Lebenslanges Lernen als Chance für die IT-Branche

Weiterbildung und Spezialisierung gegen Fachkräftemangel

| Autor / Redakteur: Philipp Leipold * / Stephan Augsten

Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich stetig weiterzubilden und ihre Qualifikationen zu verbessern.
Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich stetig weiterzubilden und ihre Qualifikationen zu verbessern. (Bild: NESA by Makers - Unsplash.com)

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Konkrete Maßnahmen oder Lösungsansätze hingegen selten. Dabei wächst das Angebot auf dem Weiterbildungsmarkt kontinuierlich und bietet Chancen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Eines der großen Themen, das die Wirtschaft in 2018 durchgehend beschäftigt hat, ist der Fachkräftemangel. Neben Pflegekräften werden vor allem IT- und Technologie-Experten händeringend gesucht. Auch wenn die Anzahl der IT-Studenten steigt, entwickelt sich die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt noch rasanter und stellt Unternehmen vor große Herausforderungen.

Die Gefahr liegt darin, dass Aufträge abgelehnt werden müssen und Kunden nicht zufriedenstellend betreut werden. Um sich zukunftsorientiert und professionell aufzustellen, sind Arbeitgeber gefordert, ihre HR-Prozesse zu überdenken. Unternehmen müssen sich breiter aufstellen und sich neuen Entwicklungen öffnen. Dazu gehört beispielsweise die Nutzung von neuen Talent-Pools, wie Quereinsteiger oder ältere Arbeitnehmer.

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen

Klassisches Recruiting, wie es in den meisten Unternehmen noch stattfindet, ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß und grenzt die Mitarbeitersuche extrem ein. Klassische Anschreiben und Lebensläufe sind überholt und sollten im Recruiting keine vorrangige Rolle mehr spielen. Sie können die Auswahl der Bewerber aber weiterhin inhaltlich ergänzen.

Das Hauptaugenmerk der Personaler sollte vor allem auf der Motivation und Persönlichkeit des Bewerbers liegen. Was sind seine/ihre Beweggründe, sich in dem Unternehmen zu bewerben? Welche Soft Skills bringt der/die Bewerber/in mit? Sind die Werte des/der Jobsuchenden mit denen des Unternehmens kompatibel? Und am allerwichtigsten: Brennt der/die Bewerber/in für den Job?

Ebenso sollte aber auch die Motivation der aktuellen Mitarbeiter gefördert werden. Interne und externe Weiterbildungen sind nur ein Beispiel für die vielen möglichen Benefits, die die Mitarbeiterzufriedenheit steigern.

Chancen erkennen und nutzen

Durch die aktuelle Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt ergeben sich für Arbeitnehmer sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Spezialisierungen und damit verbundene Weiterbildungen oder ganze Karrierewechsel stehen hoch im Kurs. Jeder Arbeitnehmer hat eine individuelle Verantwortung, wenn es um beruflichen Erfolg und Weiterentwicklung geht.

Das Stichwort lautet: Lebenslanges Lernen. Die Zeiten, in denen man nur einen Job bei einem Arbeitgeber hatte, sind vorbei. Arbeitnehmer sollten ihren Horizont und ihre Fähigkeiten stetig erweitern. Das Angebot im Bereich Weiter- und Fortbildung bietet eine enorme Vielfalt, auch im Bereich Technologie und IT.

Kurse und Programme in diesem Bereich können ein IT-Studium nicht komplett ersetzen, aber sie können branchen- und jobspezifische Grundlagen legen, auf die in den Unternehmen aufgebaut werden kann. Der Fachkräftemangel erfordert schnelle und effiziente Lösungen und vor allem flexible, frisch denkende Mitarbeiter. Genau das ist das große Potenzial des Lebenslangen Lernens.

Von anderen Ländern lernen

Neben Deutschland sind auch andere Länder von dem Fachkräftemangel und einer alternden Gesellschaft betroffen. Vor allem Asien ist in dem Bereich Weiterbildung ein Vorreiter. So setzt sich seit 2004 die UNESCO im asiatisch-pazifischen Raum verstärkt für Programme ein, die Lebenslanges Lernen fördern. Diese Initiative hatte zur Folge, dass dieses Konzept ein fester Bestandteil des asiatischen Bildungswesens geworden ist, das von politischer Seite stark gefördert wird.

Im Stadtstaat Singapur gehen vor allem Universitäten neue Wege und bieten Weiterbildungsmodule für Alumnis und weitere Interessenten an. Auch die Politik in Singapur engagiert sich in diesem Bereich. Das Bildungsministerium hat gemeinsam mit der SkillsFuture-Initiative ein Lernprogramm ins Leben gerufen, das persönliche Qualifikationen und Kompetenzen fördert. Innerhalb eines Jahres wurden die über 18.000 Kurse von 126.000 Singapurern genutzt.

Diese Beispiele aus dem asiatischen Raum zeigen, welches Potenzial Lebenslanges Lernen mit sich bringt. Zwar gibt es in Deutschland bereits innovative und vielversprechende Angebote, die beispielsweise speziell auf den Fachkräftemangel der IT- und Technologiebranche abzielen, doch mit staatlicher Unterstützung ließe sich der Hebel hin zu einer etablierten Lerngesellschaft schneller, leichter und mit deutlich mehr Wirkung umlegen.

Philipp Leipold
Philipp Leipold (Bild: www.sallbergcollective.com)

Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen die Chance, die sich durch neue Lern- und Weiterbildungsangebote ergeben, erkennen und für sich nutzen. Ein Land, in dem industrieübergreifende Karrieresprünge und individuelle berufliche Entfaltung etablierte Teile des Bildungswesens sind und sich Lernangebote speziell an Branchenwechsler richten, wie es in Asien bereits verstärkt der Fall ist, hat das Potential, sich negativen Entwicklungen proaktiv entgegenzustellen. Die Unterstützung und Förderung durch die Politik wäre da sehr wünschenswert.

Philipp Leipold ist seit Januar 2018 Geschäftsführer der Academy Germany GmbH, einer Schule für Erwachsene mit Fokus auf einem Accelerated-Learning-Programm, die Teilnehmer innerhalb von zwölf Wochen zu IT-Consultants ausbildet. Zuvor war er als Head of Freelancing Germany der schwedischen Mutterfirma Academic Work tätig. Der studierte Diplom-Psychologe verfügt über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Human Resources, Business Development, Lehre, Forschung und Coaching. Zudem unterrichtet Leipold als Dozent im Studiengang Wirtschaftspsychologie an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management und ist als freiberuflicher zertifizierter Business Coach für Einzelpersonen tätig.

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