Definition „Business Informatics“

Was macht ein Wirtschaftsinformatiker?

| Autor / Redakteur: HJL / Stephan Augsten

Wirtschaftsinformatiker befassen sich mit der Entwicklung und Betreuung betriebsinterner Informationssysteme, insbesondere in großen Finanz- und Versicherungsunternehmen.
Wirtschaftsinformatiker befassen sich mit der Entwicklung und Betreuung betriebsinterner Informationssysteme, insbesondere in großen Finanz- und Versicherungsunternehmen. (Bild: geralt - Pixabay.com / CC0)

Wirtschaftsinformatik ist eine Brückendisziplin mit eigenem Kompetenzbereich. Im Sinne der Informatik besteht die Aufgabe des Wirtschaftsinformatikers darin, betriebswirtschaftliche Fragestellungen mit Computer-gestützten Programmen zu lösen.

Wirtschaftsinformatik hat ihre Wurzeln in zwei, direkt miteinander verknüpften wissenschaftlichen Disziplinen: Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre sowie Informatik. Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes für das Wintersemester 2015/21016 stand das Studium der Wirtschaftsinformatik auf Rang 8 unter den beliebtesten Studiengängen bei männlichen Studierenden. Insgesamt entschieden sich 54.519 Frauen (20,4 Prozent) und Männer (79,6 Prozent) dafür.

Im Fokus des Wirtschaftsinformatikers befinden sich vielfältige Themenstellungen rund um die Entwicklung, Steuerung und Wartung von IT- und Kommunikationsprozessen. Das Rüstzeug besteht aus wirtschaftswissenschaftlichem Fachwissen, gepaart mit angewandter Informatik.

Die Strukturierung von Informationen mit sozialem und ökonomischem Inhalt, Nutzung der verfügbar gehaltenen Daten und der Wissenstransfer sind wichtige Kerninhalte. Sie bilden in Unternehmen der Wirtschaft und in der Verwaltung die Grundlage für die intelligente Prozess-Steuerung. Mit einer strukturierten und kreativen Projektarbeit legt der Wirtschaftsinformatiker die Basis für

  • Prozesskontrolle,
  • Automatisierung und
  • strategische und unternehmerische Entscheidungsfindung.

Der Beruf des Wirtschaftsinformatikers

In der täglichen Arbeit des Wirtschaftsinformatikers werden betriebswirtschaftliche und IT-Inhalte häufig durch fächerübergreifende Themenstellungen angereichert. Das Projektmanagement ist ein typisches Beispiel. Häufig geht es um Entwicklung und Betreuung betriebsinterner Informationssysteme. Weitere Klassiker aus dem Tätigkeitsprofil betreffen die Anpassung von Standard-Software an Firmenbedürfnisse oder die Konstruktion einer Datenbank mit spezifischem Zuschnitt, Web-basierte Informationsverarbeitung und das Wissensmanagement sowie IT-Sicherheit.

Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift sind aufgrund der internationalen Ausrichtung bei Hardware und Software in der Informationstechnologie obligatorisch. Effektivität und Wirtschaftlichkeit bilden weitere Schwerpunkte im Arbeitsleben des Wirtschaftsinformatikers.

Wie diese Ausführungen verdeutlichen, liegt der berufliche Schwerpunkt nicht ausschließlich auf der Tätigkeit des Programmierens. Zu den vornehmsten Aufgaben zählt vielmehr die Ausarbeitung von zukunftsgerichteten Lösungsansätzen. Oft werden Strategie und auch Umsetzung von einem und demselben Stelleninhaber in disziplinierter, oftmals Abteilung übergreifender Projektarbeit voran getrieben. Zu diesem Tätigkeitsschwerpunkt des Wirtschaftsinformatikers zählen:

  • Analyse des IST-Zustands bestehender IT-Strukturen
  • Schwachstellen-Analyse
  • SOLL-Ableitung: Identifikation der Verbesserungspotenziale
  • Abteilung-übergreifendes Consulting zu betriebswirtschaftlichen Themenstellungen und deren Computer-gestützter Lösungsfindung
  • Erstellen von Konzepten
  • Erarbeiten innovativer Zukunftsstrategien
  • Implementierung von IT-Architekturen und Geschäftsprozessen
  • Controlling-Aufgaben
  • Reporting in der arbeitsvertraglich geregelten Berichtslinie

Studien- und Ausbildungspfade

In Deutschland und dem benachbarten deutschsprachigen Ausland ist Wirtschaftsinformatik als eigenständiger Studiengang an Universitäten, Fachhochschulen und landesrechtlich geregelten Fachschulen und Berufsakademien etabliert. An die Stelle der früheren Diplome sind an Hochschulen seit dem Jahr 1999 folgende Studienabschlüsse getreten:

  • Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik
  • Master of Science in Wirtschaftsinformatik
  • Bachelor of Arts in Wirtschaftsinformatik
  • Master of Arts in Wirtschaftsinformatik

Die Bachelor-Studiengänge umfassen sechs bis acht Studiensemester. Master-Abschlüsse erstrecken sich über zwei bis vier Semester. Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und des Wirtschaftsingenieurwesens besteht die Möglichkeit ,Wirtschaftsinformatik als Schwerpunktfach oder gar als Fachrichtung innerhalb ihres Studiums zu wählen. Dies gilt auch für Studiengänge der Informationswissenschaften und Informatik.

Auch Berufsakademien sowie private Akademien bieten in Zusammenarbeit mit staatlichen Hochschulen entsprechende Studiengänge an. Die Voraussetzung für die Aufnahme in eine Fachschule bildet in der Regel eine abgeschlossene berufliche Ausbildung und ein mittlerer Bildungsabschluss. Eine Zunahme der dualen Studiengängen bestätigt den Bedarf der Wirtschaft an Mitarbeitern mit diesem Ausbildungsschwerpunkt.

Berufsperspektiven für Wirtschaftsinformatiker

Aufgrund der fort schreitenden Digitalisierung in Wirtschaft, Industrie und Verwaltung bietet der Arbeitsmarkt gute Berufschancen für den Wirtschaftsinformatiker. Er gestaltet Abläufe in Geschäftswelt und Gesellschaft aktiv mit. Angesichts umwälzender Digitalisierungsmaßnahmen fällt diesem Berufsstand eine zentrale Rolle zu.

Als Gestalter an der Nahtstelle der beiden Bereiche IT und Wirtschaft eröffnen sich vielfältige Berufschancen und ein überdurchschnittliches Gehalt. Der Aufstieg zum IT Manager ist nach erfolgreicher Projektarbeit durchaus im Bereich des Möglichen. In dieser Position nimmt der Stelleninhaber gestaltenden Einfluss auf die zukünftige Orientierung im Unternehmen.

Zur Überprüfung auf Eignung für den Beruf des Wirtschaftsinformatikers ist ein Blick auf die sogenannten "Hard Skills" und "Soft Skill" durchaus hilfreich. Erstere wurden bereits aufgeführt, denn Hard Skills sind die im Studium vermittelten fachlichen Fähigkeiten. Die Soft Skills beschreiben die charakterlichen Eigenschaften, wie beispielsweise ...

  • Freude an der Kommunikation
  • Logisches Denken
  • Diplomatie und Verhandlungstechniken
  • Lernbereitschaft
  • Organisationstalent und auch
  • Fähigkeit zum Teamwork.

In der Zusammenfassung lässt sich feststellen: Gut ausgebildete und im Beruf erfahrene Wirtschaftsinformatiker sind in der Lage, die im Studium vermittelten Schwerpunkte aus IT und BWL in die Praxis in Wirtschaft, Industrie und Verwaltung umzusetzen. Eine Prise aus Psychologie und Soziologie hilft bei der Problemlösung im Umgang mit Kollegen, Mitarbeitern, Chefs und Kunden. Neben den Hard Skills und guten Kenntnissen der englischen Sprache in Wort und Schrift erweisen sich auch die auf den Charakter bezogenen Soft Skills als Karrierebeschleuniger mit nicht zu unterschätzender Gehaltsdynamik.

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