ThoughtWorks Technology Radar November 2018

Quantencomputer, Kubernetes und weitere Makrotrends

| Autor / Redakteur: Mike Mason * / Stephan Augsten

Wie weit sind Quantencomputer wirklich? Dies ist nur eine von vielen Fragen, mit denen sich der ThoughtWorks Technology Radar beschäftigt.
Wie weit sind Quantencomputer wirklich? Dies ist nur eine von vielen Fragen, mit denen sich der ThoughtWorks Technology Radar beschäftigt. (Bild: Mike Mason)

Tools, Techniken, Programmiersprachen und Plattformen: der ThoughtWorks Technology Radar identifiziert zwei Mal im Jahr die wichtigsten Makrotrends. Hier gehen wir nun auf die wichtigsten Entwicklungen in der Welt der Unternehmenstechnologie ein.

Zweimal jährlich stellen wir im ThoughtWorks Technology Radar hunderte einzelner Signale vor, die sogenannten „Blips“. Damit der Leser leichter den Überblick behält, schreiben wir außerdem über eine Handvoll übergreifender Themen.

In meinem Beitrag möchte ich nicht nur die Radarthemen ansprechen, sondern auch breitere Entwicklungen in der heutigen Technologiebranche. Die Artikel über „Makrotrends“ sind nur mit Unterstützung der großen Technologiegemeinschaft bei ThoughtWorks möglich. Daher möchte ich allen danken, die Ideen eingebracht und Entwürfe kommentiert haben.

An der Schwelle zum Quantencomputing

Die Dynamik auf dem Gebiet des Quantencomputings ist weiterhin spürbar. Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiten partnerschaftlich zusammen, tätigen große Investitionen und es entsteht eine Gemeinschaft von Start-ups und Universitäts-Spin-offs.

Mit der Programmiersprache Q# von Microsoft können sich Entwickler in das Quantencomputing einarbeiten und nicht nur Algorithmen auf simulierten Computern laufen lassen, sondern auch Einblicke in echte Cloud-basierte Quantencomputer gewinnen. Das Alternativangebot von IBM heißt IBM Q – und auch hier gibt es Partnerschaften mit Unternehmen, Hochschulen und Start-ups. Auf lokaler Ebene haben wir Hack-Abende zum Thema Quantenrechner veranstaltet, die in der Community sehr großen Anklang fanden.

Quantencomputer sind jedoch noch nicht bereit für die breite Anwendung. Der größte aktuell verfügbare (nicht klassifizierte) Quantencomputer ist klein: Er verfügt gerade einmal über 72 Qubit. Wenn man den Schlagzeilen glauben darf, sind konventionelle Verschlüsselungsmethoden dem Untergang geweiht. Allerdings erfordern 2048-Bit-RSA-Schlüssel einen Quantencomputer mit mindestens 6000 Qubit und moderne Algorithmen wie AES schützen vermutlich besser vor Angriffen von Quantencomputern.

Ein kommerzieller Quantencomputer benötigt schätzungsweise mindestens 100 Qubit. Zudem müssen die Stabilität und die Fehlerbehebung gegenüber dem heutigen Stand verbessert werden. Praktische Anwendungen des Quantencomputings sind noch Gegenstand von Forschungsprojekten, beispielsweise die Modellierung der Eigenschaften komplexer Moleküle in der Chemie. Bis Quantenrechner in Unternehmen zur Mainstream-Technologie werden, ist es wohl noch ein weiter Weg.

Beschleunigter Wandel

Schon oft haben wir beobachtet, dass der technologische Wandel nicht nur schnell, sondern immer schneller erfolgt. Als wir vor zehn Jahren mit dem Technology Radar begannen, blieben die Radarsignale (Blips) standardmäßig in mindestens zwei Radarausgaben (etwa ein Jahr) unverändert verzeichnet und verschwanden dann automatisch wieder.

Entsprechend der Formel in einem unserer Radarthemen – Tempo = Strecke / Zeit – nimmt das Tempo des Wandels im Ökosystem der Softwareentwicklung jedoch zu. Die Zeit ist konstant geblieben (wir erstellen den Radar immer noch zweimal jährlich), allerdings wird bei der technologischen Innovation eine wesentlich weitere Strecke zurückgelegt.

Dies ist ein weiterer Beweis dafür, was dem aufmerksamen Beobachter ohnehin schon klar ist: Das Tempo des technologischen Wandels zieht an. Alle vier Quadranten im Radar verändern sich schneller, während unsere Kunden neue und unterschiedliche Technologien schneller aufgreifen. Da die Technologie mittlerweile in fast alle Bereiche des wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Lebens Einzug gehalten hat, beschleunigt sich der Wandel auch in diesen anderen Bereichen.

Als wichtige Konsequenz bleibt Unternehmen weitaus weniger Zeit, um neue Technologien und Geschäftsmodelle einzuführen. Der Leitgedanke lautet zwar immer noch „Anpassung oder Untergang“, der Druck ist jedoch höher denn je.

Kontinuierliche Modernisierung

Ältere Technologie muss auf Dauer aufgerüstet oder ersetzt werden, das ist nichts Neues. Seit es Computer gibt, ist stets ein neues Modell in Planung oder in greifbarer Nähe. Allerdings gewinnt man den Eindruck, dass der Modernisierungsdruck erheblich zugenommen hat. Unternehmen müssen schnell reagieren, was aber nicht möglich ist, wenn ihre veraltete Technologielandschaft sie ausbremst.

Moderne Unternehmen konkurrieren um die höchste Kundenzufriedenheit. Markenbindung spielt kaum noch eine Rolle, die Schnellsten haben meist die Nase vorn. Alle Unternehmen sind betroffen – sogar die Großen im Silicon Valley und die jungen Start-ups. Denn sobald etwas produziert wird, ist die Technologie auch schon wieder veraltet und kein Gewinn mehr, sondern ein Hemmschuh.

Der Erfolg dieser Unternehmen beruht darauf, ihre Technologien und Plattformen laufend zu modernisieren und zu optimieren. Mein Kollege George Earle und ich haben kürzlich in einer zweiteiligen Serie die Notwendigkeit einer Modernisierung sowie deren Planung dargelegt.

Branche bestätigt frühere bedeutende Entwicklungen

Uns war von Anfang an klar, dass es ohne Container (insbesondere Docker) und Containerplattformen (insbesondere Kubernetes) nicht geht. In einem früheren Radar haben wir Kubernetes zum Sieger und zur modernen, empfehlenswerten Plattform gekürt; die Branche scheint dies nun zu bestätigen.

Diese Radarausgabe enthält eine phänomenale Anzahl Kubernetes-bezogener Radarsignale: Knative, gVisor, Rook, SPIFFE, kube-bench, Jaeger, Pulumi, Heptio Ark und acs-engine, um nur einige zu nennen. All diese Tools unterstützen das Kubernetes-Ökosystem, Konfigurations-Scanning, Sicherheitsprüfungen, Disaster Recovery usw. Sie erleichtern uns den Aufbau zuverlässiger Cluster.

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