Definition „GNU-Projekt“ Was ist das GNU Project?

Autor / Redakteur: Egoloizos / Stephan Augsten

Das GNU-Project versteht sich als Development-Initiative für freie Software und eines offenen Betriebssystems. Frei ist in diesem Zusammenhang nicht gleichzusetzen mit kostenlos. Das Projekt wurde 1983 von Richard Stallman am MIT ins Leben gerufen.

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Das GNU-Projekt hat einen riesigen Anteil am Erfolg der GNU/Linux-Betriebssysteme, steht aber seit jeher ein wenig im Schatten von Linux.
Das GNU-Projekt hat einen riesigen Anteil am Erfolg der GNU/Linux-Betriebssysteme, steht aber seit jeher ein wenig im Schatten von Linux.
(Bild: chillervirus / Pixabay )

GNU steht als rekursives Akronym für „GNU is not Unix“, die Abkürzung beinhaltet demnach ihren eigenen Namen. Der Name soll das Projekt vom bekannten Betriebssystem Unix abgrenzen. Die ursprüngliche Zielsetzung des GNU-Projekts war die Entwicklung eines freien Betriebssystems.

Weiterhin verfolgt GNU das übergeordnete Ziel, freie Software zu entwickeln. Der Freiheitsbegriff bezieht sich hierbei auf die Möglichkeit der freien Verwendung und Änderung der Software. Frei ist nicht mit kostenlos zu verwechseln. Vielmehr soll jeder die Möglichkeit haben, die Software nach Belieben zu nutzen, zu verbreiten oder auch zu verändern und zu verbessern.

Erstmals stellte Richard Stallman sein Projekt im Jahr 1983 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) vor. Das Projekt ist aufgenommen worden, um ein mit dem seinerzeit proprietären Unix OS vergleichbares Betriebssystem aus der Taufe zu heben, das Nutzer kopieren und weiterverteilen dürfen.

Eine wichtige Rolle spielt in diesem Projekt die GNU General Public Licence, kurz GNU GPL. Diese Lizenz beinhaltet die Bedingungen sowie Bestimmungen für die Kopie, die Veränderung und die Verteilung der freien Software. Weiterhin ist die Gründung der Free Software Foundation eng mit dem GNU Project verbunden. Diese wurde im Jahr 1985 von GNU-Gründer Richard Stallmann mitbegründet.

Copyleft

Wichtig ist im Zusammenhang mit dem GNU-Projekt das von Richard Stallman entwickelte Konzept Copyleft. Dieses ist begrifflich ein vom Copyright abgeleitetes Wortspiel. Es beschreibt eine neue Herangehensweise im Urheberrecht. Anders als dieses, soll es Software nicht privat halten und schützen, sondern sie frei zugänglich machen. Der Slogan lautet: „All rights reversed“ (abgeleitet von „All rights reserved“).

Das GNU-Betriebssystem und Unix

Da das GNU Project insbesondere die Schaffung eines freien Betriebssystems zum Ziel hatte, kommt dem GNU-Betriebssystem eine besondere Bedeutung zu. Das Unix-ähnliche System beinhaltet überwiegend GNU-eigene Elemente. Nur der System-Kernel des Linux-Betriebssystems gehört laut GNU-Projekt zu Linux. Dem GNU-Project zufolge kann keines der beiden Betriebssysteme unabhängig voneinander existieren. Daher ist oft auch von GNU/Linux die Rede.

Das GNU-Betriebssystem ist ein vollständig freies Betriebssystem auf Unix-Basis. Laut den Gründern des GNU-Projects war Unix kein ideales System, bot aber eine hinreichende Grundlage, um darauf aufzubauen. Als einflussreiches Betriebssystem bietet Unix die Grundlage zahlreicher moderner Systeme. Neben Linux und macOS gehören dazu Android, iOS, Solaris und AIX.

Kennzeichnendes Merkmal von Unix ist der modulare Aufbau. Das Betriebssystem ist aus zahlreichen kleineren Einzelteilen aufgebaut. Diese arbeiten zusammen und lassen sich untereinander vielfältig kombinieren. Die wesentlichen Komponenten des Betriebssystems sind Systemkern, funktionale Bibliotheken sowie grundlegende Tools der Software-Entwicklung, Dateiverwaltung und Systemadministration.

Die Entwicklung der wichtigsten Unix-Werkzeuge wie ls, sed und cp war ebenso früh bereits abgeschlossen wie die Erstellung der Bibliotheken und des C-Compilers. Im GNU-Project gab es ebenso das Bestreben, einen eigenständigen Systemkern zu entwickeln. Dieser sollte Hurd heißen, ist jedoch bis heute nicht freigegeben worden. Seitens des GNU-Projects besteht daher bis auf Weiteres die Empfehlung, als Ersatz den Systemkern von Linux zu verwenden.

Die meisten Linux-Distributionen wiederum basieren aus der Kombination aus Linux-Systemkern und GNU-Komponenten. Aus diesem Grund hat sich ein Namensstreit entwickelt. GNU fordert, dass die auf GNU basierenden Linux-Systeme die Bezeichnung GNU/Linux tragen. In der Öffentlichkeit hat sich jedoch aufgrund der griffigeren Bezeichnung der einfache Name Linux durchgesetzt.

Weitere Softwarelösungen aus dem GNU-Umfeld

Das GNU-Projekt hat im Verlauf der Jahre zahlreiche einflussreiche Programme entwickelt. Neben den grundlegenden Tools für Unix existieren zahlreiche Anwendungen, Bibliotheken und weitere Tools bereit. Aus den Komponenten lässt sich fast ein vollständiges modernes Betriebssystem aufbauen.

Zu den GNU-Softwarekonzepten gehören der GNOME-Desktop, der in mehreren Linux- und Unix-Betriebssystemen Einsatz findet. Ebenso gehört das GUI-Framework zu den vom GNU-Project entwickelten Anwendungen. Weiterhin bietet GNU eine Reihe von Compilern und Interpretern. Diese eignen sich für Programmiersprachen wie C, C++, Java, Pascal und viele mehr.

Weitere GNU-basierte Softwarelösungen sind

  • die Grafik-Software GIMP (eine Alternative zu Adobe PhotoShop)
  • die Finanz-Softwarelösung GnuCash
  • das Vektorgrafik-Programm Dia
  • die Tabellenkalkulation Gnumeric
  • die freie Version der Mozilla Browser-Anwendungen Gnuzilla
  • das Mathematik-Programm Octabe
  • der Code-Editor GNU Emacs

GNU General Public Licence: Stellenwert der GPL

Bei der GPL (GNU General Public Licence) handelt es sich um eine Software-Lizenz. Ihre Aufgabe ist die Gewährleistung, dass die freie Software frei bleibt. Darin besteht ihre Besonderheit, da viele andere Open-Source-Lizenzen (beispielsweise die MIT-Lizenz) die Einbindung von Open-Source-Codes in Closed-Source-Software ermöglichen.

Die GPL untersagt diese Einbindung in unfreie proprietäre Systeme. Damit will das GNU-Project dem Trend entgegenwirken, dass der zunächst freie Quellcode immer unfreier wird. Kritiker sehen darin eine innovationsfeindliche Entwicklung. Aus diesem Grund hat die Free Software Foundation als Reaktion die LGPL (Lesser-GPL oder Library-GPL) entwickelt.

Diese Software-Lizenz gestattet Anwendern unter bestimmten Bedingungen die Nutzung freien Source-Codes in proprietären Programmen. Anwendung findet die LGPL insbesondere bei Funktions- und Klassenbibliotheken. Ebenso kommt sie in Frameworks zur Anwendung.

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