Interview mit Justin Vaughan-Brown

NoOps vs. DevOps

| Redakteur: Stephan Augsten

NoOps soll den Menschen durch intelligente Automatisierung weitgehend aus Prozessen heraushalten.
NoOps soll den Menschen durch intelligente Automatisierung weitgehend aus Prozessen heraushalten. (Bild: rawpixel - Pixabay.com / CC0)

Ist NoOps eine Alternative zu DevOps? Oder eher die erfolgreiche Umsetzung der DevOps-Prinzipien? Justin Vaughan-Brown, Director Product Marketing bei AppDynamics erläutert die Vor- und Nachteile der beiden Ansätze.

Dev-Insider: Während die DevOps-Idee gerade erst in vielen Unternehmen zündet, fordern die ersten IT-Spezialisten schon wieder eine Weiterentwicklung hin zu NoOps. Möchten Sie zum Einstieg vielleicht kurz darauf eingehen, wie Sie sich NoOps genau vorstellen?

Justin Vaughan-Brown: Unter NoOps stellen wir uns einem Zustand vor, in dem der IT-Betrieb einen so hohen Automatisierungsgrad erreicht hat, dass kein menschlicher Eingriff mehr nötig ist. Die Bereitstellung von Anwendungen erfolgt dann zum Beispiel im Rahmen von PaaS- und IaaS-Modellen.

Dev-Insider: Was sind Ihrer Meinung nach die Vor- und Nachteile des NoOps-Ansatzes?

Vaughan-Brown: Die Vorteile von NoOps liegen klar auf der Hand: Unternehmen sparen Personal, verringern das Risiko menschlicher Fehler und beschleunigen die Prozesse im IT-Betrieb. Abläufe, für die Systemadministratoren vorher mehrere Stunden Arbeitszeit veranschlagen mussten, erfolgen nun automatisch und in Windeseile. Darin liegt der entscheidende Vorteil.

Der zentrale Nachteil von NoOps ist, dass es sich nur unter sehr spezifischen Bedingungen verwirklichen lässt: NoOps bleibt auf Anwendungen beschränkt, die in bestehende PaaS-Lösungen passen. Ausgenommen ist davon einerseits monolithische Legacy-Software, wie wir sie in vielen Unternehmen finden. Andererseits lässt sich aber auch davon ausgehen, dass in Zukunft immer wieder neue Technologien auftauchen werden, die mit NoOps nicht unter einen Hut zu bringen sind.

Dev-Insider: Wie lassen sich DevOps und NoOps voneinander abgrenzen?

Vaughan-Brown: Wir sehen NoOps nicht als Alternative zu DevOps, sondern mehr als erfolgreiche Umsetzung der DevOps-Prinzipien. Das erste Prinzip von DevOps ist, in Systemen zu denken und den Flow zu verbessern.

Das bedeutet, den Blick nicht mehr auf die Performance einzelner Abteilungen, Teams oder Mitarbeiter zu richten, sondern auf die Gesamtperformance. Und die kann sich nur verbessern, wenn der IT-Betrieb im Software Development Lifecycle nicht länger als Flaschenhals wirkt – NoOps schafft hier Abhilfe. Das zweite Prinzip von DevOps ist kontinuierliches Feedback.

NoOps sorgt dank Automatisierung im Zweifelsfall dafür, dass Software-Fehler genauso schnell ausgeliefert werden wie neue Features. Daher ist ein lückenloser Feedback-Loop gewissermaßen Grundvoraussetzung für NoOps.

Das dritte Prinzip von DevOps ist kontinuierliches Lernen und kontinuierliche Verbesserung. NoOps ist das Ergebnis eines solchen Prozesses, denn es basiert letztlich auf dem erfolgreichen Zusammenspiel neuer Tools, Techniken und Ideen, die das Resultat kontinuierlicher und offener Zusammenarbeit sind.

Es ist außerdem wichtig, die kulturelle Komponente von DevOps nicht zu vergessen. NoOps ist in erster Linie ein technischer Ansatz, bei DevOps geht es hingegen zuvorderst um den Schulterschluss zwischen Entwicklern und IT-Betrieb.

Eigentlich ist das NoOps-Konzept nur das Resultat des DevOps-Ansatzes. Während der Mensch sich auf seine Kreativität konzentriert, um neue Herausforderungen zu meistern, lösen Maschinen wiederkehrende Probleme wie die Konfiguration von Hard- und Software oder das Aufspüren von Bugs.

Vor allem unterscheidet sich der Automatisierungsgrad: Bei DevOps geht es in erster Linie um geskriptete Automatisierung – man muss sich nur die populären Tools ansehen. Im Rahmen von NoOps hingegen soll der Mensch durch intelligente Automatisierung weitgehend aus Prozessen herausgehalten werden. Dennoch verfolgen beide Ansätze ähnliche Ziele, zum Beispiel schnelle Releasezyklen und das Deployment eines Minimum Viable Products, das einem ununterbrochenen Verbesserungsprozess unterliegt.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass mehr und mehr Unternehmen NoOps-Methoden einführen werden, aber eine rasend schnelle Verbreitung ist nicht zu erwarten. Interessant ist NoOps auch nur für Unternehmen, die nicht auf Legacy-Anwendungen und -Umgebungen angewiesen sind und den Fokus nicht auf Sicherheit und Governance setzen müssen. Finanzunternehmen etwa vereinen fast alle diese Einschränkungen. Insgesamt lässt sich sagen: DevOps ist aktuell auf einem höheren Entwicklungsstand und für ein breiteres Publikum relevant.

Dev-Insider: Selbst wenn man NoOps nicht umsetzt, so sieht man ja auch im DevOps-Umfeld eine zunehmende Automatisierung. Macht das DevOps-Experten und den IT-Betrieb nicht auf Dauer auch ein wenig überflüssig? Müssen diese Leute um ihre Jobs bangen?

Vaughan-Brown: Im IT-Betrieb erleben wir gerade eine ähnliche Entwicklung wie in anderen Bereichen der Wirtschaft – Routineaufgaben werden zunehmend von Maschinen übernommen. Das bedeutet aber nicht, dass alle Systemadministratoren demnächst ihren Arbeitsplatz verlieren. Was sich ändern wird, ist ihre Rolle im Unternehmen.

Der IT-Betrieb vollzieht aktuell den Wandel vom Kosten- zum wichtigen Wertschöpfungsfaktor im Unternehmen. Entsprechend erweitert sich das Aufgabenspektrum der Mitarbeiter. Es geht nicht mehr nur darum, im Maschinenraum zu stehen und Kohle in den Kessel zu schaufeln. Stattdessen werden Systemadministratoren immer mehr auch zu Agenten des digitalen Wandels im Unternehmen.

Von ihnen wird erwartet, dass sie die technische Grundlage für digitale Unternehmensprozesse und Geschäftsmodelle bereitstellen. Das erfordert mehr und mehr die Bereitschaft, strategisch und dienstleistungsorientiert zu denken.

Dev-Insider: Glauben Sie angesichts der zunehmenden kognitiven Leistungsfähigkeit von IT-Systemen – Stichworte Machine Learning und Künstliche Intelligenz –, dass die IT- und Development-Branche eine ähnliche Rationalisierungswelle erfassen könnte, wie es in der Industrie der Fall ist?

Vaughan-Brown: Nein. Software-Entwicklung und IT-Betrieb sind trotz ihrer technischen Prägung zwei Bereiche, in denen die Suche nach kreativen Lösungen für Probleme zu den alltäglichen Aufgaben gehört. Diese Kreativleistungen können nur Menschen erbringen. Die genannten Technologien werden deshalb eher eine ergänzende Rolle spielen – etwa beim Testing oder Monitoring.

Dev-Insider: Wie also sehen die Vision und Strategie von AppDynamics aus? An welcher Stelle wollen Sie die Unternehmen langfristig unterstützen?

Vaughan-Brown: Technologie verändert unser aller Leben und stellt uns vor immer komplexere Herausforderungen. Egal ob Airline, Handelsunternehmen oder Behörde – immer weniger Organisationen können diese Komplexität noch selbstständig managen. Hier schafft AppDyanmics Abhilfe: Wir kümmern uns um die technischen Details, damit sich unsere Kunden wieder auf die Bereiche konzentrieren können, in denen ihre Kernkompetenz liegt.

Wie wertvoll diese Arbeit ist, bestätigen uns unsere Kunden immer wieder: „Wir brauchen euch.“ „Wir lieben euer Team.“ „Ihr habt mir mit Dingen geholfen, die ich ohne euch noch nicht einmal als Problem erkannt hätte.“ Dieses phänomenale Feedback stärkt uns im Glauben an unsere Vision – wir wollen mitgestalten, wie die Unternehmen der Zukunft arbeiten.

Mit unserer Technologie sind wir in der Lage, jede einzelne Codezeile einer Anwendung zu analysieren und ihre Auswirkungen auf die Customer Journey und Business Performance zu untersuchen. Aus diesem Grund haben wir eine Perspektive auf den digitalen Wandel in Unternehmen, die außer uns niemand hat.

Justin Vaughan-Brown
Justin Vaughan-Brown (Bild: AppDynamics)

AppDynamics ist nun ein integraler Bestandteil von Ciscos IoT- und Anwendungssparte. Unser Ansatz passt perfekt zur übergreifenden Strategie von Cisco und ergänzt die Einsichten, die Cisco auf Infrastruktur- und Rechenzentrumsebene liefern kann. Mit unseren Lösungen für Instrumentierung, Baseline-Monitoring und Analysen werden wir Ciscos Transformation in ein Software-Unternehmen mit wiederkehrenden Subskriptionserlösen maßgeblich unterstützen.

Als Director Product Marketing ist Justin Vaughan-Brown bei AppDynamics vorranging für die Content-Erstellung rund um das Thema DevOps verantwortlich, da er früher als Lead und Senior DevOps Market Strategist bei CA Technologies tätig war. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Technologie-Marketing und arbeitete für Software AG, Microsoft, BusinessObjects und SAS. Zu seinen Stationen gehören auch hochrangige europäische Marketingrollen bei Datenintegrations-, Sicherheits- und Hochleistungs-Datenbankanbietern. Justin ist Autor mehrerer Strategiepapiere und hat unter anderem auf Konferenzen wie dem Gartner Symposium in Brasilien, Hongkong und Südafrika gesprochen.

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