Definition „Rapid Application Development“

Was ist RAD-Programmierung?

| Autor / Redakteur: Ilan_r_r / Stephan Augsten

Das Prototyping beim Rapid Application Development ermöglicht kurzfristige Kursänderungen bei der Programmierung.
Das Prototyping beim Rapid Application Development ermöglicht kurzfristige Kursänderungen bei der Programmierung. (Bild: Azrul Aziz - Unsplash.com)

Das Verfahren „Rapid Application Development“ definiert eine Herangehensweise der Programmierung, bei der eine kontinuierliche Entwicklungsumgebung zum Einsatz kommt. Änderungen lassen sich dadurch schneller umsetzen als bei den tradierten Methoden der Anwendungsentwicklung.

Die Methode des Rapid Application Development (RAD, z. Dt. „Schnelle Anwendungsentwicklung“) wurde in den 1980er Jahren durch Alex Balchin, Barry Boehm, Brian Gallagher und Scott Shultz erdacht und stellte eine Neuerung in der Entwicklung neuer Software dar. In den Neunzigern erfreute sich diese Methode immer stärkerer Verbreitung.

RAD wird bis in die heutige Zeit hinein noch von zahlreichen Dienstleistern im Entwicklungsumfeld vielfältig eingesetzt. Im Gegensatz zu den bisher verwendeten Methoden wurde es durch Rapid Application Development möglich, eine umfassende und leistungsorientierte Software in kürzerer Zeit effektiv zu entwickeln.

Die klassische Methodik

Aufgrund der angewandten Methodik unterscheidet sich RAD deutlich vom bis zu diesem Zeitpunkt verwendeten kaskadierenden Wasserfallmodell. Bei diesem klassischen Verfahren bildete jede Phase der Entwicklung eine eigenständige Einheit, erst nach Abschluss einer solchen Einheit konnte der nächste Schritt in Angriff genommen werden. Eine Rückkehr zu einer vorherigen Einheit war – wie bei einem Wasserfall – nicht mehr möglich.

So wurden beispielsweise in der ersten Phase die Anforderungsprofile der Software zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer abgestimmt. Die eigentliche Programmierung konnte erst starten, nachdem diese Anforderungsprofile vollständig evaluiert waren. Eine Ergänzung oder Veränderung der Anforderungsprofile im laufenden System war nicht mehr möglich.

Jedem Schritt in diesem System wurde zwangsläufig eine enorm große Zeitspanne eingeräumt, um Fehler zu vermeiden. Die Softwareentwicklung fand dementsprechend langsam und nur unter großen Zeit- und Energieaufwand statt. Unbeachtete Fehler oder falsche Anforderungen können ein Projekt im Wasserfallmodell schnell scheitern lassen. Aus diesem Grund dauerte die Softwareentwicklung nach diesem Modell verhältnismäßig lange.

Rapid Application Development als Alternative

Beim der schnellen Anwendungsentwicklung wird diese festgelegte Schrittfolge aufgehoben und abgeändert. Die Prozesse sind fließend und gehen ineinander über, was nicht nur eine höhere Transparenz bewirkt, sondern auch eine schnellere Entwicklungszeit zur Folge hat.

Wie bei der klassischen Methode werden zunächst in einem ersten Prozess die Anforderungen als grobe Liste der Grundforderungen aufgestellt. Anstatt diese nun immer stärker zu verfeinern und zu optimieren, werden die Grundforderungen priorisiert und von den Entwicklern bearbeitet.

Ziel ist es, möglichst schnell einen lauffähigen Prototyp der Software entsprechend der Grundanforderungen des Auftraggebers zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden im Regelfall Software-Baukästen verwendet, so dass ein schneller Software-Prototyp geliefert werden kann.

Konsequente Prüfung, Entwicklung und Erweiterung

Dieser Prototyp wird den Auftraggebern vorgelegt und zum Test überlassen. In diesem Schritt kann nun der Auftraggeber die Anforderungen ergänzen, verfeinern und optimieren, um diese anschließend den Entwicklern mitteilen zu können.

Dank kurzer Entwicklungszyklen können die neuen Anforderungen und Wünsche nun in die Software eingearbeitet werden. Dieser Prozess wird nun so lange wiederholt, bis die Software mit allen gewünschten Eigenschaften vom Kunden abgenommen wird.

Die Vorteile des Rapid Application Development

Diese Form der Softwareentwicklung benötigt nur wenig Vorplanung und Vorarbeit und kann somit schneller zu ersten Ergebnissen führen. Dank der geringen Vorausplanung und der parallelen Entwicklung der verschiedenen Software-Entwicklungsstufen kann eine einsatzbereite Software im Regelfall in weniger als 120 Tagen ausgeliefert werden; ein Wert, welcher sich mit dem klassischen Kaskadenmodell kaum erreichen lässt.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Rapid Prototyping und Low-Code-Entwicklung

Kundenerlebnis in Eigenregie

Rapid Prototyping und Low-Code-Entwicklung

Rapid Prototyping erlaubt es, einen Software-Prototypen direkt mit Hilfe so genannter Low-Code-Plattformen zum produktionsreifen Endprodukt weiterentwickeln. Das Prinzip: Stets nah am Problem und in Zusammenarbeit mit dem Kunden. lesen

PHP-Tools für Entwickler

Programmieren mit PHP, Teil 9

PHP-Tools für Entwickler

Für PHP gibt es eine Reihe nützlicher Werkzeuge, mit denen Entwickler einfacher Programme schreiben und mit PHP arbeiten können. Neben Entwicklungsumgebungen und Editoren stellen wir in diesem Beitrag auch andere Zusatztools vor. lesen

Wege zur App – nativ, hybrid oder fürs Web

Abkürzungen erwünscht

Wege zur App – nativ, hybrid oder fürs Web

Um Apps für Android und iOS zu erstellen, gibt es mittlerweile sehr viele Ansätze. Eine Systematisierung ist hilfreich, um sich im technischen Dschungel zurechtzufinden. Ebenso entscheidend ist es, wie effektiv die jeweilige Vorgehensweise ist, denn die Time-To-Market ist oft entscheidend. Hier können plattformübergreifende Techniken punkten. lesen

Weniger Code, mehr Effizienz in der Entwicklung

eBook „Low-Code-Entwicklung“

Weniger Code, mehr Effizienz in der Entwicklung

Low-Code-Entwicklung ist nicht neu, doch die Zahl der Plattformen steigt rapide. Doch was zeichnet die Idee hinter dieser Entwicklungsphilosophie aus? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code? Unser eBook erklärt es Ihnen. lesen

RAD Studio 10.3 von Embarcadero veröffentlicht

Mehr Produktivität mit C++ und Delphi

RAD Studio 10.3 von Embarcadero veröffentlicht

Bei der Version 10.3 von RAD Studio handelt es sich um ein umfassendes Update der integrierten Entwicklungsumgebung. C++ - und Delphi-Entwickler sollen damit Applikationen für Windows 10, macOS, Linux Server, iOS und Android schneller erstellen können. lesen

Low-Code-Entwicklung – Ansatz und Tools

Zeitersparnis beim Programmieren

Low-Code-Entwicklung – Ansatz und Tools

Low-Code-Development ist der neueste Trend bei der Programmierung. Statt harten Codierens wird mit Hilfe von Applikationsdesignern und grafischen Methoden gearbeitet. Das kann Zeit und damit Kosten sparen, hat aber seine Tücken. lesen

Daten als Geschichte der Moderne

Interview mit Professor Daniel Rosenberg

Daten als Geschichte der Moderne

Schon seit Jahrtausenden erhebt, speichert und analysiert die Menschheit mehr oder weniger wertvolle Informationen. Über die Geschichte der Daten äußert sich Daniel Rosenberg, Professor für Geschichte an der University of Oregon, im Interview. lesen

Von Delphi und C++Builder bis hin zu Datenschutz-Aspekten

Online-Konferenz „Deutsche CodeRage 2018“

Von Delphi und C++Builder bis hin zu Datenschutz-Aspekten

Der Rapid-Application-Development-Spezialist Embarcadero plant für Ende Juni eine „CodeRage Online“-Konferenz rund um Softwareentwicklung mit Delphi und C++Builder. Das Themenspektrum reicht dabei von der Hersteller-eigenen IDE über Datenschutz bis hin zu neuen Eigenschaften von C++. lesen

KubeVirt als Teil der OpenShift Container Platform

Container und VMs im Team

KubeVirt als Teil der OpenShift Container Platform

Von den Neuerungen, die Red Hat im Mai angekündigt hat, gehört die Container-native Virtualisierung zu den spannendsten. Das Open-Source-Projekt KubeVirt diente dabei als Vorlage und wurde mit Blick aufs Enterprise-Segment weiterentwickelt. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44606685 / Definitionen)