Wie Software-Entwickler sich einbringen können

Open-Source-Engagement als Angestellter

| Autor / Redakteur: Tom Hombergs * / Stephan Augsten

Verdingt sich ein Entwickler als Open-Source-Kontributor, kann das auch für seinen Arbeitgeber nützlich sein.
Verdingt sich ein Entwickler als Open-Source-Kontributor, kann das auch für seinen Arbeitgeber nützlich sein. (Bild: Lewis Ngugi - Unsplash.com)

Open Source gehört zum Software-Development-Alltag dazu, fast alle denkbaren Probleme wurden schon einmal gelöst. Dieser Artikel geht auf den Reiz am Open-Source-Engagement ein, wie sich das mit dem Angestelltenverhältnis verträgt und was uns dabei im Wege steht.

Als angestellte Software-Entwickler arbeiten wir üblicherweise an Produkten für unseren Arbeitgeber oder dessen Kunden. Das Produkt beherrscht dabei unseren Alltag. Deadlines sind einzuhalten, Bugs wollen gefixt werden. Workarounds müssen gebaut werden, um fehlende Features in den genutzten Open-Source-Bibliotheken zu umgehen. Oft geht dabei unter, dass ein Beitrag zu den genutzten Open-Source-Projekten uns das Leben viel einfacher machen würde.

Open-Source-Software ist längst zu einer Lebensader in der Softwareindustrie geworden. Ohne sie wären Softwareprojekte heute viel teurer, als sie es sowieso schon sind. Man stelle sich nur vor, dass wir in jedem Projekt von Grund auf wieder anfangen müssten, eine Datenbankabstraktion oder einen Dependency-Injection-Mechanismus selbst zu programmieren. Wir würden aus den „Design-Sprints” oder „Sprints 0” gar nicht mehr herauskommen und keinen Mehrwert entwickeln.

Durch die Verfügbarkeit von Open-Source-Bibliotheken und anderer Open-Source-Software werden Ideen ausgetauscht. Eine Idee befruchtet woanders auf der Welt eine neue Idee, und die nächste Open-Source-Generation ist geboren. Das Ergebnis sind Innovationen, die die Softwareentwicklung maßgeblich beeinflussen.

Aber woher kommt diese Open-Source-Software eigentlich? Wer arbeitet daran? Es gibt viele Software-Entwickler, die in ihrer Freizeit an diesen Projekten arbeiten, weil sie einfach Spaß daran haben, Probleme zu lösen. Es gibt Firmen, die Open Source entwickeln und ihr Geschäft rund um ein Open-Source-Produkt aufstellen. Und es gibt Firmen, die Open-Source-Projekte mit Entwicklerkapazitäten unterstützen, um in der Community präsent zu sein und Einfluss zu nehmen.

Aber wo stehen wir als „einfache” Anwendungsentwickler in diesem Kontext? Wenn wir ehrlich sind, beschränkt sich unser Kontakt zu Open Source doch meist nur darauf, dass wir eine Open-Source-Bibliothek in unser kommerzielles Projekt einbinden und dankbar sind, dass wir es nicht selbst entwickeln müssen. Das muss aber gar nicht so sein. Wir können uns auch beteiligen!

Der Reiz von Open Source

Was macht eigentlich den Reiz aus, sich an der Entwicklung von Open-Source-Projekten zu beteiligen? Insbesondere Personen, für die „Open Source” nicht mehr als ein abstrakter Begriff ist, verstehen oft nicht, warum man Zeit investiert, um Software zu entwickeln, die andere Personen fast ohne Einschränkungen nutzen und verbreiten können. Und das auch noch umsonst!

Der vermutlich häufigste Grund für Open-Source-Engagement ist, dass ein Problem unsere Leidenschaft geweckt hat, es mit Software zu lösen. In diesem Fall sind wir durchaus auch mal bereit, uns in unserer Freizeit damit auseinanderzusetzen.

Es macht darüber hinaus aber auch einfach Spaß, außerhalb der Strukturen und des Drucks eines kommerziellen Projekts Software zu entwickeln. Man lässt sich Zeit für die Dinge, die einem selbst wichtig sind, und kann die eigenen Ideen verwirklichen anstatt die Ideen anderer in Software zu gießen. Diese Leidenschaft führt nicht selten zu besserer Code-Qualität und erhöhter Motivation und Zufriedenheit.

Das „Open” aus „Open Source” ist ein weiterer Reiz für viele Software-Entwickler. Man entwickelt nicht im dunklen Kämmerlein für sich und seinen Arbeitgeber allein, sondern in der Öffentlichkeit. Jeder kann sehen, was man bisher entwickelt hat. Und wenn noch niemand über unser Projekt gestolpert ist, so reicht häufig auch schon das Potenzial aus, dass es jemand finden könnte, um die Motivation hoch zu halten. Früher oder später findet ja letztlich auch jedes Open-Source-Projekt einige Nutzer – und sei es noch so klein.

In eigener Sache

Die Arbeit in der Öffentlichkeit reizt darüber hinaus auch dadurch, dass man sich damit ein Portfolio als Software-Entwickler aufbaut. In einem GitHub-Profil stecken viele Informationen darüber, was ein Entwickler so kann und wofür er sich interessiert.

Nicht umsonst besitzt GitHub auch Elemente einer Social-Media-Plattform. Man kann anderen Entwicklern folgen, seine liebsten Projekte in einem Showcase anzeigen und Sterne für die Projekte anderer vergeben. Auch Recruiter haben mittlerweile gemerkt, dass GitHub mehr als nur ein Spielplatz für Nerds ist und suchen dort fleißig nach Entwicklern für ihre Kunden. Für uns Entwickler ist es dann durchaus reizvoll, sein Profil auf GitHub zur Schau zu stellen.

Nicht jeder Entwickler hat Zeit und Lust, seine Freizeit für Open-Source-Engagement zu opfern. Ein Projekt muss schon unsere Leidenschaft am Entwickeln geweckt haben, damit wir abends noch Code, Dokumentation oder sonstige Beiträge leisten – und selbst dann lässt es nicht jede Lebenssituation zu.

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