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Drückend überlegen Web schwenkt von Pull- zu Push-Inhalten

| Autor / Redakteur: Dries Buytaert * / Stephan Augsten

Noch ist das Web fast ausschließlich Pull-basiert, User besuchen also aktiv eine Website oder suchen eine mobile App. Push-basierten Inhalten und Applikationen gehört allerdings die Zukunft.

Web- und App-User suchen künftig nicht mehr selbst, sondern bekommen die Inhalte aktiv zugespielt, meint Dries Buytaert von Acquia.
Web- und App-User suchen künftig nicht mehr selbst, sondern bekommen die Inhalte aktiv zugespielt, meint Dries Buytaert von Acquia.
(Bild: geralt - Pixabay.com / CC0 )

Die nächste Evolutionsstufe im Web hin zu Push-Inhalten ist in vollem Gange. User werden automatisch mit den für sie relevanten Informationen versorgt, egal wo und über alle Gerätegrenzen hinweg. Nach Vollendung dieses Transformationsprozesses wird das Web in den Hintergrund treten, ähnlich wie heute die Strom- oder Wasserversorgung, die als ganz selbstverständlich wahrgenommen werden.

Content, Produkte und Services finden heute schon in einigen Anwendungsszenarien automatisch den User, er muss sie nicht mehr mühsam selbst suchen. Beispielsweise lässt Puma den Sportler wissen, wann er den Laufschuh austauschen sollte und Marriot sendet dem Geschäftsreisenden ein Zimmerangebot, wenn er den Anschlussflug verpasst hat.

Anstatt eine Website besuchen zu müssen, werden die User über relevante Ereignisse und Inhalte benachrichtigt. Sie müssen nicht mehr selbst aktiv tätig werden. Facebook und Flipboard sind erste Beispiele, quasi die Vorreiter für solche Push-basierten Services.

Bei Facebook erhalten die User einen Strom personalisierter Informationen, der sie über Neuigkeiten bei ihren Freunden und der Familie auf dem Laufenden hält. Man muss sie nicht mehr anrufen, um zu sehen, wie es ihnen geht. Die Nachrichten-App Flipboard trägt auf Basis von Interessen und Vorgaben von Benutzern Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen und übermittelt sie in einer Art „personalisiertem Magazin“ an registrierte User.

In eine ähnliche Richtung gehen Benachrichtigungsdienste, wie sie etwa die Notification Center von Smartphones bieten. Seit Kurzem arbeiten diese Services auch interaktiv. Anwender können einen Flug buchen, ohne eine App starten zu müssen, und sie können ein Produkt kaufen, ohne die Website des Anbieters besuchen zu müssen.

Virtuelle Produktshow

Im Grunde genommen wollen die User automatisch Informationen erhalten, anstatt aufwendig danach suchen zu müssen. Das spart Zeit und Aufwand; und langfristig setzt sich eine verbesserte User Experience immer durch. In den meisten Fällen ist der Ansatz „empfehle mir, was zu mir passt“ weit nützlicher als „ich suche selbst und schaue, was ich so finde“.

Mit etwas Phantasie kann man sich leicht vorstellen, wie sich diese Erfahrung auf andere Bereiche im Web übertragen lässt. E-Commerce funktioniert heute im Web im Grunde genauso wie der Einkaufsbummel in vielen physikalischen Geschäften und der Begutachtung einer Vielzahl von Produkten in einem Kaufhaus. Das sollte heutzutage doch einfacher gehen.

In einer Push-basierten Welt würde der User sich zurücklehnen und so tun, als ob er eine Modenschau besucht. Er würde aus hunderten von Marken ein personalisiertes Angebot erhalten, das seinen Bedürfnissen, finanziellen Vorgaben und dem bevorzugten Modestil entspricht. In den USA gibt es bereits Angebote wie die auf personalisiertes Styling spezialisierten Online-Retailer Trunk Club oder Stich Fix; ein Beispiel dafür in Deutschland ist outfittery.de.

Dries Buytaert
Dries Buytaert
(Bild: Acquia)

Das neue Paradigma könnte viele vorhandene Geschäftsmodelle massiv beeinflussen: Werbung, Suchmaschinen, App Stores sowie Onlineshops und den stationären Handel. Zwischenhändler wie Online Retailer und Search Engines könnten dabei überflüssig werden, da der Distributionskanal an Bedeutung verliert. Dies bedeutet einen massiven Wandel für große Teile des aktuellen Webs. Für viele Unternehmen wird das Leben erheblich komplizierter und für Verbraucher deutlich einfacher.

* Dries Buytaert ist Chief Technology Officer von Acquia.

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