Interview mit Cameron Deatsch zur SaaS-Strategie von Atlassian „Sehen uns als Vorreiter der Cloud-Tecnologie“

Redakteur: Stephan Augsten

Mit speziellen Enterprise-Varianten seiner SaaS-Produkte will Atlassian auch großen Unternehmen den Gang in die Cloud ermöglichen. Aber warum sollten Cloud-Umgebungen der neue Standard in Unternehmen werden? Cameron Deatsch, Chief Revenue Officer bei Atlassian, äußert sich über die Strategie seines Unternehmens.

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Der Weg in die Cloud ist für viele Unternehmen nicht einfach, Atlassian hat seine SaaS-Angebote für Enterprise-Kunden augebaut.
Der Weg in die Cloud ist für viele Unternehmen nicht einfach, Atlassian hat seine SaaS-Angebote für Enterprise-Kunden augebaut.
(© adam121 - stock.adobe.com)

Dev-Insider: Herr Deatsch, Atlassian bietet die Cloud-Produkte von Jira Software, Confluence und Jira Service Management seit 2021 auch als Enterprise-Variante an. Sieht Atlassian im Großkunden-Segment langsam die Abkehr vom klassischen Rechenzentrum?

Cameron Deatsch
Cameron Deatsch
(Bild: Atlassian)

 

Cameron Deatsch: Die „Cloudifizierung“ kann man sicherlich als einen Megatrend betrachten, der nach und nach alle Segmente der Wirtschaft erfasst. Von der Skalierbarkeit und Flexibilität der Cloud profitieren auch große Unternehmen und wir halten sie für die Zukunft unserer meisten Kunden. As-a-Service-Angebote können beispielsweise direkt von einzelnen Abteilungen eingekauft werden und müssen nicht zentral über die IT implementiert werden.

Cloud-Anwendungen zeigen auch vor dem Hintergrund von Remote Work ihr großes Potenzial, da der Zugriff von überall aus möglich ist und kein VPN-Zugang zum Firmennetzwerk mehr nötig ist. Um unsere größten Kunden zu unterstützen, haben wir vor kurzem unser Enterprise-Angebot „Atlassian Cloud“ eingeführt, das sich an Unternehmen richtet, die erweiterte Skalierungs-, Sicherheits- und Governance-Features für ihre Jira Software, Confluence und Jira Service Management-Produkte benötigen.

Wir wissen, dass nicht jeder Kunde bereit ist, von unseren On-Premises-Produkten auf unsere Cloud-Produkte umzusteigen. Für diese Kunden bieten wir daher weiterhin unsere selbstverwaltete Enterprise Edition an. Für Datacenter-Kunden, die irgendwann in die Cloud wechseln möchten, arbeiten wir außerdem an Cross-Deployment-Funktionen, die die gemeinsame Verwaltung von Cloud- und selbstverwalteten Produkten vereinfachen werden.

Dev-Insider: Sollte es zu einem großen Wachstum der Nutzerzahlen in der Cloud kommen: Wie hat sich Atlassian für die potenzielle „Post-On-Premises-Ära“ aufgestellt?

Deatsch: Bereits seit 2016 arbeiten wir daran, unsere Plattform für den Cloud-First-Ansatz auszubauen und wir arbeiten mit dem Branchenführer AWS zusammen, um stets genügend Ressourcen bereitzustellen. Außerdem sind unsere Angebote als Multi-Tenant-Architektur ausgelegt. Das bedeutet, mehrere Nutzer teilen sich eine Instanz der Software und zugrundeliegender Ressourcen.

Die jeweiligen Kundendaten werden dabei natürlich nicht geteilt. Dieser Ansatz fördert die Skalierbarkeit weiter. Um die Anforderungen unserer größeren Kunden bei der Skalierung zu erfüllen, unterstützen wir derzeit bis zu 20.000 Benutzer pro Instanz in unseren Cloud-Enterprise- und Premium-Angeboten, für bestimmte Kunden in unserem Early-Access-Programm, mit Plänen, diese Skalierung für alle Kunden im Juni verfügbar zu machen.

Bis Ende 2022 werden wir 35.000 Benutzer pro Instanz verfügbar machen. Außerdem investieren wir in maximale Verlässlichkeit unserer Dienste: Unsere Cloud Enterprise Angebote garantieren ein Service Level Agreement von 99,95 Prozent Uptime. Natürlich hat auch die Performance unserer Produkte für uns oberste Priorität. Die Geschwindigkeit beim Laden einer Confluence Seite konnten wir in den letzten sechs Monaten um 30 Prozent steigern und das Erstellen eines Jira Issues geht nun 38 Prozent schneller.

Dev-Insider: Wie einfach kann ein Bestandskunde von einer klassischen Subscription hin zu einer Cloud-Variante wechseln und wie unterstützt Atlassian bei der Migration?

Deatsch: Um den Umstieg für unsere Kunden so einfach wie möglich zu machen, haben wir das Atlassian Migrationsprogramm ins Leben gerufen. Dort erhalten Unternehmen alle benötigten Ressourcen, kostenlose Tools und spezialisierten Support. Bewährte Best Practices helfen dabei, für jedes Unternehmen einen individuellen Migrationspfad zu definieren und zu verfolgen. Außerdem können sich Kunden untereinander in der Atlassian Community vernetzen und dort Erfahrungen austauschen.

Im letzten Jahr haben wir auch eine Reihe neuer Integrationen zwischen unseren selbstverwalteten und Cloud-Produkten geschaffen. Diese werden wir auch weiterhin ausbauen, sodass Endnutzer über beide Deployments hinweg komfortabel arbeiten können. Die Integrationen vereinheitlichen auch die Verwaltungsabläufe für Kunden, die sowohl unsere selbstverwalteten als auch unsere Cloud-Produkte einsetzen, und nehmen ihnen so zusätzliche Arbeit ab. Wir haben speziell Integrationen zwischen Jira Service Management Data Center und Confluence Cloud sowie Jira Service Management Data Center und Opsgenie eingeführt, um die Arbeit in beiden Varianten zu optimieren.

Dev-Insider: Eine Herausforderung im Enterprise-Segment ist sicher das User-Management, wie gut lässt sich das auf globaler Ebene, sprich standortübergreifend handhaben?

Deatsch: Um Administratoren bei der effizienteren Verwaltung tausender Benutzer zu unterstützen, die über mehrere Produkte und Instanzen verteilt sind, enthält Cloud Enterprise einen neuen zentralen Admin-Hub. Hier können Administratoren Benutzer zu Instanzen zuweisen, Sicherheitsrichtlinien konfigurieren, Nutzungstrends überwachen und vieles mehr.

Der Admin-Hub rationalisiert die Verwaltung von Produktinstanzen, die über Geschäftsbereiche, Regionen oder Unternehmensteile verstreut sein können. Das hilft den Administratoren unserer größten Kunden, Tausende von globalen Benutzern, die über mehrere Produkte und Instanzen verteilt sind, effizienter zu verwalten Eingebaute Integrationen mit führenden Identitätsanbietern ermöglichen es Kunden, die Benutzerkontenerstellung und -entfernung zu automatisieren, was Administratoren Zeit und Nerven erspart.

Dev-Insider: Im europäischen Raum und insbesondere in Deutschland gibt es ja traditionell Datenschutzbedenken, insbesondere wenn es um verteilte Lösungen geht. Wie gut lassen sich Datenschutz und Datensicherheit standortabhängig gewährleisten?

Deatsch: Atlassian nimmt den Datenschutz sehr ernst, und wir arbeiten gemeinsam daran, verantwortungsvoll mit Kundendaten umzugehen. Sicherheit und Datenschutz gehören zu unseren Top-Prioritäten und unsere Cloud-Produkte sind DSGVO-konform. Wir haben das Schrems-II-Urteil und die Erklärung der Unwirksamkeit des EU-US-Privacy-Shield-Abkommens genau verfolgt.

Um die Entscheidung des Gerichts zu berücksichtigen, bieten wir derzeit ein vorunterzeichnetes Datenverarbeitungsabkommen (DPA) an, das eine vollständige Kopie der Standardvertragsklauseln (SCCs) enthält. Da der Europäische Datenschutzausschuss weitere Leitlinien zu ergänzenden Maßnahmen herausgibt, um die Angemessenheitsanforderungen der DSGVO zu erfüllen, werden wir diese Anforderungen sowie alle anderen Anforderungen der europäischen Datenschutzbehörden weiterhin analysieren und einbeziehen.

Unser Datenschutzprogramm ist zudem so gestaltet, dass es nicht nur die gesetzlichen Anforderungen, sondern auch besondere Bedürfnisse von Kunden erfüllt. Atlassian-Mitarbeiter, die auf personenbezogene Daten von Kunden zugreifen und diese verarbeiten, werden im Umgang mit diesen Daten geschult und sind verpflichtet, deren Vertraulichkeit und Sicherheit zu wahren. Außerdem haben Kunden selbstverständlich die Möglichkeit, alle ihre Daten restlos löschen zu lassen.

Darüber hinaus verschlüsseln wir Daten während der Übertragung und im Ruhezustand, veröffentlichen einen jährlichen Transparenzbericht, der behördliche Anfragen nach Nutzerdaten zusammenfasst, und stellen in unseren Richtlinien für Strafverfolgungsbehörden zusätzliche Informationen über unsere Richtlinien und Verfahren zur Beantwortung dieser Anfragen bereit. Das Vertrauen unserer Kunden ist uns wichtig, und wir werden auch in Zukunft Transparenz in den Vordergrund stellen.

Dev-Insider: Die Zukunft von Softwareentwicklung und IT-Betrieb scheint ja „Cloud Native“ zu sein. Inwiefern baut die Cloud-Strategie von Atlassian darauf auf und wie gut lässt sich das Portfolio tatsächlich mit diesem Ansatz kombinieren?

Deatsch: Wir sehen uns als Vorreiter der Cloud-Technologie und dass wir nun unsere Ressourcen ausschließlich darauf konzentrieren ist nur der letzte Schritt einer langen Entwicklung. Alle Atlassian Produkte wurden bereits von Grund auf Cloud-native geplant und entwickelt, anstatt alte Legacy Systeme nur anzupassen. Somit sind wir mit unserem Portfolio bestens für eine Zukunft in der Cloud aufgestellt.

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