unbeobachtet – mit entsprechenden Nachteilen für Resilienz und Sicherheit.

IT und C-Levels sollten zusammenarbeiten, um diesen Blindflug zu beenden und der Komplexität im Stack besser gerecht zu werden. Es gilt, gemeinsam ausreichend Ressourcen für die anstehende Observability-Einführung zu definieren und zu schaffen. Klare Strategien und Roadmaps sind unerlässlich.

C-Levels die Vorteile von Observability vor Augen führen

Die Mehrheit der Unternehmen weltweit plant, rasch vollständige Observability einzuführen. Für IT-Teams liegen die Vorteile ganz unmittelbar auf der Hand. Sie erhalten den Überblick über sämtliche Telemetriedaten, einschließlich Metriken, Events, Traces und Logs. Doch Observability erhöht auch Effizienz, Resilienz und Sicherheit.

IT-Entscheiderinnen und -Entscheider sowie Developer haben auf Basis der Umfrageergebnisse aus dem New Relic Observability Forecast die Chance, ihrem Top-Management die eindeutigen Business-Vorteile von Observability aufzeigen. Mit einer Bepreisung abhängig vom Verbrauch sind die Kosten für Observability überschaubar. Zudem geht es nicht nur um mehr Sicherheit, sondern auch um mehr Effizienz, Kosteneffektivität und bessere Nutzererfahrung.

Klaus Kurz
Klaus Kurz
(Bild: New Relic)

All das macht nicht nur die Arbeit der DevOps Teams leichter, sondern hat auch handfesten betriebswirtschaftlichen Nutzen. Observability lohnt sich. Diese Argumente verstehen die C-Levels, da sie direkt auf das Geschäftsergebnis einzahlen. Damit ist der IT die Unterstützung bei der nun immer vordringlicher werdenden Observability-Einführung gewiss. Die notwendigen Strategien, Roadmaps und Investitionen können eingeplant und umgesetzt werden. Es ist höchste Zeit, mit der Implementierung zu beginnen!

* Klaus Kurz ist seit Herbst 2019 Director, Solutions Consulting Central Europe bei New Relic. Hier führt er ein stetig wachsendes Team an Solution Engineers, Solution Consultants und Solution Architects, das Kunden bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungspläne unterstützt. Zuvor arbeitete er 15 Jahre bei Adobe und füllte Positionen vom Manager Business Development bis zum Head of Solution Consulting für Zentral- und Osteuropa.

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