Definition „Software Engineer“

Was macht ein Softwareingenieur?

| Autor / Redakteur: HJL / Stephan Augsten

Nur bei Abschluss eines technischen oder naturwissenschaftlichen Studiums darf der Titel Softwareingenieur geführt werden.
Nur bei Abschluss eines technischen oder naturwissenschaftlichen Studiums darf der Titel Softwareingenieur geführt werden. (Bild: kreatikar - Pixabay.com / CC0)

Softwareingenieure gelten als Architekten komplexer Softwaresysteme. Im Software-Development-Team erfüllen sie Aufgaben als Problemlöser und Optimierer. Nur wer ein technisches Studium abgeschlossen hat, darf sich Softwareingenieur nennen.

Bereits in den 1960er Jahren entwickelte sich der Begriff des Software Engineering. Hintergrund dieser Wortschöpfung aus dem englischen Sprachraum war der Wunsch der Differenzierung zwischen dem klassischen Arbeitsgang der Programmierung auf der einen und der konzeptionellen Ausgestaltung ganzer Softwareprozesse auf der anderen Seite.

Traditionelle Ingenieurdisziplinen standen Pate. Das hoch gesteckte Ziel galt der Optimierung von Qualität und Produktivität bei der Softwareproduktion. Ein Softwareingenieur zählt zwar zum Kreis der Softwareentwickler. Dennoch ist nicht jeder Mitarbeiter aus der Softwareentwicklung autorisiert, in Deutschland die Bezeichnung „Softwareingenieur“ zu führen.

Diese Berufsbezeichnung darf nach deutschem Recht nur führen, wer ein Studium in einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung erfolgreich absolviert hat (Ingenieurgesetz, IngG). Der akademische Hintergrund hebt den Softwareingenieur somit deutlich aus der nicht scharf definierten Gruppe der Softwareentwickler heraus.

Der Softwareingenieur und sein Handwerkszeug

Die Fähigkeit zu analytischem und abstraktem Denken bilden eine gute Basis für den Beruf des Softwareingenieurs. Diese Eigenschaften versetzen den Kreis der hoch qualifizierten und spezialisierten IT-Fachkräfte in die Lage, sich im komplexen Wissensgebiet der schnelllebigen Informationstechnologie zu orientieren. Ein vertieftes Verständnis und die Kenntnis der am Markt gängigen …

  • Betriebssysteme
  • Programmiersprachen
  • Datenbanken
  • Cloud-Technologien
  • Entwicklungsprozeduren
  • Web-Entwicklungen

… bilden die Grundlagen für die Ausübung dieses anspruchsvollen IT-Berufs.

Fortschrittsgestalter mit Management- und Ingenieursprofil

Die Berufsgruppe „Softwareingenieur“ darf mit Fug und Recht als Ingenieursdisziplin bezeichnet werden. Kernkompetenzen liegen beim Analysieren, Spezifizieren und der Entwicklung komplexer Softwaresysteme. Aufgrund dieses ambitionierten Einsatzschwerpunktes bezeichnet die IT-Branche den Softwareingenieur mit dem zutreffenden Prädikat eines Fortschrittsgestalters. Diese Tätigkeitsbeschreibung verdeutlicht die klare Abgrenzung vom IT-Berufsstand der Programmierer.

Für die Konstruktion neuer Produkte und zukunftsweisender Software-Systeme bedarf es ausgeprägter Ingenieurs- und Management-Kompetenzen. In Einstellungsgesprächen punktet der Bewerber als MINT-Absolvent mit Bachelor oder Master in naturwissenschaftlichen Disziplinen wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (MINT). Ein gehobenes Einkommen honoriert die hohen Anforderungen.

Produktentwicklungen für Industrie und Verwaltung

Im Zuge der vehement fortschreitenden Automatisierung und Digitalisierung in Industrie und Verwaltung steigt der Bedarf an komplexen Software-Systemen. Lösungen zur Straffung und Optimierung in Forschung, Entwicklung, Fertigung, Marketing, Vertrieb, Controlling und Personal-Management erfreuen sich großer Nachfrage.

Die Gestaltung und Dimensionierung entsprechender Softwareprodukte stellt hohe Anforderungen an die System- und Arbeitsablauf-Koordination. An diesem Platz sind die Qualitäten eines gut ausgebildeten und Praxis-erfahrenen Softwareingenieurs in der Rolle einer Führungspersönlichkeit unabdingbar.

Konzeptionelle Planung, Steuerung, Überwachung der Entwicklungsprozesse erfordern ein straffes Projektmanagement. Motivierende Abstimmung mit dem Entwicklungsteam auf der einen und den Vorgesetzten sowie den Auftraggebern auf der anderen Seite ergänzen das Mosaik der Stellenanforderungen. Hinzu gesellt sich die Zuständigkeit für ein verantwortliches Zeit- und Budget-Management.

Als Fazit lässt sich zusammenfassen: Der Softwareingenieur nimmt in der Phalanx der IT-Softwareberufe die Rolle des Architekten, Problemlösers und Fortschrittsgestalters ein. Zu dieser Aufgabe befähigt ihn ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen in Verbindung mit einem MINT-Abschluss im Bachelor oder Master sowie berufliche Praxiserfahrung. Der prosperierende Markt für komplexe Software-Produkte eröffnet dem erfahrenen und qualifizierten Softwareingenieur ein weites Spektrum an Berufsfeldern.

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