Digitales Setting verbessert Testergebnisse Remote User Testing als Reaktion auf Covid-Krise

Autor / Redakteur: Indrek Ulst * / Stephan Augsten

In der Entwicklung ist es wichtig, detailliertes Feedback und aussagekräftige Daten aus User-Tests zu generieren. Am besten funktioniert das persönlich. Die Corona-Krise stellt die Tests zur Nutzbarkeit und Nutzerfreundlichkeit vor neue Herausforderungen.

Firmen zum Thema

Remote User Testing minimiert Risiken und Ängste in Verbindung mit Covid und führt dennoch zu einer validen Produktanalyse.
Remote User Testing minimiert Risiken und Ängste in Verbindung mit Covid und führt dennoch zu einer validen Produktanalyse.
(Bild: ThisIsEngineering / Pexels )

Development-Teams stehen seit nunmehr eineinhalb Jahre vor dem Dilemma, Maßnahmen zum Infektionsschutz gegen Covid-19 mit dem Anspruch aussagekräftiger User-Tests übereinzubringen. Das Problem: Die Ansteckungsgefahr, Forderungen soziale Kontakte zu reduzieren und Unsicherheiten im Umgang mit Maßnahmen zum Infektionsschutz erschweren reibungslose Inhouse-User-Tests und persönliche Interviews.

Damit Entwicklerinnen und Entwickler trotz der veränderten Arbeitsstandards weiterhin valide Aussagen zu ihren Produkten erhalten, müssen sie die Ansprüche des New Normal auf den Testprozess übertragen – das Stichwort lautet: Remote User Testing. Ziel ist es dabei, den gesamten Ablauf (von der Rekrutierung der Testpersonen bis zur Auswertung ihrer Aussagen) vollständig digital und ortsunabhängig abzubilden.

Remote User Testing ist universell einsetzbar

User-Tests sind ein Prozess, in dem ein Produkt an einer festgelegten Gruppe getestet wird. Ziel ist es, Einblicke in das Verhalten der Zielgruppe, ihre Erwartungen und Bedürfnisse zu erhalten. Ein solcher Feedbackprozess erfordert von den Testpersonen, Aufgaben-basierte Tests zu lösen, ihre Gedankengänge zu dokumentieren und Interviews mit den Produkt-Teams zu führen.

Es gibt verschiedene Arten, User-Testings durchzuführen, und sie alle lassen sich mit digitalen Hilfsmitteln durchführen. Meeting-Tools, wie etwa Zoom, Google Hangouts oder Lookback zu nutzen ist daher für remote User-Testings unumgänglich.

1. Moderierte Testdurchläufe: Umgestaltung nach remoten Standards

Moderierte Usability-Tests erfordern eine aktive Teilnahme der Moderatorinnen und Moderatoren. Diese sind etwa bei der Befragung der User notwendig, wenn es um die Frage geht, ob diese einer App vertrauen – da sie diese ansonsten nicht nutzen würden. Tests werden meist vor Ort im Unternehmen oder in einem separaten UX-Labor durchgeführt – das wird zum Problem, wenn man den aktuellen Infektionsschutz beachtet.

Remote-zentrierte Testdurchläufe ermöglichen ortsunabhängige Moderationen: Sie lassen eine reale Interviewsituation zu und erlauben es den Bildschirm mit Bildern und Videos zum Produkt zu teilen – in Einzelgesprächen oder in einer Gruppe. Auch eine Aufzeichnung zur anschließenden Rekapitulation des Gesprächs ist möglich. Eine aktiv remote gestaltete Test-Situation (gilt für Interviews, wie für anderen Methoden) fördert die Partizipationsrate und minimiert soziale Ängste bezüglich direkten Kontakts mit anderen Testpersonen und den Moderatoren.

2. Von vornherein remote: Testvorgänge ohne Moderation

Sobald die Teams Interviews geführt und einen Prototyp ihres Produktes abgestimmt haben, sollten es möglichst viele potenzielle Benutzer verwenden und kommentieren. Hierzu eigenen sich nicht moderierte Nutzertests, bei denen die Teilnehmenden ein Produkt oder eine App selbstständig und ihrer eigenen Zeit und Umgebung ausprobieren.

Ein solches Vorgehen ist prädestiniert für eine remote Durchführung, da bereits die Prämisse der Ortsunabhängigkeit erfüllt ist. Firmen sollten hierfür auf digitale Plattformen zurückgreifen, um verschiedene Testgegenstände hochzuladen: Von Skizzen bis hin zu anklickbaren Prototypen. Das Testen in der eigenen Wohlfühlzone führt zu realeren Ergebnissen, da sich die Partizipanten unbeobachtet fühlen und entsprechend natürlicher verhalten als in einem konstruierten Labor-Setting.

3. Quantitatives Testing

Während die meisten Benutzertests zur Beantwortung von Fragen bezüglich des „Wie“ und „Warum“ dienen, setzen Unternehmen quantitative Testmethoden ein, um Metriken wie Mausnutzung, oder Benutzerzufriedenheit und wahrgenommene Schwierigkeit (SUS) zu messen. Unternehmen nutzen diese Daten zur Erstellung von Heat-, Scroll- oder Sitemaps, welche wertvolle Einblicke in das tatsächliche Verhalten und die unbewussten Einstellungen von Nutzenden bei der Interaktion mit einem Produkt gibt.

Remote-zentrierte, quantitative Tests finden auf digitalen Helfer-Plattformen ohne Moderation statt. Damit erfüllen sie ebenfalls das Grundkriterium entferntert Arbeit: Die Durchführung im Homeoffice. So reduziert sich das Ansteckungsrisiko und löst die Hauptherausforderung beim User Testing unter Covid19-Bedingungen.

User rekrutieren: Eine Frage von Methode und Tool

Sobald sich Unternehmen darüber einig sind, welche Methoden und Tools sie für ihre Produkttests einsetzen wollen, müssen sie geeignete Probandinnen und Probanden finden. Entscheiden sich Firmen für eine Plattform, die bereits über eine passende Nutzerbasis verfügt, können sie dort mit der konkreten Auswahl beginnen. Arbeiten Unternehmen nicht mit einem verfügbaren Nutzerpool, gibt es andere Möglichkeiten, um an geeignete Testpersonen zu kommen: Ob Einzel-Anfragen im eigenen Netzwerk oder Anzeigen über soziale Medien.

Jede Methode bietet ihre eigenen Vor- und Nachteile, jedoch sollten Unternehmen im Recruiting-Prozess immer aktiv mit dezentralisierten Abläufen und digitalen Vorgängen „werben“. So steigt die Chance auf eine aktive Teilnahme im Prozess, weil von Anfang an klar ist, dass die Tests stets in der eigenen, bekannten Umgebung stattfinden. Die User wissen so bereits im Vorfeld, dass nur wenig Aufwand auf sie zukommt – und dass man ihre Infektionsängste oder Hemmungen im direkten Kontakt mit anderen Personen ernst nimmt.

Fazit

Usability-Tests sind für Unternehmen ein unabdingbares Mittel, um die Chancen auf Erfolg eines Produktes zu nachhaltig zu steigern. Unter normalen Umständen finden solche Tests innerhalb eines Unternehmens oder in gesonderten UX-Laboren statt. Dort führen Produkt-Teams Interviews und begleiten die Tester durch eine ganze Reihe von Aufgaben.

Durch die Folgen der Covid19-Pandemie muss sich das Produkt-Testing neu aufstellen. Präventive Maßnahmen zum Infektions- und Personenschutz gehen vor. Doch wie gestalten sich moderierte, nicht moderierte User-Tests und das Recruiting im neuen Arbeitsalltag? Entwickler-Unternehmen müssen hierzu remote-zentrierte Helfer-Tools in die Test-Strategie einfließen lassen und alles daransetzen, eine möglichst reale Umgebung für Interviews, Aufgaben und Feedback-Schleifen zu schaffen.

Durch eine dezentrale Ausrichtung steigern sie den Wohlfühlfaktor ihrer Testpersonen, da diese sich in ihrer gewohnten Umgebung aufhalten. Das verbessert die Testergebnisse, da sie sich dort natürlicher verhalten. Remote User Testing minimiert alle Risiken und Ängste in Verbindung mit Covid19 und führt dennoch zu einer validen Produktanalyse: Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

* Indrek Ulst ist Mitgründer von Mooncascade OÜ. Seine Karriere startete er im Jahr 2000 im Alter von erst 15 Jahren als freiberuflicher Webentwickler. Im Laufe der vergangenen Jahre war Indrek innerhalb des Unternehmens in verschiedenen Positionen tätig: CTO, Interim-CEO und nun Technical Sales Engineer. In leitender Position war er maßgeblich an verschiedenen Produktentwicklungsprojekten beteiligt.

Über Mooncascade

Mooncascade wurde im Jahr 2009 von den vier Software-Ingenieuren Ahti Liin, Asko Seeba, Indrek Ulst und Priit Salumaa in Tartu gegründet. Das Unternehmen unterstützt Firmen und Organisationen bei der digitalen Produktentwicklung: Von der Beratung bis hin zu Design- und Softwareentwicklung – ob zu Geschäftszielen, Wiederbelebung bestehender Services oder der Einführung neuer Fintech-Produkte.

Schon während der frühen Anfangsjahre betreute die Firma Fintech-Projekte von namhaften Kunden wie Wise (ehem. TransferWise). Die Esten haben sich ein starkes Partnernetzwerk aufgebaut, zu dem mittlerweile Google Cloud und Amazon AWS gehören.

Heute ist Mooncascade einer der führenden Projektentwickler Europas mit internationalem Kundenstamm und Reichweite. CEO ist seit 2018 Anu Einberg. Das Unternehmen wurde 2016 von der Deutsch-Estnischen Handelskammer in der Kategorie „schnellstes Wachstum“ sowie von der Stadt Tartu als bestes KMU nominiert.

(ID:47643211)