Beliebte Code-Editoren, Teil 3

TextMate und Sublime Text für macOS

| Autor / Redakteur: Mirco Lang / Stephan Augsten

Als einziger kostenpflichtiger Texteditor zieht in unserer Serie Sublime Text ins Feld.
Als einziger kostenpflichtiger Texteditor zieht in unserer Serie Sublime Text ins Feld. (Bild: Lang / Sublime HQ)

Die meisten Code-Editoren, die unter Linux und Windows zum Einsatz kommen, sind auch für macOS erhältlich. Doch das Apple-Betriebssystem hat eigene Favoriten: Das exklusive TextMate und das kostenpflichtige Sublime Text.

Bevor es mit macOS los geht, hier noch ein kurzer Rückblick auf die ersten beiden Teile dieser Serie. Im ersten Teil stellen wir Ihnen unter Windows die beiden Editoren Atom und Visual Code Studio vor, die beide auch für macOS zur Verfügung stehen. Das gilt auch für die beiden unter Linux vorgestellten Tools: IntelliJ IDEA und – natürlich – der Klassiker Vim.

Sublime schafft es in der Stack Overflow Survey 2018 immerhin auf Platz 4 der populärsten Entwicklungsumgebungen und -Tools, direkt vor Vim und IntelliJ IDEA. TextMate landet in diesem Ranking nur abgeschlagen auf Platz 18 – aber für ein reines macOS-Tool ist auch das nicht schlecht.

TextMate

TextMate von MacroMates ist ein kostenloser Code-Editor. Das betonen wir deshalb, weil es auf der Website einen „TextMate kaufen“-Link gibt. Hier werden diverse Lizenzen feilgeboten, die Preise beginnen bei gut 58 US-Dollar für eine persönliche Lizenz. Früher gab es über den Download dann entsprechend eine Testversion – heute aber nicht mehr.

TextMate ist in der aktuellen Version – und auch bereits seit einigen Jahren – Open-Source-Software unter GPLv3 und entsprechend auch auf Github zu finden. Die Lizenzkauf-Optionen können Sie also ignorieren, insbesondere wenn Sie TextMate erst einmal ausprobieren möchten. Grundsätzlich ist es aber natürlich aller Ehren Wert, die Arbeit eines Entwicklers zu honorieren und finanziell zu unterstützen

Beim Layout ist TextMate weniger flexibel als andere Editoren.
Beim Layout ist TextMate weniger flexibel als andere Editoren. (Bild: Lang / MacroMates)

TextMate wirkt anfangs angenehm schlicht – es gibt nur das reine Textfeld und die Dateileiste. Natürlich lassen sich Elemente wie Dateibrowser und Tabs hinzufügen. Tiling gibt es bei TextMate im Gegensatz zu den meisten Alternativen nicht. Und doch ist TextMate durchaus komplex und bringt allerlei hilfreiche Funktionen mit.

Darunter finden sich zum Beispiel eine universelle Suche, die schnelles Springen zwischen Textstellen, Suchen-und-Ersetzen oder schlicht das Kopieren der Fundstellen ermöglicht. Es werden Dutzende Sprachen unterstützt, Shell-Skripte oder Teile davon können direkt aus dem Editor heraus ausgeführt werden, es gibt Autovervollständigung, Syntax-Highlighting und so weiter.

Die ganze Komplexität verbirgt sich vor allem im Menü „Bundles“: Bundles sind quasi Plugins und beinhalten sowohl sprachspezifische als auch allgemeingültige Funktionen. Darunter beispielsweise auch die Anbindung an Source-Code-Management-Systeme wie Git. Git-Repositories werden automatisch erkannt, die zugehörigen Funktionen wie “status”, “commit” oder “push” dann unter “Bundles/Git” angeboten. Die Git-Anbindung funktioniert tadellos und bietet einige nette Ansichten zu versandten Commits, Logs und sonstigen Git-Bausteinen.

Natürlich beherrscht der Editor auch das wichtige Multi-Line-Editing, ausnahmsweise sogar per Maus: Mit „CMD+Mausklick-Links“ lassen sich beliebige Einfügepunkte (Curser) im Dokument setzen, um Korrekturen oder Ergänzungen an all diesen Stellen gleichzeitig durchzuführen.

Über Bundles bekommt TextMate seinen riesigen Funktionsumfang.
Über Bundles bekommt TextMate seinen riesigen Funktionsumfang. (Bild: Lang / MacroMates)

Wie bei den meisten TextMate-Features lohnt es sich jedoch, vor allem die Tastenkürzel zu lernen; zumal die Bedienung über das Bundles-Menü nicht unbedingt optimal ist. Es gibt keinerlei alternative kontextsensitive Tool-Fenster, Kontextmenüs oder dergleichen, um auf Funktionen zugreifen zu können.

Generell ist die Bedienung teils nicht ganz intuitiv, wie ein tolles Feature zeigt: TextMate hat ein wundervolles Snippet-System, um häufig verwendete Bausteine nicht ständig neu tippen zu müssen. Man kann dazu zum Beispiel Text-Trigger definieren, etwa „MeinSnippet“, und dann per Tabulator-Taste aus den angelegten Optionen eine zum Einfügen auswählen.

Snippets ermöglichen individuelle Autovervollständigung.
Snippets ermöglichen individuelle Autovervollständigung. (Bild: Lang / MacroMates)

Snippets funktionieren also wie die Autovervollständigung mit Auswahlmöglichkeiten, nicht bloß fixen Textersetzungen. Das Anlegen ist jedoch nicht ganz trivial, hier einmal ein kleines Beispiel: Es soll ein Snippet entstehen, das auf das Kürzel „t1“ und nachfolgender Tabulatortaste die Zeichenfolge „Mein Snippet ist“ plus wahlweise „super“ oder „klasse“ einfügen soll. Das Ganze im Bundle für Shell-Skripte.

Öffnen Sie „Bundle/Edit Bundle“, markieren Sie dort „Shell Script/Menu Actions“. Klicken Sie dann auf „File/New“ und wählen Sie „Snippet“, um ein neues Snippet anzulegen. Als „Tab-Trigger“ geben Sie das gewünschte Kürzel „t1“ ein und in dem geöffneten Textfeld „Mein Snippet ist ${1|super,klasse|}“. Fortan können Sie in Texten dann „t1+TAB“ tippen, woraufhin „t1“ entsprechend durch ersetzt wird. Ein tolles Feature, aber nicht gerade offensichtlich.

Ist die Arbeit über Bundles einmal verinnerlicht, kann man sich mittels Learning by Doing aber durchaus gut in TextMate einarbeiten.

Sublime Text

Unter Linux sind kostenlose Tools die Regel, unter Windows fast. Bei macOS sind Kaufprodukte hingegen der Standard – und insofern darf das beliebte Sublime Text als einziger kostenpflichtiger Editor mit ins Feld. 80 US-Dollar werden für eine Lizenz fällig.

Sublimes Oberfläche lässt sich granular anpassen, hier beispielsweise mit separatem Dateibrowser.
Sublimes Oberfläche lässt sich granular anpassen, hier beispielsweise mit separatem Dateibrowser. (Bild: Lang / Sublime HQ)

Sublime ist TextMate gar nicht so unähnlich: Auch dieser Editor erscheint nur mit einer minimalen Oberfläche, die dann Stück für Stück nach eigenem Gusto aufgebaut werden kann. Allerdings gibt es hier auch die Möglichkeit einer Raster-Ansicht (Tiling/Grid) für geöffnete Dateien – was sehr hilfreich ist.

TextMate hat jedoch bereits allerlei Funktionen (Bundles) mit an Bord, bei Sublime muss alles Stück für Stück nachinstalliert werden. Grundsätzlich hat das seine Vorteile, aber auch hier muss man sich erst daran gewöhnen. Das liegt vor allem an der teils etwas schwachen Dokumentation der Erweiterungen, zumal vieles über Befehle funktioniert, nicht über eine grafische Auswahl.

Die Bedienung kann vollends über die Tastatur laufen.
Die Bedienung kann vollends über die Tastatur laufen. (Bild: Lang / Sublime HQ)

Der vielleicht wichtigste Ort in Sublime ist für den Anfang die „Commands Palette“ im Menü „Tools“: Hier lassen sich allerlei Kommandos eingeben, um komplett ohne Maus zu arbeiten – einmal erlernt ist das großartig, aber die Lernkurve ist anfangs steil.

Nehmen wir an, Sie möchten eine Seitenleiste als Dateibrowser in das Sublime-Layout integrieren. Zunächst installieren Sie über „Tools/Install Package Control“ die interne Paket-/Plugin-Verwaltung. Dann führen Sie in der Palette den Befehl „install package“ aus, woraufhin sich eine Liste aller verfügbaren Plugins öffnet. Hier suchen Sie nun über „browse“ nach passenden Tools, beispielsweise dem „FileBrowser“, und installieren diesen einfach per Enter.

Um nun den Browser als Seitenleiste anzuzeigen, öffnen Sie abermals die „Commands Palette“ (COMMAND+SHIFT+P), geben „browse“ ein und wählen die passende Option, hier etwa „Browse Mode: Left Sidebar“. Oder den normalen „Browse Mode“, der den Dateibaum als normalen Tab öffnet. Dieses ganze Prozedere ist anfangs schlicht nicht intuitiv, später aber durchaus angenehm. Auch wenn ein paar Infos zu den angezeigten Plugins selbst für erfahrenste Nutzer ganz nett wären.

Sublime zeigt fast alles, hier ein Git-Log, in normalen Datei-Tabs – daran muss man sich möglicherweise erst gewöhnen.
Sublime zeigt fast alles, hier ein Git-Log, in normalen Datei-Tabs – daran muss man sich möglicherweise erst gewöhnen. (Bild: Lang / Sublime HQ)

Erweiterte Funktionen wie Git-Anbindung müssen ebenfalls auf diese Weise nachgerüstet werden – was hier vollkommen problemlos funktioniert. Git nistet sich sogar mit einem eigenen Menü ein, wenn auch nicht mit allen Funktionen, “push” beispielsweise fehlt.

Aber auch von Haus aus hat Sublime Text einiges zu bieten: Eine sehr ausgefeilte Suche mit der Möglichkeit, zu jedem Teil eines Dokuments zu springen, Mehrfachmarkieren (ähnlich TextMate, jedoch ohne die Maus-Variante), Projektverwaltung, Integration der Shell, Snippets, Dutzende unterstützter Sprachen, Python-API für eigene Erweiterungen und all die üblichen Textfunktionen zum Kommentieren, Falten, Einrücken und so weiter.

Besonders interessant sind die vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten der Arbeitsoberfläche. Mittels Farbschemata, Layouts und nahezu beliebigen Anpassungen einzelner Bedienelemente, kann man sich eine sehr persönliche IDE zusammenbasteln. Neben dem Fullscreen-Modus gibt es auch die Variante „Distraction Free Mode“, der bis auf die eigentlichen Inhalte alles ausblendet. Andernorts heißt dieses Feature häufig Fokus-Modus oder ähnlich.

Sublime Text bietet viele interessante Ansätze, Tools und Bedienkonzepte – und für ein Werkzeug für jeden Tag sollten die 80 Dollar Kaufpreis kaum ausschlaggebend sein. Ein großer Vorteil von Sublime Text gegenüber TextMate dürfte die größere Community sein. Die Grundfunktionen zum Entwickeln bieten beide standardmäßig und beide lassen sich massiv anpassen und erweitern – im Zweifelsfall wird Sublime die Nase leicht vorn haben.

Wer noch keine speziellen Wünsche hat und einfach nach einem sehr guten Code-Editor sucht, sollte jedoch mit TextMate beginnen. Dinge wie die Paketverwaltung sind einfacher implementiert, das Verhalten vieler Funktionen entspricht eher Gewohntem und Open Source ist immer ein gewaltiger Pluspunkt. Wer Mäuse nicht mag, wird Sublime Text auf Anhieb mehr mögen.

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