Continuous Testing – das Geheimnis erfolgreicher Apps

Shift Left Testing alleine reicht nicht

| Autor / Redakteur: Hannes Lenke * / Stephan Augsten

Continuous Testing bei der App-Entwicklung sorgt dafür, dass die Code-Qualität auch bei agilen Development-Prozessen gewahrt bleibt.
Continuous Testing bei der App-Entwicklung sorgt dafür, dass die Code-Qualität auch bei agilen Development-Prozessen gewahrt bleibt. (Bild: Fabian Grohs - Unsplash.com)

Strebt ein App-Anbieter kurze Release-Zyklen an, muss er trotzdem sicherstellen, dass die Code-Qualität gewahrt bleibt. Continuous Testing kann dabei helfen, agile Entwicklung und Qualität miteinander in Einklang zu bringen.

Moderne Apps sind aus unserem Alltag fast nicht mehr wegzudenken und stehen auch für einen Großteil der aktuellen Innovationen in unserer vernetzten Welt. Für viele Unternehmen, die ihren digitalen Wandel vorantreiben wollen, wird die Bereitstellung mobiler Apps, ob für die Interaktion mit ihren Kunden oder mit ihren Mitarbeitern, fast schon zur Pflicht.

Bei der Umsetzung sollten die Anbieter aber auch bedenken: Durch den Auftritt als Unternehmen oder Marke mit einer eigenen mobilen App wird Qualität künftig noch mehr zu einem wesentlichen Schlüsselfaktor. Denn in einer Welt, in der „mobile first“ für viele Anwender selbstverständlich geworden ist, zögern Kunden im Zweifelsfall nicht lange mit dem Umstieg auf eine konkurrierende App, wenn das Benutzererlebnis nicht stimmt oder die App durch wiederholte Ausfallzeiten „unpraktisch“ wird.

Durch diese ausreichend belegte hohe Marktdynamik rückt für Unternehmen, die heute Apps auf den Markt bringen wollen, die effektive Praxis des Continuous Testing von Mobile Apps mehr und mehr in den Mittelpunkt. Denn die Vorteile des kontinuierlichen Testens sind erheblich. Unternehmen und ihre Entwickler müssen sich allerdings darüber im Klaren sein, dass die Einführung einer Continuous-Strategie ihren Testing-Ansatz grundlegend verändern wird.

Diese Veränderung lohnt sich aber durchaus und könnte zudem künftig zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden: Unternehmen bieten ihren Kunden so eine nahtlose, störungsfreie digitale App-Nutzung und erhalten im Gegenzug ein schnelleres, agileres Wachstum und eine höhere Rentabilität. Aber was bedeutet die Umsetzung einer solchen kontinuierlich Testpraxis für die mobile Entwicklung?

Fragmentierung des mobilen Ökosystems – die große Herausforderung

Im Gegensatz zum Testen traditioneller Web-Anwendungen stellt das Testen moderner Apps Entwickler vor ganz andere Herausforderungen: Können Web-Apps theoretisch tausende Male am Tag ausgespielt werden, lassen sich mobile Apps nur in zeitgesteuerten Zyklen (angepasst an App-Stores) bereitstellen. Das hat zur Folge, dass Bugs oftmals nicht schnell genug gepatcht werden können.

Das Testen mobiler Apps ist zudem durch die hohe Fragmentierung – nicht nur bei den Betriebssystemversionen, sondern auch bei Gerätetypen, Formfaktoren, Gerätespezifikationen, neuen Hardware-Features, Arten von mobilen Apps (nativ, Web, Hybrid), den verschiedenen Entwicklungsumgebungen für mobile Apps und der hohen Anzahl an Carrier-Netzwerken – erheblich komplexer.

Alle genannten Faktoren wirken als Variable und bringen zahlreiche Permutationen und Kombinationen mit sich, die beim Testen von Mobile Apps berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus ist die Fehlerberichterstattung bei mobilen Devices schwieriger: Anwendungen können abstürzen und manchmal keinerlei Spuren zur Ursache hinterlassen, wenn sie nicht entsprechend vorkonfiguriert sind.

Beim Testen mobiler Apps lassen sich auch Probleme erkennen, die für eine geografische Region spezifisch sind, die sich von der Region, in der sich der Tester befindet, völlig unterscheidet. Mobile Apps werden in der Regel geografisch verteilter eingesetzt als Web-Anwendungen, und dies muss bei der Analyse von Problemen und Testergebnissen berücksichtigt werden.

Das große Dilemma des neuen DevOps-Zeitalters: Geschwindigkeit versus Qualität

Wollen Unternehmen ihre Digitalisierung vorantreiben und deshalb auf agile Prozesse – den sogenannten DevOps-Ansatz – umstellen (diesem Wandel können sich auch App-Anbieter nicht mehr entziehen), bringt dies gerade bei der Bereitstellung von Software tiefgreifende Veränderungen für die gesamte Entwicklungspipeline mit sich. Denn damit rückt die Geschwindigkeit als Erfolgsgarant in den Mittelpunkt: Je schneller ein Unternehmen neue Funktionen für seine Apps auf den Markt bringt, desto besser ist die Wahrnehmung im Markt.

Diese Gleichung kehrt sich allerdings um, wenn durch den Geschwindigkeitsdruck die Qualität unter die Räder gerät. Nichts verschreckt Kunden mehr als unzuverlässige Funktionen oder ein nicht zufriedenstellendes Benutzererlebnis – denn in diesem Moment werden alle Investitionen, die ein Unternehmen in die Umsetzung schnellerer Prozesse getätigt hat, wertlos.

Nachhaltigen Erfolg können App-Anbieter nur erreichen, wenn sie auf kompromisslose Qualität setzen. Und genau dieser Weg eröffnet sich durch das Continuous Testing, das Geschwindigkeit und Qualität nicht als Gegensatzpaar sieht, sondern in ein Gleichgewicht setzt.

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