Definition „Integrierte Entwicklungsumgebung“

Was ist eine IDE?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Stephan Augsten

Integrierte Entwicklungsumgebungen sollen Programmierern die Arbeit mithilfe verschiedenster Tools und Automatismen erleichtern.
Integrierte Entwicklungsumgebungen sollen Programmierern die Arbeit mithilfe verschiedenster Tools und Automatismen erleichtern. (Bild: Tirza van Dijk - Unsplash.com)

Eine integrierte Entwicklungsumgebung oder IDE stellt Programmierern eine Sammlung der wichtigsten Werkzeuge zur Softwareentwicklung unter einer Oberfläche zur Verfügung. Die Arbeit für die Erstellung von Programmen wird dadurch vereinfacht.

Die wichtigsten Merkmale einer integrierten Entwicklungsumgebung

Die integrierte Entwicklungsumgebung, abgekürzt IDE (Integrated Development Environment), sammelt unter einer gemeinsamen Oberfläche die wichtigsten Tools für das Erstellen von Software. Zu diesen Tools zählen beispielsweise der Editor mit Quelltextformatierung und Syntaxhervorhebung, Compiler und Linker, Debugger, Interpreter, Werkzeuge für das Erstellen von grafischen Oberflächen, Versionsverwaltungen und weitere Tools.

Da die einzelnen Werkzeuge untereinander Informationen austauschen können, lassen sich viele Arbeitsgänge beim Programmieren vereinfachen und beschleunigen. Beispielsweise ist es möglich, Fehler bei der Ausführung der Programme direkt im Quelltext zu markieren und dadurch einfacher zu beheben. Ohne die Nutzung einer integrierten Entwicklungsumgebung müssten verschiedene Programme getrennt voneinander ausgeführt und manuell synchronisiert werden.

Da IDEs dem Programmierer bzw. Software-Entwickler viel Komfort bei der Arbeit bieten und wichtige Arbeitsschritte zusammenfassen, sind sie in vielen Bereichen zu unentbehrlichen Hilfsmitteln geworden. Sie nehmen dem Entwickler häufig wiederkehrende Arbeiten ab und entlasten ihn von formalen Tätigkeiten wie die Verwaltung von Arbeitsergebnissen oder Programmversionen. Dem Softwareentwickler fällt es dank der IDEs wesentlich leichter, sich auf seine eigentliche Arbeit, das Programmieren, zu konzentrieren.

Die ersten IDEs etablierten sich in den 80er Jahren. Sie lösten das bis dahin übliche Arbeiten mit verschiedenen getrennten Tools und Kommandozeilen-orientierten Oberflächen ab. Eine der ersten weit verbreiteten integrierten Entwicklungsumgebungen war Turbo Pascal.

Über die Jahre hinweg entwickelten sich IDEs von textbasierte Anwendungen hin zu visuellen Programmierumgebungen mit leistungsfähigen grafischen Benutzeroberflächen. Integrierte Entwicklungsumgebungen stehen unter anderem für Sprachen, Betriebssysteme und Plattformen wie Visual Basic, .NET, Java, iOS, Android oder PowerScript zur Verfügung.

Die wichtigsten Bestandteile einer integrierten Entwicklungsumgebung

Wie bereits erwähnt, gehören folgende Komponenten zu den wichtigsten Bestandteilen einer integrierten Entwicklungsumgebung:

  • Editor mit Quelltextformatierung und Syntaxhervorhebung
  • Compiler
  • Interpreter
  • Linker
  • Debugger
  • Werkzeuge zur Erstellung grafischer Benutzeroberflächen (GUI-Builder)
  • Versionsverwaltungen

Leistungsfähige Editoren sind in der Lage, schon beim Eintippen den Kontext zu erkennen, und bieten Funktionen zur automatischen Vervollständigung des Programmcodes. Programmierer müssen deshalb nicht mehr die komplette Syntax aller Befehle, Felder oder Variablen exakt kennen, sondern können diese direkt beim Tippen passend auswählen. Editoren verbessern überdies die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit des Codes, indem sie ihn strukturieren und Befehle oder Variablen eindeutig kennzeichnen.

Debugger in IDEs bieten in vielen Fällen grafische Schnittstellen und ermöglichen es, Haltepunkte (Breakpoints) direkt im Editor zu markieren. Gleichzeitig stellen sie die aktuellen Werte von Variablen und Parametern in Tabellenform dar.

Die Werkzeuge zur Erstellung grafischer Benutzeroberflächen arbeiten meist nach dem Drag-and-Drop-Verfahren und gestatten es, die Benutzeroberflächen anhand vordefinierter Eingabefenstern und Masken visuell per Maus zusammenzufügen. Aus der grafischen Darstellung erzeugt das Tool automatisch den entsprechenden Code. Dieser lässt sich anschließend anpassen und an den entsprechenden Stellen in das eigentliche Programm einfügen.

IDEs für verschiedene Anwendungsfälle inklusive einiger Beispiele

Integrierte Entwicklungsumgebungen existieren für zahlreiche Programmiersprachen, Plattformen und Anwendungsfälle. Einige IDEs sind sogar in der Lage, mehrere Programmiersprachen gleichzeitig zu unterstützen. Mögliche Anwendungsfälle sind die Programmierung von Webanwendungen, Spielen, Datenbank- und Systemanwendungen und Apps für verschiedene mobile Betriebssysteme wie iOS oder Android.

Einige IDEs sollen den Einstieg in das Programmieren erleichtern und erlauben die Programmerstellung auf einer fast vollständig grafischen Benutzeroberfläche. Programme werden in diesen integrierten Entwicklungsumgebungen durch das grafische Kombinieren und Verbinden von einzelnen Elementen entworfen. Der Programmierer selbst benötigt praktisch keinerlei Kenntnisse einer Programmiersprache mehr und muss keinen Code eingeben.

Für das Programmieren in der Cloud sind IDEs verfügbar, die das gemeinsame und gleichzeitige Arbeiten an einem Projekt von mehreren Programmierern an unterschiedlichen Orten ermöglichen. Teilweise laufen diese IDEs direkt in einem Browserfenster und machen die Installation aufwendiger Softwarepakete überflüssig.

Für die Entwicklung von Websites sind ebenfalls eigene integrierte Entwicklungsumgebungen erhältlich. IDEs wie DreamWeaver oder FrontPage integrieren alle benötigten Funktionen und automatisieren viele Vorgänge.

Die bekanntesten IDEs für die objektorientierte Programmiersprache Java sind die als Open-Source-Software verfügbaren Anwendungen NetBeans und Eclipse.

Im Bereich der App-Entwicklung für mobile Betriebssysteme wie iOS oder Android stehen IDEs wie Xcode von Apple oder Googles Android Studio zur Verfügung. Mit den Xcode Tools lassen sich neben Apps für iOS auch Programme für die weiteren Betriebssysteme von Apple wie macOS, tvOS oder watchOS erstellen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Microsoft macht IntelliCode verfügbar

Preview 3 von Visual Studio 2019

Microsoft macht IntelliCode verfügbar

Die dritte Preview-Version von Visual Studio 2019 16.1 ist erhältlich. Die Vorschau enthält eine Reihe von Neuerungen, darunter standardmäßige IntelliCode-Unterstützung, C++-Verbesserungen zur Produktivitätssteigerung und .NET-Tooling-Updates. lesen

PHP-Tools für Entwickler

Programmieren mit PHP, Teil 9

PHP-Tools für Entwickler

Für PHP gibt es eine Reihe nützlicher Werkzeuge, mit denen Entwickler einfacher Programme schreiben und mit PHP arbeiten können. Neben Entwicklungsumgebungen und Editoren stellen wir in diesem Beitrag auch andere Zusatztools vor. lesen

Visual Studio 2019 Version 16.1 im Team nutzen

Microsoft veröffentlicht Vorabversion von Visual Studio

Visual Studio 2019 Version 16.1 im Team nutzen

Microsoft macht Visual Studio 2019 mit der Vorabversion Version 16.1 „teamfähiger“: Die IDE unterstützt nun die Referenzierung von Shared Projects aus VSIX-Projekten. Dadurch können Entwickler Code mit anderen Entwicklern teilen. lesen

VS-Code und IntelliJ-Plug-in von Google

Cloud-Native-Development mit Cloud Code

VS-Code und IntelliJ-Plug-in von Google

Google hat mit Cloud Code eine Reihe neuer Plug-ins für IntelliJ- und Visual Studio Code für die Entwicklung Cloud-nativer Anwendungen bereitgestellt. In der ersten Version lag der Fokus auf Applikationen, die auf Kubernetes laufen, einschließlich der Google Kubernetes Engine. lesen

10 Open-Source-Tools für jedes Testszenario

Apps und Anwendungen aller Art analysieren

10 Open-Source-Tools für jedes Testszenario

Ob einfacher Syntax-Test für Skripte oder aufwändiger Blackbox-Test für komplexe Web-Anwendungen: Mit den passenden Tools geht das Testing flott und mit Freude von der Hand. Hier zeigen wir zehn Open-Source-Werkzeuge, die man kennen sollte. lesen

Wege zur App – nativ, hybrid oder fürs Web

Abkürzungen erwünscht

Wege zur App – nativ, hybrid oder fürs Web

Um Apps für Android und iOS zu erstellen, gibt es mittlerweile sehr viele Ansätze. Eine Systematisierung ist hilfreich, um sich im technischen Dschungel zurechtzufinden. Ebenso entscheidend ist es, wie effektiv die jeweilige Vorgehensweise ist, denn die Time-To-Market ist oft entscheidend. Hier können plattformübergreifende Techniken punkten. lesen

Microsoft erläutert Visual-Studio-Abonnement

Vorteile der Developer-Tools in der Azure-Cloud

Microsoft erläutert Visual-Studio-Abonnement

Offenbar wissen nur wenige Abonnenten der Visual Studio Services um die Möglichkeiten von Azure. Microsoft hat sich dies zum Anlass genommen, über neue Funktionen und Prototyping innerhalb der Cloud-Plattform aufzuklären. lesen

TextMate und Sublime Text für macOS

Beliebte Code-Editoren, Teil 3

TextMate und Sublime Text für macOS

Die meisten Code-Editoren, die unter Linux und Windows zum Einsatz kommen, sind auch für macOS erhältlich. Doch das Apple-Betriebssystem hat eigene Favoriten: Das exklusive TextMate und das kostenpflichtige Sublime Text. lesen

DynamoDB-Zugriff über AWS SDK for Java

AWS-Ressourcen mit Java erstellen und verwalten, Teil 3

DynamoDB-Zugriff über AWS SDK for Java

Bei einem NoSQL-Service wie DynamoDB ist das Abfragen bzw. Lesen und Schreiben von Daten über die RestAPI ohnehin der Normalfall. Dementsprechend einfach gestaltet sich der Zugriff über das AWS SDK for Java. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44643596 / Definitionen)