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Direkt im Browser kommunizieren Vorteile und Nutzen von WebRTC

Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Der WebRTC-Standard erleichtert die Kommunikation im Internet, er ermöglicht Chats, Videokonferenzen oder Bildschirmpräsentationen im Browser. Der plattformunabhängige Standard kann Software-Unternehmen die Entwicklung teurer Desktop-Software ersparen.

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Mit WebRTC ist ein Screen-Sharing für Schulungen ist möglich – der Sender muss allerdings gegebenenfalls ein Plugin installieren.
Mit WebRTC ist ein Screen-Sharing für Schulungen ist möglich – der Sender muss allerdings gegebenenfalls ein Plugin installieren.
(Bild: Google Chrome Web Store)

Der Webbrowser wird immer mehr zum Desktop-Ersatz: Nachdem seit geraumer Zeit Anwendungen wie Google Docs rein browserbasierte, plattformunabhängige und cloudgestützte Produktivitätslösungen anbieten, findet mit WebRTC (Web Real-Time Communication) auch die Echtzeit-Kommunikation ihren Weg in die Webseiten-Betrachter.

Waren bislang separate Clients in Form von Apps oder Clients notwendig, um zum Beispiel die Internet-Telefonie, Chats oder Schulungen sinnvoll zu etablieren, sorgt der WebRTC-Standard dafür, dass auch diese direkt via Browser genutzt werden können. Dabei erlaubt die P2P-Verbindung die Nutzung verschiedener Standards und Protokolle für VoIP-Anwendungen, Dateiübertragung und Mediastreaming, etwa bei Bildschirmpräsentationen.

Plattformunabhängig mit dem richtigen Browser

Aktuell unterstützen bereits die wichtigsten Browser den offenen WebRTC-Standard, nämlich Chrome, Firefox und Opera. Damit ist eine große Bandbreite an Endgeräten abgedeckt. Die Echtzeit-Kommunikation ist durch die hohe Verbreitung dieser Browser weitestgehend unabhängig vom verwendeten Betriebssystem.

Windows, Linux und MacOS stellen kein Problem dar, die Unterstützung für iOS hinkt allerdings noch aufgrund der restriktiven Designs des Systems und der (noch) fehlenden Unterstützung für Safari – hier sind (noch) separate Apps vonnöten, die auf Googles WebRTC-Projekt zurückgreifen. Aktuelle Android-Versionen unterstützen die Technologie hingegen bereits, je nach Android-Hintergrund aber nur teilweise.

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Sehr hilfreich bei der Feststellung, ob WebRTC unterstützt wird, ist dabei wie Test-Website des WebRTC-Projekts. Während die aktuellen Desktop-Versionen von Firefox, Chrome und Opera den Test anstandslos durchlaufen, besteht unter Android und iOS auch mit den aktuellen Versionen von Chrome und Firefox noch Verbesserungspotential. Immerhin gibt es schon jetzt eine Reihe von Anwendungen für den Standard.

Ideal für Teams und Schulungen

Die Vorteile für Entwicklerteams und Unternehmen liegen auf der Hand, denn WebRTC spart im Zweifel eine Menge Mehrarbeit in Sachen Softwareinstallation und -kompatibilität: Während bislang zum Beispiel für Bildschirm-Präsentationen im Team separate Software eingerichtet werden musste, genügt dank WebRTC auf Sender-Seite das kleine Chrome-Plugin WebRTC Desktop Sharing.

Damit lässt sich eine Desktop-Vorführung starten, in die sich andere User per URL einklinken können. Das ist zum Beispiel sinnvoll, um Tech-Demos in einem Team vorzuführen oder einfach eine Präsentation abzuhalten. Denn WebRTC kann den ganzen Desktop vorführen, nicht bloß das Browserfenster.

Kommunikation mit mobilen Mitarbeitern

Ein weiterer großer Vorteil ist die Möglichkeit, effektiv mit mobilen Teams zusammen zu arbeiten. So kann WebRTC zum Beispiel dafür genutzt werden, einen Mitarbeiter-Chat oder ein Online-Meeting – inklusive Video – auf einer Website einzurichten oder ohne übermäßigen Aufwand zu verwenden. Dienste wie Lytespark oder appear.in nutzen diese Möglichkeiten bereits. Wer die Technik lieber hausintern hosten will, muss dafür allerdings wie bei EasyRTC einen eigenen WebRTC-Server aufsetzen.

Eigene Server sind gegebenenfalls sinnvoll

Hier liegt dann auch der Pferdefuß der Technologie: Ganz so einfach ist es in der Praxis nämlich dann doch nicht, auch wenn der Standard grundsätzlich verschlüsselte Verbindungen zwischen zwei WebRTC-Browsern erlaubt: Für das Aushandeln der Verbindung und gegebenenfalls das Umgehen von NAT- und Firewall-Problemen sind sogenannte STUN (Session Traversal Utilities for NAT) and TURN (Traversal Using Relays around NAT) Server vonnöten, die die Verbindung zwischen den jeweiligen Peers aushandeln.

Das ist die Dienstleistung, die von WebRTC-Anbietern wie Lytespark oder dem Entwickler des oben erwähnten Bildschirmpräsentationstools WebRTC Desktop Sharing angeboten wird: Ein über das reguläre DNS-System angebotener Vermittlungsserver. Der Prozess ich vergleichbar mit dem Herstellen einer Telefonverbindung. Der Server dient damit als „Vermittlungszentrale“. Einmal hergestellt, erfolgt die Verbindung verschlüsselt zwischen den Browsern der Kommunikationspartner

Ein Angreifer oder Service-Anbieter kann nach derzeitigem Stand der Technik auf dem Server nur sehen, welche IP-Adresse mit welcher IP-Adresse kommuniziert hat, der Datenstrom selbst ist durch die Peer-to-Peer-Direktverbindung geschützt. Dass diese zuverlässig verschlüsselt erfolgt, ist eine der Kernkompetenzen des WebRTC-Standards und wird durch das SRTP-Verfahren (Secure Real-Time Transport Protocol) sichergestellt. Dabei werden individuelle Schlüssel direkt zwischen den Peers ausgehandelt, die auch nur die jeweiligen Peers kennen.

Nützlich im Kundenkontakt

Grundsätzlich eignet sich die WebRTC-Technik daher nicht nur für den Kontakt innerhalb eines Teams, sondern zum Beispiel auch, um Echtzeit-Support anbieten zu können. Mit einer auf dem Rechner laufenden Zusatzsoftware kann via WebRTC sogar die Fernsteuerung eines Rechners durch den Kunden an einen Support-Mitarbeiter übergeben werden. WebRTC allein ist dazu nicht mächtig genug, mit der zusätzlichen Software ist die Übergabe aber besonders einfach.

Der Dienst Deskroll zeigt hier ein typisches Szenario für Software-Unternehmen: Der Kunde hat ein Problem und findet keine Lösung. Statt den Support lange für eine Lösung in Anspruch zu nehmen, kann dieser im Rahmen eines Live-Chats schnell das Problem auf dem Kundenrechner reparieren. Das sorgt für einen deutlich effizienteren Kontakt zwischen Support und Kunden und senkt dadurch gegebenenfalls Callcenter-Kosten. Eine mit Deskroll vergleichbare Lösung ließe sich zum Beispiel direkt einem Software-Produkt beilegen, um Support-Anfragen zu beschleunigen.

Fazit: Eine Technik mit Zukunft

Insgesamt bietet die WebRTC-Technologie enormes Potential für die Kommunikation im Netz und kann nicht nur den Kontakt und Austausch von Informationen innerhalb mobiler Teams erleichtern. Auch im Kundenkontakt, bei Schulungen oder für simple Meetings kann die Technik vieles einfacher machen. Die Unterstützung durch die verbreitetsten Webbrowser Firefox, Chrome und Opera ist bereits heute gegeben, einzig Apple (Safari) und Microsoft (Edge) sträuben sich derzeit noch gegen die Integration des offenen Standards in ihre Browser.

Der Grund ist vermutlich der, dass mit iMessage, Facetime und Skype jeweils eigene, proprietäre Lösungen angeboten werden. Dennoch: WebRTC dürfte in Zukunft vieles einfacher machen und bietet Softwareunternehmen zahlreiche Möglichkeiten, den Aufwand für die interne und externe Online-Kommunikation zu reduzieren.

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Über den Autor

 Christian Rentrop

Christian Rentrop

IT-Fachautor