64-Bit, KI-Funktionen, Hot Reloading und mehr Visual Studio 2022 und .NET 6 – die Neuerungen

Von Thomas Joos und Thomas Joos

Microsoft stellt Visual Studio 2022 zur Verfügung und auch .NET 6. Es gibt zahlreiche Neuerungen, die wir in diesem Beitrag vorstellen. Visual Studio 2022 ist jetzt als 64-Bit-Version verfügbar und bietet daher deutlich mehr Leistung.

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Visual Studio 2022 gewährt weitreichende Informationen über einzelne Code-Teile und erlaubt simultanes Arbeiten im Team.
Visual Studio 2022 gewährt weitreichende Informationen über einzelne Code-Teile und erlaubt simultanes Arbeiten im Team.
(Bild: Microsoft)

Visual Studio ist ab Version 2022 endlich eine 64-Bit-Anwendung und kann daher deutlich mehr Arbeitsspeicher nutzen. Das Entwickeln von 32-Bit-Anwendungen ist selbstverständlich auch weiterhin möglich. Die neue Version erscheint wieder in den Varianten Community, Professional und Enterprise. Die Community-Edition steht weiterhin kostenlos zur Verfügung.

Große Projekte sind mit Visual Studio 2022 dank der 64-Bit-Unterstützung und Leistungsverbesserungen kein Problem mehr. Der Nachteil dieser Umstellung besteht aber darin, dass Erweiterungen zum großen Teil nicht mehr lauffähig sind und angepasst werden müssen. Vor dem Einsatz von Erweiterungen in Visual Studio 2022 sollte daher zunächst sichergestellt sein, dass diese auf die neue Version angepasst wurden.

Ob eingesetzte Erweiterungen bereits kompatibel mit Visual Studio sind, lässt sich schnell im Visual Studio Marketplace herausfinden. Es ist aber auch problemlos möglich, Visual Studio 2022 parallel zu Visual Studio 2019 zu installieren, wenn ein Umstieg aktuell noch nicht für alle Anwendungen geplant ist.

Microsoft erweitert auch die Unterstützung von JavaScript und TrueScript in Visual Studio 2022. Darüber hinaus lassen sich fortan auch komplett eigenständige Java-Projekte zu erstellen. Es ist weiterhin möglich, für diese Projekte im Backend auf .NET zu setzen, das ist aber keine zwingende Voraussetzung mehr. Auch NPM-Pakete lassen sich in Java-Projekten jetzt einbinden.

Modernes IntelliSense mit KI-Technologien

Visual Studio 2022 kommt auch mit einer verbesserten IntelliSense- und IntelliCode-Autoverbesserung. In der neuen Version kann IntelliSense auch ganze Zeilen erfassen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten, die Entwickler über die Tastatur auch gleich übernehmen können. Bei diesem Vorgang kann IntelliCode also nicht nur einzelne Bezeichner optimieren, sondern auch ganze Codeblöcke.

IntelliCode berücksichtigt hier den Namen und Positionen von Variablen sowie die verwendeten Bibliotheken des Projekts. Natürlich analysiert die KI auch Funktionen im restlichen Code und erlaubt auch die Pflege eigener Listen. Damit soll die neue Version besser geeignet sein, als der Copilot von GitHub.

Dabei setzt Visual Studio auf KI-Technologien und Code aus GitHub. Microsoft beschreibt diese IntelliCode-Funktion ausführlich auf einem eigenen Blogbeitrag.

Laufende Anwendungen ändern – Hot Reloading

Per „Hot Reload“ lassen sich Anwendungen im laufenden Betrieb anpassen. Die Technologie gibt es schon länger für Web-Frameworks, wie zum Beispiel React. Bisher gab es allerdings keine Standardlösung für Dotnet. Das ändert Microsoft mit Hot Reloading in .NET 6. Bei der Verwendung der Funktion ist kein Neustart der Anwendung notwendig.

Damit eine Anwendung diese Funktion nutzen kann, muss sie idealerweise mit .NET Framework, .NET Core oder .NET 6 entwickelt werden. Hier unterstützt die Funktion C# und Visual Basic. Am besten funktioniert Hot Reloading mit der jüngsten Version, da hier auch kein Debugger zum Einsatz kommen muss. Die Möglichkeiten setzen die Kombination von Visual Studio und .NET 6 voraus.

Es ist nicht möglich, in Visual Studio 2019 mit C# 10 und .NET 6 zu arbeiten, diese Version kann .NET 6 und C# 10 nicht kompilieren. Generell lässt sich Hot Reload auch mit C++ nutzen. Dazu hat Microsoft auch verbesserte Unterstützung für C++ 20 in Visual Studio 2022 integriert.

Verbessertes Testen und Debuggen

Visual Studio 2022 bietet auch Verbesserungen beim Debuggen. Es ist möglich, „Dependent Breakpoints“ zu definieren. Damit lassen sich verschiedene Haltepunkte miteinander verknüpfen, sodass der Debugger nur dann unterbricht, wenn ein abhängiger Breakpoint erreicht ist.

Hinzu kommt die Möglichkeit, einzelne Breakpoints zu definieren, die sich nach dem einmaligen Erreichen automatisch löschen. Außerdem lassen sich Stopps definieren, bei denen alle anderen Breakpoints ignoriert werden und der Debugger in der ausgewählten Codezeile stoppt. Dadurch lassen sich zum Beispiel auch nur einzelne Funktionen testen. Die Funktion ist mit „For Run To Cursor“ erreichbar.

Beim Testen kann mit dem Text-Explorer aus dem Code heraus in die Testliste gewechselt werden. Web Load Tests stehen in Visual Studio 2022 ebenfalls zur Verfügung. Visual Studio 2022 umfasst auch experimentelle Funktionen, mit denen auch Remote-Tests auf anderen Umgebungen ausgeführt werden können. Beispiele dafür sind die Verwendung von Linux-Containern, Windows Subsytem für Linux (WSL) und die Verwendung von SSH.

.NET 6 kommt zusammen mit Visual Studio 2022

Zusammen mit Visual Studio 2022 hat Microsoft auch .NET 6 als LTSC-Variante veröffentlicht. Auch die neue Version bleibt weiterhin kostenlos. Die Unterstützung von .NET 5 läuft 2022 aus. Entwickler sollten sich daher bereits rechtzeitig um die Aktualisierung ihrer Anwendungen zu .NET 6 kümmern, um nicht aus dem Support zu fallen. Alle Neuerungen von .NET 6 zeigt Microsoft auf der Seite „Announcing .NET 6 – The Fastest .NET Yet“.

Es gibt viele neue Features und Microsoft fasst bis 2022 alle Komponenten von .NET-Framework, .NET Core und Mono/Xamarin zusammen. Mit .NET for iOS und .NET for Android lassen sich Apps für Smartphones und Tablets entwickeln. Unter der neuen Bezeichnung "One .NET" will Microsoft also in Zukunft alle .NET-Varianten miteinander verknüpfen.

Mit .NET 6 kommen neue Klassen und auch neue Features für C# 10. Zu den wichtigsten Funktionen in .NET 6 gehört sicherlich das Hot Reloading, das auch zusammen mit Visual Studio 2022 zum Einsatz kommt. Anwendungen lassen sich dadurch im laufenden Betrieb aktuell halten, ohne ihren Status zu verlieren.

Microsoft hat mit .NET 6 auch die Leistung verbessert. Wie das im Einzelnen gelungen ist, zeigt Microsoft auf der Webseite „Performance Improvements in .NET 6“. Zusätzlich gibt es neue Klassen, auch in der Basisklassenbibliothek.

Bezüglich des Monitorings unterstützt .NET 6 jetzt zusätzlich Open Telemetry. Diese Funktionen lassen sich parallel zu den Leistungsindikatoren in Windows nutzen. Bezüglich der Zusammenarbeit mit anderen Plattforman bietet .NET 6 hybride Apps. Diese laufen ab 2022 unter .NET MAUI (Multi-Platform App UI) Aktuell laufen darunter Apps auf Windows, macOS, Android und iOS. Linux gehört aktuell noch nicht zu den unterstützen Betriebssystemen.

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