Definition „Maturity (Projektmanagement)“ Was zeigt der Reifegrad nach CMMI?

Von Gedeon Rauch

Wie gut kann ein Unternehmen oder Team Projekte managen? Um dies zu ergründen und zu quantifizieren, können Reifegrad-Modelle zum Einsatz kommen. Doch was genau bedeutet ein Reifegrad und welche Vorteile für die Entwicklung bietet diese Einschätzung?

Viele Faktoren wirken sich auf das Projektmanagement aus, mithilfe von Reifegrad-Modellen lässt sich der Ist-Zustand beurteilen.
Viele Faktoren wirken sich auf das Projektmanagement aus, mithilfe von Reifegrad-Modellen lässt sich der Ist-Zustand beurteilen.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay)

Projektmanagement gehört zu den Kernkomponenten, um agile Softwareentwicklung zu steuern. Doch nicht jedes Unternehmen kann das Potenzial der Projektarbeit wirklich sinnvoll nutzen, da sich Erfolg fernab des Umsatzes nur schwer bemessen lässt.

Die Idee hinter Reifegrad-Modellen im Projektmanagement ist es, quantifizierbare Werte zu liefern, um Fortschritt und Fähigkeiten im Projektmanagement zu messen. Damit kann der Reifegrad angeben, wie gut Projekte in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden können und ob sich die Arbeit von Projekt zu Projekt verbessert. Hierzu gibt es unterschiedliche Referenzmodelle, eines der bekanntesten (und für die Softwareentwicklung sicherlich sinnvollsten) ist der Capability Maturity Model Index der ISACA.

Eine Verbesserung des Reifegrades kann somit als sekundärer Faktor für die Verbesserung der Programmierarbeit betrachtet werden, da er das direkte Development-Umfeld und angebundene Prozesse optimiert. Gemessen, gelesen und verglichen kann der Index anhand einer fünfstufigen Entwicklungsskala, der die Flexibilität und interne Verbesserungsfähigkeit eines Unternehmens beschreibt.

Überblick: der CMMI in fünf Schritten

Die Bestimmung eines Reifegrades im Bezug auf Projektmanagement klingt zunächst nach einer sehr weichen Bezugsgröße, die nur schwer vergleichbar ist. Umso wichtiger war bei der Entwicklung des CMM Indexes ein detaillierter Überblick, der sich auf Erfahrungen mit dem Quality Management Maturity Index ergibt. In der kontinuierlichen Entwicklung befindet sich diese Quantifizierung des Reifegrades bereits seit den späten 70er bzw. frühen 80er Jahren.

Bemessen lässt sich ein Reifegrad dabei sowohl intern wie auch durch externe Appraisals. Tatsächlich geht der CMMI über die Bewertung des reinen Reifegrades hinaus, dieser nimmt jedoch eine derart prominente Stelle im Projektmanagement ein, dass der Index auch als Reifegradmodell bezeichnet wird.

Wie der CMMI messbar gemacht wird

Gemessen werden im Capability Maturity Model Index fünf unterschiedliche Stufen, die eine Organisation durchlaufen kann:

1 - die individuelle Fähigkeit zum Projektmanagement, losgelöst vom Unternehmen

2 - die Dokumentation und Standardisierung der Prozesse im Projektmanagement

3 - der Aufbau einer Dokumentation aus Know-how und Erfahrungen, um Kenngrößen für betrachtete Bereiche zu erstellen und diese kontinuierlich und messbar zu verbessern

4 - Benchmarking und externer Vergleich mit anderen Organisationen, Übernehmen von Best Practices

5 - Kontinuierlicher Lernprozess und die in der Organisation inhärente Fähigkeit, die Projektarbeit weiterhin zu verbessern.

Die Stufen werden dabei nacheinander durchlaufen, was den Reifegrad des Projektmanagements innerhalb einer Organisation beschreibt. Ähnliche Reifegradmodelle kommen auch beim Qualitäts- oder Risikomanagement zum Einsatz.

Kurz gefasst lässt sich das Modell auch als Pfad von unstrukturierten Prozessen über strukturierte, standardisierte und beherrschte Prozesse bis hin zu optimierten Prozessen verstehen.

Die Bedeutung des Reifegrads in der Praxis

Aus dem Reifegrad Rückschlüsse auf eine Organisation, ein Team oder ein Unternehmen zu ziehen, erscheint auch bei detaillierten Analysen etwas voreilig. Schließlich wird lediglich auf einen betrachteten Bereich hin gemessen und die Arbeit in Projekten ist nur eine von vielen Methoden.

Auch wenn Projektmanagement und IT Hand in Hand gehen, gibt es alternative Modelle. Vor allem in Bereichen mit niedriger Komplexität - etwa bei sich wiederholenden Arbeiten oder in kleineren Unternehmen - ist ein dediziertes Projektmanagement selten erforderlich. Selbst Unternehmen mit einem hohen Reifegrad sind vor Problemen während der Projektarbeit nicht gefeit, vor allem wenn externe Faktoren außerhalb der Erstellung des Indexes auftreten.

Gerade in größeren Unternehmen oder weit reichenden Zusammenarbeiten mit anderen Teams ist eine stete Kontrolle des Reifegrads allerdings sinnvoll. Je höher der Einsatz eines Unternehmens, desto eher muss gewährleistet sein, dass die Entwicklerinnen und Entwickler sowie alle anderen Stakeholder reibungslos zusammenarbeiten können. Ein effizientes Projektmanagement ist hierfür unabdinglich.

Die Auswirkungen des Reifegrads einer Organisation auf die Entwicklungsarbeit

Der Reifegrad ist eine messbare Kennziffer, um festzustellen, wie bereit ein Unternehmen ist, Prozesse zu verbessern. Weil (vor allem) im Agile Development Projektmanagement und Softwareentwicklung so eng miteinander verwoben sind, ist es wichtig, diesen Reifegrad genau zu kennen und die Arbeit der Organisation stetig zu verbessern.

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Besseres Projektmanagement resultiert schließlich direkt in einem verantwortungsvolleren Umgang mit den Ressourcen einer Organisation und hilft Mitarbeitenden dabei, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. So liefert der Reifegrad zwar keinen direkten Rückschluss auf die Qualität einer entwickelten Software, doch ausschließlich eine optimierte Arbeit im Unternehmen und im Projektmanagement schafft das richtige Umfeld.

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