Definition „Accessibility“

Was ist Barrierefreiheit?

| Autor / Redakteur: zeroshope / Stephan Augsten

Hardware-seitig wird die Zugänglichkeit digitaler Inhalte durch spezielle Geräte gewährleistet, im Internet und bei Apps muss die Barrierefreiheit Software-seitig unterstützt werden.
Hardware-seitig wird die Zugänglichkeit digitaler Inhalte durch spezielle Geräte gewährleistet, im Internet und bei Apps muss die Barrierefreiheit Software-seitig unterstützt werden. (© zlikovec - Fotolia.com)

Barrierefreiheit beschreibt eine besondere Form der Gestaltung von Webseiten und Apps. Diese müssen generell zugänglich sein. Oft übersehen wird dabei, dass Barrierefreiheit eine doppelte Bedeutung hat.

Ursprünglich beschrieb der Begriff der Barrierefreiheit die gesetzliche Anforderung (§ 4 Behindertengleichstellungsgesetz), „das Lebensumfeld des Menschen“ allgemein so zu gestalten, dass es „möglichst niemanden ausschließt“. Diese Anforderung wurde auf das Internet übertragen: Webseiten sollten auch von Menschen mit körperlicher und/ oder geistiger Behinderung abgerufen werden können.

Technisch war beim Webdesign deshalb zu berücksichtigen, dass manche Menschen die Seiten nur mit speziellen Assistenzgeräten nutzen können. Menschen mit Sehbeeinträchtigung nutzen beispielsweise spezielle Tastaturen. Aus dieser Erkenntnis folgte das Auffinden neuer „Barrieren“. Der Begriff der Barrierefreiheit bekam eine doppelte Bedeutung.

Barrieren des Anwenders und des Webauftritts

Grundlegend wurde festgestellt, dass nicht nur Anwender eventuell individuelle Barrieren überwinden müssen. Webseiten können diese ebenfalls aufbauen. Beispielsweise, weil sie nicht für alle Browser und/ oder mobile Endgeräte optimiert sind. Daraus folgte die allgemeine Definition für Barrierefreiheit für das Internet: Ein Webauftritt muss für jeden Nutzer zugänglich sein.

Für die Entwickler bedeutet dies, dass sie technische Barrieren der Zugänglichkeit abbauen müssen. HTML hat sich deshalb beispielsweise weitläufig durchgesetzt, weil es von jedem Browser gelesen werden kann. Zugleich müssen die Webauftritte aber auch auf Nutzer mit besonderen Anforderungen vorbereitet werden. Hierfür entwickelte das Gebot der strikten Trennung von Inhalt, Struktur und Design.

Dahinter stand die Erkenntnis, dass Menschen mit Behinderung durch Design oder eine zu komplizierte Struktur vom Konsumieren des Inhalts abgehalten werden könnten. Für eine gewisse Zeit waren deshalb spezielle „Barrierefreiheit“-Buttons in Mode. Diese entfernten Design und Struktur und zeigten nur den Text an. Oftmals war dieser noch stark vergrößert.

Entwicklung: Barrierefreiheit von vorneherein

Die Buttons, um Barrierefreiheit für Menschen mit Beeinträchtigung herzustellen, gerieten schnell in die Kritik. Die Seiten waren hässlich und häufig waren Inhalte unvollständig. Dies lag daran, weil beispielsweise auch Bilder entfernt wurden, auf die sich der Text allerdings bezog. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Internets wurden solche Lösungen auch technisch nicht mehr praktikabel.

Die reinen Texte können beispielsweise kaum auf Mobilgeräten in angemessener Form dargestellt werden. Zudem wurden zunehmend mehr Videos und Bildergalerien in die Webauftritte eingebunden. Diese Inhalte waren durch die bislang gewählte Form der Barrierefreiheit nicht mehr zugänglich. Das System hatte so das genaue Gegenteil von dem bewirkt, was es eigentlich bezweckte. Statt Zugangshürden abzubauen, sperrte es Nutzer komplett aus.

So entstand das Gebot, dass Barrierefreiheit von vorneherein in einen Webauftritt integriert werden solle. Wie dies am besten umzusetzen ist, hat sich noch nicht herauskristallisiert. Manche Webauftritte stellen beispielsweise Tonaufnahmen Ihrer Inhalte bereit. Andere vertrauen auf möglichst einfache Designs. Die Begriffe der Usability („Benutzerbarkeit“) und der Barrierefreiheit haben sich auf diese Weise vermischt.

W3C-Definition für Barrierefreiheit

Als Hilfestellung für die Entwickler gibt es eine Definition des World Wide Web Consortiums (W3C) für Barrierefreiheit („Version 2.0“): Webseiten müssen demnach wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. Das W3C gibt zwar auch einige Beispiele - beispielsweise die Einbindung von Untertiteln für Audioformate im Bereich der Wahrnehmbarkeit. Allerdings beklagen viele Entwickler, dass die Definition noch nicht konkret genug sei. Die Barrierefreiheit für das Internet ist so ein Thema, das sich noch immer entwickelt.

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