Empfehlungen aus dem Thoughtworks Technology Radar

Wichtige Makrotrends in der Informationstechnik

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Browser auf dem Vormarsch, Server auf dem Rückzug

Trotz des zunehmenden Angebots mobiler Plattformen wie iOS und Android herrschen webbasierte Oberflächen in der Branche weiterhin vor. Die Nachfrage nach hochinteraktiven Benutzeroberflächen ist groß.

Einfache Oberflächen auf Basis von „HTML+Formularen“ wurden von komplexen Single-Page-Webanwendungen abgelöst, bei denen große Zustands- und Logikvolumina im Browser ausgeführt werden. Gleichzeitig wurde die serverseitige Logik abgespeckt und beschränkt sich nun oft auf eine Reihe von APIs, die die Ansprüche des Browsers erfüllen. Dieser Trend hält an und zeigt sich in verschiedenen neuen Technologien, die dem Browser zu noch mehr Leistungsfähigkeit verhelfen.

WebAssembly ist ein Binärformat, das neue Sprachmöglichkeiten eröffnet, wie die direkte (und sichere) Ausführung von C++ und Rust im Browser. Web Bluetooth erschließt eine Funktionalität, die bisher nativen Anwendungen vorbehalten war. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt: Anzeige- und Interaktionslogik liegen im Client vor, Plattformen oder Sidecars verarbeiten funktionsübergreifende Anforderungen und Backend-Services können sich gezielt auf die zentrale Domänenlogik konzentrieren.

Cloud wird komplizierter

Der aktuelle Technology Radar enthält zahlreiche Blips rund um AWS. Spricht die starke Präsenz von AWS für seine Ausgereiftheit, eine echte Präferenz des Marktes für das Produkt oder ist sie das Resultat der expliziten Strategie von Amazon, andere Cloud-Anbieter mittels Funktionalität auszustechen?

Hier kommen mehrere Faktoren zusammen. Viele Einzelhandelsunternehmen meiden AWS, weil sie in Amazon einen Mitbewerber sehen und sich aus strategischen Gründen entschieden haben, dessen Services nicht zu nutzen. Unseren Beobachtungen zufolge sind Microsoft Azure und Google Cloud Platform im Kommen. Beide Plattformen werden immer ausgereifter und ihre Messaging-Funktionen finden bei den Käufern Anklang.

Die Palette der Cloud-Angebote ist groß. Mit Inkrafttreten neuer Datenschutzvorschriften wie der DSGVO der EU wird es für Unternehmen jedoch schwieriger, festzustellen, welche Cloud-Lösung ihren Verpflichtungen zur Einhaltung von Auflagen und Bestimmungen gerecht wird. Heute ist die Cloud wesentlich komplizierter als die Umsetzung des CTO-Beschlusses, „alles in die Cloud zu verlagern“.

Kubernetes, ein „Anwendungsserver für die Cloud-Ära“

Bei der Diskussion der Themen für diese Radar-Ausgabe kam die Frage auf: „Werden wir in drei bis fünf Jahren so verärgert über Kubernetes sein, wie wir es momentan über WebSphere sind?“ Wird Kubernetes zum künftigen „Anwendungsserver-Ungetüm“, das alles an sich bindet und so inkrementelle Technologieerneuerungen verhindert? Wird Kubernetes zur neuen Middleware und macht aus unseren Systemen ein verworrenes, undurchschaubares und Google-gesteuertes Gebilde?

Hier wurde tatsächlich eine mögliche negative Entwicklung verhindert. Viele der PaaS-Umgebungen sahen schon nach „WebSphere 2.0“ aus, aber Kubernetes hat sich mit einer einfacheren Plattform und einem einfacheren Modell von dieser Komplexität abgewandt. Technologieerweiterungen sind unvermeidlich. Müssen wir also damit rechnen, dass sich Kubernetes zur ausufernden „Bloatware“ entwickelt? Dies ist unwahrscheinlich. Die ständig zunehmende Komplexität ist Anbietern geschuldet, die ihre Bedürfnisse nach mehr und umfangreicheren Produkten stillen wollen.

Bei Kubernetes (ursprünglich von Google, jetzt von der Linux Foundation verwaltet) liegt die Sache anders, denn es stammt nicht von einem Unternehmen für IT-Tools bzw. -Produkte. Tools, Frameworks und Plattformen werden vermehrt von Anwendern oder Unternehmen betreut, die (aus welchen Gründen auch immer) ihre eigenen Entwicklungen zur Verfügung stellen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Kubernetes grundlegend von Anwendungsservern.

Mike Mason
Mike Mason
(Bild: ThoughtWorks)

Aber wird das – angesichts der verkürzten Halbwertszeit des Wandels – in fünf Jahren überhaupt noch eine Rolle spielen? Heute können wir unsere Architekturen binnen eines Nachmittags radikal ändern – dafür müssen wir lediglich die Implementierung von Software und Komponenten anders konfigurieren. Wenn alles Software-definiert ist, können wir schneller agieren. Konzepte wie Continuous Delivery haben die Szenerie verändert. Es wird immer etwas Neues geben, das besser ist, aber jetzt lässt es sich leichter übernehmen. Diese rasante Entwicklung macht die Softwarebranche so faszinierend.

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* Mike Mason ist Global Head of Technology bei ThoughtWorks.

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