Programmiersprachen-Klassiker

Warum Python beliebter ist als je zuvor

| Autor / Redakteur: Andreas Wienold * / Stephan Augsten

Python ist einer der Evergreens unter den Programmiersprachen.
Python ist einer der Evergreens unter den Programmiersprachen. (Bild gemeinfrei: David Clode - Unsplash.com / Unsplash)

Die Geburtsstunde der Programmiersprache „Python“ liegt schon einige Zeit zurück. Dennoch haben die Nutzerzahlen nie so stark geschwankt, wie wir es bei anderen Sprachen beobachten konnten. Warum ist das so?

Python existiert schon länger als Facebook, Google oder sogar Amazon. Trotzdem ist Python eine tragende Säule unter den Programmiersprachen, denn auf der Beliebtheitsskala liegt sie nach wie vor ganz weit vorn: In der 2018 Developer Survey von StackOverflow wurde Python zur beliebtesten Sprache gekürt und hat vor kurzem auch im Ranking der beliebtesten Programmiersprachen von IEEE Spectrum den ersten Platz belegt.

Python ist aber nicht nur eine der bestbewerteten Sprachen, sondern auch eine der vielseitigsten, da sie in der Web-, Enterprise- und Embedded-Programmierung angewendet werden kann. Tatsächlich hat die Sprache eine starke Nische in einigen der angesagtesten Technologiegebiete gefunden, darunter Machine Learning und Data Science. Technologen verwenden Python heute in den verschiedensten Anwendungsfeldern, sei es bei Microchip-Tests, der Programmierung für Instagram oder der Entwicklung von Videospielen.

Woran aber liegt es, dass Python sich so wacker schlägt, während andere Sprachen wie Ruby scheinbar an Schwung verlieren? Aus der Antwort auf diese Frage können Entwickler und Maintainer anderer Sprachen lernen, wie sie mehr Nutzer gewinnen und gleichzeitig die Zeiten überdauern können.

Benutzerfreundlichkeit

Zunächst ist Python eine der Sprachen, die am leichtesten zu verwenden und – was vielleicht noch wichtiger ist – am einfachsten zu lernen sind. Besonders mit der intuitiven Gestaltung haben die Erfinder bei der ursprünglichen Version der Sprache vieles richtig gemacht.

Bei Python haben die Nutzer außerde, das Gefühl, dass sie beim Lernen schneller vorankommen und eher neue Ziele erreichen, als es bei anderen Sprachen der Fall ist. Deshalb hat Python mittlerweile Java in vielen Programmiereinführungskursen abgelöst. Dank der breiten Anwendbarkeit in verschiedenen Aufgabenbereichen können Entwickler, die mit Python vertraut sind, leicht Code für verschiedene Projekte schreiben.

Angesagte Anwendungen

Man kann zwar mit Sicherheit sagen, dass Python niemals richtig tot war, aber mit dem Aufkommen von Data Science und Machine Learning hat die Sprache neuen Auftrieb erhalten. Auf der PyCon, der offiziellen Konferenz der internationalen Community, nutzt beispielsweise die Hälfte der Teilnehmer diese Sprache für Data Science statt für die Webentwicklung.

Die zunehmende Nutzung von Python hat damit zu tun, dass viele mathematische Grundlagen dahinterstecken. Dies, gepaart mit der Einsteigerfreundlichkeit, macht Python zur idealen Programmiersprache für Akademiker und Führungskräfte, die für ihre Zwecke keine tiefgreifenden Programmierkenntnisse benötigen.

Die Nutzerbasis hat sich diesen Use Case zu eigen gemacht und ganze Bibliotheken mit nützlichen Data Science-Tools in Python erstellt, um die Nutzung der Sprache noch einfacher zu machen. Und damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt.

Unterstützung in der Community

Die Unterstützung für Python in der Community ist enorm. Einige Programmiersprachen-Communities betrachten die Ausweitung ihrer Entwicklerbasis als Nullsummenspiel und führen regelrechte Glaubenskriege mit anderen Entwicklergemeinden.

Die Python-Community hingegen hat sich schon immer darauf konzentriert, ihre eigenen Mitglieder aufzubauen und zu fördern. Anfänger werden herzlich aufgenommen und unterstützt. Auf Python-Konferenzen gibt es mehr Vorträge von Frauen und Mitgliedern unterrepräsentierter Minderheiten als bei Events der meisten anderen Communities.

Da die Entwickler, die die Sprache verwenden, aktiv gefördert werden, erfreut Python sich mittlerweile einer treuen Nutzerbasis, die die Sprache im Laufe der Jahre auch weiter unterstützen wird. Auch Twilio hat ein paar Python-Tutorials erstellt, und pflegt eine Dokumentationsseite speziell für Python-Nutzer auf seiner Plattform.

Das Haupt-API-Gateway des Herstellers nutzt Python – alles, was auf der Plattform geschieht, durchquert diese Python-Schicht –, deshalb möchte Twilio den Mitgliedern seiner Community die Informationen zur Verfügung stellen, damit sie diese Sprache erfolgreich verwenden können.

Fazit

All das bedeutet aber nicht, dass Python ohne Tadel ist. Die Umstellung von Python v2 auf v3 hat jüngst einige Kontroversen unter den Nutzern ausgelöst. Doch alles in allem hat die Python Software Foundation, die hinter der Open-Source-Programmiersprache steht und ihr Wachstum steuert, eine konkurrenzfähige Sprache entwickelt.

Andreas Wienold
Andreas Wienold (Bild: Fotostudio SAUTER)

Python ist so leistungsfähig, dass sie auch in einer künftig veränderten Technologielandschaft hilfreich bleiben wird, und so leicht zu verwenden, dass auch künftige Generationen sie gern annehmen werden. Wer also ehrgeizig genug ist, eine neue Programmiersprache zu entwickeln, sollte vor allem auf ein gutes Design und eine treue Nutzerbasis setzen.

* Andreas Wienold ist Regional Director DACH bei Twilio und in dieser Rolle für den Ausbau und die Leitung des regionalen Teams verantwortlich. Zudem ist er Teil des EMEA Senior Leadership Teams. Wienold verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Managen von Sales und Marketing Teams in der DACH und EMEA Region; u.a. hat er diese bei VBrick Systems, Lifesize und VCON Telecommunication erworben. Vor seiner Tätigkeit bei Twilio war er für den Auf- und Ausbau des EMEA Geschäfts bei Lifesize verantwortlich.

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