Software Delivery Management als Blaupause Software-Bereitstellung – eine (neue) Strategie muss her

Autor / Redakteur: Michael Baldani * / Stephan Augsten

Software spielt eine immer wichtigere Rolle in der Strategie der meisten Unternehmen. Es wird also Zeit, sowohl der Entwicklung als auch der Bereitstellung von Anwendungen den Respekt zukommen zu lassen, der ihnen gebührt.

Software-Bereitstellungsprozesse könnten wie ein fein abgestimmtes Orchester funktionieren, oft tun sie das allerdings nicht.
Software-Bereitstellungsprozesse könnten wie ein fein abgestimmtes Orchester funktionieren, oft tun sie das allerdings nicht.
(Bild: WELSTech / CC0 )

Nur wenige würden behaupten, dass der Respekt gegenüber Software-Entwicklern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, ob in Unternehmen oder Behörden. Jahrelang war die Software-Entwicklung und -Wartung eine Aufgabe, die außer Sichtweite erledigt wurde, versteckt in einer dunklen Ecke. Die Bereitstellung von Software galt eher als eine Kostenstelle, ein notwendiges Übel, denn als eine Ressource, die der Organisation strategischen Mehrwert liefern kann.

Heute verlassen sich Unternehmen stark auf die von ihnen produzierte Software, um kritische Aufgaben zu erfüllen. Sie erwarten, dass Software ihre internen Abläufe transformiert, den Abteilungen hilft, intelligenter zu arbeiten und die Produktivität zu verbessern. Nicht zuletzt setzen viele für die Zukunft ihres Unternehmens auf ihre Fähigkeit, innovative Software-Anwendungen zu entwickeln, die neue Kunden anziehen.

Aber hat sich die Sichtweise wirklich geändert? ist die Software-Bereitstellung tatsächlich ein Motor der Geschäftsstrategie? Respektieren Unternehmen den Prozess genug, um eine maßgeschneiderte End-to-End-Strategie zu entwickeln, die darauf abzielt, die bestmögliche Software zu liefern, die den größtmöglichen Wert generiert? Die kurze Antwort auf diese Fragen lautet in der Regel „Nein“!

Obwohl viele Unternehmen die Prozesse der Software-Bereitstellung deutlich effizienter gestalten konnten, verlaufen diese in den meisten Fällen immer noch auf eine unzusammenhängende, manchmal verwirrende Weise, die alle am Prozess Beteiligten frustriert. Allzu oft haben die Personen, die Software entwerfen, erstellen, testen, installieren, vermarkten und verkaufen, keine Ahnung, wo sich eine App im Bereitstellungsprozess befindet oder wie sie diesen Prozess am besten optimieren können. Informationen werden nicht mit allen relevanten Personen geteilt und Fehler führen zu verpassten Terminen, minderwertiger Software und unzufriedenen Kunden.

Der DevOps-Ansatz hat einige interne Engpässe und Verzögerungen beseitigt, und Continuous Delivery-Pipelines haben Ordnung in einzelne interne Prozesse gebracht. Aber Software existiert immer noch größtenteils auf einer eigenen Insel – respektiert, aber missverstanden, geschätzt, aber von den übergreifenden Zielen des Unternehmens abgekoppelt.

Was wir brauchen, ist ein branchenweites Modell, das die Softwarebereitstellung zu einer Kernfunktion des Unternehmens erhebt – so wie Finanzen oder Vertrieb. Die Software-Bereitstellung sollte nicht nur ein peripherer Teil der Strategie eines Unternehmens sein. Sie sollte eine eigene Strategie haben, die alle Schritte im Bereitstellungsprozess miteinander verbindet und sicherstellt, dass sie helfen, den Umsatz und Gesamtwert des Unternehmens zu steigern.

Zwei Arten Orchestrierung

Was stimmt nicht mit der heutigen Weise der Softwarebereitstellung? Man stelle sich zwei Versionen eines Orchesters vor: eines, in dem alle komplementären Rollen und Verantwortlichkeiten perfekt aufeinander abgestimmt sind, und eines, in dem alles durcheinander geht.

  • In einem gut organisierten Orchester leitet der Dirigent Dutzende von Musikern und stellt sicher, dass jeder das beiträgt, was von der Gruppe erwartet wird. Geigen mischen sich mit Hörnern, Flöten und Keyboards, das Schlagzeug hält den Takt, und die gelegentliche Glocke oder der Gong setzt genau den richtigen Akzent im Klang. Hinter den Kulissen kümmern sich Mitarbeiter um die Buchung des Konzertsaals, die Logistik, die Werbung und die Finanzen, damit die nächsten Veranstaltungen reibungslos über die Bühne gehen. Alle arbeiten synchron, und das Endprodukt ist in der Regel einwandfrei.
  • In einem schlecht organisierten und geleiteten Orchester wird sich der ganze Aufwand sehr schnell in ein Chaos verwandeln. Musiker, die es gewohnt sind, auf eine bestimmte Art und Weise zu spielen, würden den Dirigenten ignorieren, Veranstaltungen würden schlecht gemanagt werden und unzufriedene Kunden würden den Saal verlassen, um vielleicht nie mehr wiederzukommen.

Software-Bereitstellungsprozesse könnten wie ein fein abgestimmtes Orchester funktionieren. Aber oft tun sie das nicht. Jede Komponente versucht, so gut wie möglich zu arbeiten, mit den besten Informationen, die ihr zur Verfügung stehen, basierend auf ihrer eigenen besten Interpretation dessen, was die Organisation von ihnen erwartet. Wenn die Abteilungen jedoch nicht die richtigen Informationen untereinander austauschen können und nur wenig Einblick in die Auswirkungen der einzelnen Beiträge auf das große Ganze haben, wird die Symphonie, die sie abliefern, in eine Kakophonie ausarten.

Im Folgenden ein Beispiel dafür, wie eine Funktionserstellung ohne eine solide End-to-End-Strategie die Software-Bereitstellung vermasseln kann:

Produktdesigner senden Entwicklern Anfragen, neue Funktionen für eine bestehende Anwendung bereitzustellen. Die Geschäftsseite erteilt den neuen Funktionen hohe Priorität, sodass die Entwickler unter Zeitdruck stehen. Die Entwickler haben keinen Zugriff auf das Kunden-Feedback, das die Anfragen ausgelöst hat, und machen daher falsche Annahmen darüber, wie die Funktionen genutzt werden.

Wenn der neu entwickelte Code an die Produktivumgebung übergeben wird, trifft dies das entsprechende Team unvorbereitet. Das Produktiv-Team stellt zudem fest fest, dass der Code nicht ordnungsgemäß auf Sicherheitslücken gescannt wurde und schickt ihn zur Überarbeitung zurück. Keine der beiden Seiten weiß, wie es zu den Problemen gekommen ist, und die Verzögerungen häufen sich, sodass die Markteinführung gefährdet ist.

Währenddessen wissen Marketing, Vertrieb und Kundendienst nicht, wann die neuen Funktionen verfügbar sein werden, sodass sie unzureichend auf die Veröffentlichung der App vorbereitet sind. Das Management möchte die neuen Funktionen schnellstmöglich auf den Markt bringen und lässt sie daher ohne angemessene Dokumentation freischalten. Die Benutzer bemerken die neuen Funktionen nicht, bis sie sich einloggen. Sie sind verwirrt und geben negative Bewertungen ab, was der Marke schadet. Im Grunde tauscht niemand Informationen aus, und die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut.

Software Delivery Management nutzen

Eine kohärente Strategie für die Software-Bereitstellung könnte dem beschriebenen Unternehmen helfen. Eine Blaupause für eine solche Strategie wird in einem neuen Modell namens „Software Delivery Management“ (SDM) skizziert.

SDM hilft, die Software-Bereitstellung als einen zentralen Teil des Geschäfts mit Wettbewerbsvorteilen umfassend zu managen. Es zielt darauf ab, alle Stakeholder im Bereitstellungsprozess mit dem gemeinsamen Ziel zu vereinen, Geschwindigkeit, Qualität, Vorhersagbarkeit und Wert der Software-Bereitstellung zu erhöhen.

Um SDM umzusetzen, ist zunächst ein gemeinsames Datenmodell zur Nutzung von Informationen erforderlich, das Transparenz und Einblicke in den gesamten Entwicklungskreislauf und darüber hinaus schafft. Das schafft zusammenhängende, einheitliche Prozesse und führt so zur Zusammenarbeit aller Funktionen und Teams. Die Verbindung von Tools, Daten, Teams und Prozessen durch ein SDM-Modell kann einige der Probleme lösen, mit denen die Software-Bereitstellung konfrontiert ist.

Entwickler können einfach auf Kunden-Feedback zugreifen, sodass sie über den nötigen Kontext verfügen, wie bestimmte Funktionen die spezifischen Anforderungen der Kunden erfüllen können. Mitglieder des Ops-Teams erhalten einen Überblick darüber, wann eine Reihe von Funktionen zur Verfügung stehen wird, und Sicherheitsspezialisten können den Code früher scannen. Die Fachabteilungen wissen, wann sie aktualisierte Funktionen erwarten können, und umfangreichere, strategischere Roll-outs planen. Vertrieb und Support können besser Benutzer-Feedback sammeln und sich mit anderen Abteilungen austauschen, um das Produkt kontinuierlich zu verbessern.

Jede Komponente im Bereitstellungsprozess profitiert vom entsprechenden Kontext. Die Teams verstehen, wie die Entscheidungen zustande kommen, neue Funktionen zu realisieren. Verschiedene Beteiligte können sich mit Empfehlungen einbringen. Sie werden stärker in den Gesamtprozess eingebunden und engagieren sich mehr dafür, die bestmögliche Software mit einer angemessenen Geschwindigkeit zu liefern.

SDM in Zeiten von COVID-19

Es ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach DevOps-Software explodieren wird. Im neuen Normalzustand während und nach der Pandemie gehört die Zusammenarbeit auf Abstand auch für Software-Teams zum Alltag. Daher müssen sie von nicht vorhandener oder nur teilweise realisierter auf vollständige Automatisierung umsteigen und Systeme implementieren, die für Informationsaustausch und Transparenz sorgen. Darüber hinaus besteht die Notwendigkeit, neue Software zu entwickeln und bestehende Software zu verändern, um die Digitalisierung physischer und manueller Prozesse zu realisieren.

Das wird die Nachfrage nach Software-Innovationen vorantreiben und zu neuen Projekten führen, die entsprechendes Tooling erfordern. Die Software-Teams werden gezwungen sein, diese neuen Projekte aufzusetzen und diese neuen Werkzeuge sehr schnell zu implementieren, ohne dass ihnen dafür zusätzliche Budgets zur Verfügung stehen. Es wird für Unternehmen von entscheidender Bedeutung sein, die Softwarebereitstellung als Kerngeschäftsprozess zu begreifen, um nicht nur die derzeitige Phase zu überleben, sondern neue Chancen zu nutzen, sobald sich diese ergeben.

Fazit

Michael Baldani
Michael Baldani
(Bild: CloudBees)

Eine wohldefinierte Strategie zur Software-Bereitstellung ist für Unternehmen entscheidend, um in der heutigen Geschäftswelt erfolgreich zu sein. Es ist für Anwender einfacher denn je geworden, Software nicht nur zu konsumieren, sondern sie auch zu löschen und zu ersetzen, wenn sie nicht zufrieden sind. Unternehmen müssen die richtigen Produkte mit den richtigen Funktionen zum richtigen Zeitpunkt bereitstellen, um die Anwender innerhalb und außerhalb der eigenen vier Wände zufrieden zu stellen. Sie können dies erreichen, indem sie ein SDM-Modell nutzen und Software ein für alle Mal aus der dunklen Schmuddelecke holen.

* Michael Baldani ist Produktmanager bei CloudBees. Er war in den letzten 20 Jahren in der Vermarktung von Software- und SaaS-Lösungen tätig und unterstützte Kunden bei der Bewältigung der Herausforderungen, die ihnen in ihrer täglichen Arbeit begegnen.

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