User Experience als Technologietreiber

UX-Testing für Augmented- und Virtual-Reality

| Autor / Redakteur: Jan Wolter * / Stephan Augsten

Ob sich Augmented Reality und Virtual Reality in bestimmten Bereichen durchsetzen, hängt von der Zufriedenheit der Anwender ab.
Ob sich Augmented Reality und Virtual Reality in bestimmten Bereichen durchsetzen, hängt von der Zufriedenheit der Anwender ab. (Bild: Eddie Kopp - Unsplash.com / CC0)

Virtual und Augmented Reality, oder auch VR und AR, stellen den Entwickler mit Blick auf die Benutzererfahrung vor neue Herausforderungen. Denn die User Experience kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Im Umfeld der Virtual-Reality-(VR) und Augmented-Reality-Technologie (AR) entstehen immer neue Geräte und Anwendungen. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Zukunftstechnologien sind vielfältig – entsprechend wird ihnen ein enormes Potenzial zugeschrieben. Nicht umsonst liefern sowohl Apple als auch Google ihre eigenen Developer-Kits aus.

Für den Erfolg ist nicht nur ein breites Anwendungsfeld entscheidend, sondern eben auch eine fehlerfreie User Experience (UX). Diese ist schon lange kein Nice-to-have mehr, sondern unumgänglich, wenn Nutzer erfolgreich abgeholt werden sollen. Konsistente und fehlerfreie Nutzererfahrungen sind wichtiger denn je, denn egal wie nützlich die Anwendung ursprünglich gedacht war – funktionert sie in der Praxis nicht wie vorgesehen, ist die Frustration auf Nutzerseite groß.

In Bezug auf neue Technologien dauert es im eher skeptischen Deutschland prinzipiell ein wenig länger, bis Neues von den Endverbrauchern angenommen wird. Laut der Deloitte-Studie „Global Mobile Consumer Survey 2017“ ist beispielsweise die Verbreitung von Virtual Reality noch nicht so weit vorangeschritten wie erhofft. Die Nutzung von VR-Brillen in Deutschland habe sich gegenüber 2016 nur minimal von zwei Prozent auf drei Prozent erhöht.

Entsprechend verwundert es wenig, dass auch auf Unternehmensseite noch Vorbehalte herrschen. Statt sich mit der Verbesserung der UX von AR-VR-Anwendungen zu befassen, werden hierzulande noch immer Best-Practices gesucht, die den Nutzen der neuen Technologien belegen sollen. Wir stehen also noch ganz am Anfang.

Mit konsistenter Nutzererfahrung überzeugen

Wie es funktionieren kann, zeigt das amerikanische Möbelunternehmen Wayfair, das laut des Wirtschaftsmagazins Fast Company mit seinen AR- und VR-Lösungen zu den innovativsten Unternehmen der Welt gehört. Wayfair wurde gleich für zwei Apps ausgezeichnet:

View In Room 3D, eine AR-App, mit der Kunden einen realen Raum nach ihren Wünschen einrichten können und

Patio Playground, die Virtual Reality-App für Oculus Rift. Die Anwendung lässt ihre Nutzer virtuelle Räume betreten und nach den eigenen Vorstellungen einrichten. Beide Applikationen überzeugen mit einer umfassend getesteten, konsistenten und intuitiven Nutzererfahrung.

So wie Wayfair erkannt hat, dass es in diesem noch jungen Markt neue Qualitäts- und Usability-Aspekte gibt, die mit Blick auf die Nutzer beachtet werden müssen, sollten dies auch andere Unternehmen tun. Damit die Qualität der digitalen Produkte mit den rasanten Veränderungen Schritt halten kann, bedarf es allerdings zeitgemäßer Testmethoden - vor allem im Hinblick auf die User Experience.

Nur Unternehmen, die das komplette digitale Erlebnis aus den Augen der eigenen User betrachten, können nachvollziehen, an welchen Stellen Handlungs- bzw. Optimierungsbedarf besteht. Sie müssen die Qualität der eigenen Anwendungen immer wieder neu überprüfen und an den Konsumenten ausrichten.

Die Nutzer stehen im Fokus

Grundvoraussetzung dafür ist ein profundes Wissen über die eigene Zielgruppe. Die Tourismusbranche setzt zum Beispiel große Hoffnungen auf den Einsatz von VR in Reisebüros. Kunden sollen vor Reiseantritt schon virtuelle Rundgänge durch Hotelanlagen oder Ferienresorts machen können, um sich vorab einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Klingt zunächst logisch. Schauen wir uns allerdings an, welche Gruppe von Konsumenten vor allem in Reisebüros den nächsten Trip bucht, fällt auf, dass es sich eben nicht um die Early Adopters dieser Welt handelt. Die buchen nämlich seit Jahren vor allem Online. Es sind ältere Menschen, die weniger technikaffin sind.

Genau diese treffen nun auf VR-Technologien und sehen den Nutzen mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum bis gar nicht. Der Reisebüromitarbeiter muss nun also nicht nur die Reise verkaufen, sondern auch noch die Nutzung der VR-Brille. Selbst wenn am Ende des Tages der Kunde zufrieden ist, bleibt die Frage: Wurden mehr Reisen durch den Einsatz von VR verkauft? Werden Reisebüros es schaffen, jüngere Zielgruppen mit der Technologie anzuziehen oder verfehlt das Angebot das Ziel?

An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig es ist, Angebote nutzerzentriert zu entwickeln. Dafür müssen Unternehmen ihre Zielgruppen gut kennen. Nur dann schaffen sie es auch, die Early Adopters ins Boot zu holen und das Nutzererlebnis zu verbessern.

Komplexe Technologie trifft hohe Nutzererwartungen

AR-/VR-Anwendungen sind komplex. Dennoch müssen die Anwendungen den hohen Ansprüchen der Nutzer an Funktionalität und Usability gerecht werden. Die Kunden wollen keine Zeit mit Anwendungen verschwenden, die nicht gut funktionieren, selbst wenn sie auf AR/VR setzen. Wichtig ist erstens eine intuitive Nutzerführung: Nichts frustriert User mehr, als Technik, die schwierig oder überhaupt nicht zu verstehen ist.

Themen wie Beleuchtung, Bewegung vor der Kamera, Verbindung zum Telefon und sogar lapidare Funktionen wie das Ein-/Ausschalten müssen intuitiv erfahrbar sein. Es ist elementar, dass die Devices selbsterklärend zu bedienen sind. Zweitens muss die Funktionalität gewährleistet sein. Funktioniert alles wie geplant, auch in Umgebungen, die auf den ersten Blick nicht vorhersehbar waren? Erfolgreiche Anwendungen müssen jederzeit, überall und für jeden möglichst intuitiv nutzbar sein.

Um dies sicherzustellen, sollten Tests so früh und häufig wie möglich durchgeführt werden und die Anwendung aus allen Blickwinkeln mittels automatisierter und manueller Tests kombiniert werden. Das automatisierte Testing gewährleistet zuverlässige, wiederholbare Ergebnisse und erhöht die Effizienz der von Hand durchgeführten Testings.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte, Apps und Daten, die alle unterschiedliche Anforderungen aufweisen. Gutes Testing erfordert einen umfassenden Ansatz, durch den übersehene Bugs und unzureichende Qualität vermieden werden können, bevor Anwendungen in die Hände der Nutzer gelangen. Dabei ist die Realität leider viel zu häufig immer noch eine andere: So wird der Großteil der Fehler allzu oft erst durch Kunden entdeckt.

Um dem vorzubeugen, sollten die Produkte nicht in einer Laborumgebung der internen Qualitätssicherung und mit Inhouse-Testern getestet werden, sondern von echten Personen, auf echten Geräten und in Alltagssituationen. Ein explorativer Testing-Ansatz kann hier hilfreich sein. Dieser wird immer dann eingesetzt, wenn nicht klar ist, was getestet werden muss. Im Grunde dient die Methode dem gleichzeitigen Erlernen von Produktfunktionen, der Erstellung von Testfällen und der Testdurchführung.

Qualität mittels moderner Methoden sicherstellen

Unter dem Strich gilt: Um künftig erfolgreiche AR/VR-Dienste anbieten zu können, müssen Unternehmen nahe am Anwender testen. Nur eine sinnvolle Kombination aus explorativen Tests in realer Umgebung (z. B. durch Crowdtester) und einer flexiblen Automatisierungsstrategie kann die Komplexität der neuen digitalen Produkte abdecken.

Jan Wolter
Jan Wolter (Bild: Applause)

Menschlicher Scharfsinn und Kreativität sind nötig, um sowohl oberflächliche als auch tiefgehende Fehler zu finden, die vorab nicht durch die interne Qualitätssicherung planbar sind. Mit strukturiertem Testdesign müssen die neuen Angebote zudem so funktional wie möglich gemacht werden und somit passende Antworten auf die hohen Erwartungen der User liefern.

* Als VP und Geschäftsführer Europa leitet Jan Wolter für Applause den europäischen Geschäftsbereich und ist verantwortlich für den Ausbau des Unternehmens im europäischen Markt. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Ziele von Applause Europe in Bezug auf das Umsatzwachstum und die Kundenakquisition erfolgreich umzusetzen. Außerdem sorgt er dafür, dass die Qualität und die Kundenzufriedenheit des Unternehmens auf höchstem Niveau bleiben.

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