Digitale Transformation dank Citizen Development Mit Low-Code wider den Fachkräftemangel

Ein Gastbeitrag von Hamiedha Sahebzada *

Ob in der Anwendungsentwicklung oder der Systemintegration: Informatiker sind in Deutschland heiß begehrt und gleichzeitig Mangelware. Wie also lässt sich der Fachkräftemangel in den Griff bekommen?

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Bei einer Low-Code-Strategie gibt es im Idealfall in allen wichtigen Fachabteilungen mindestens einen Citizen Developer.
Bei einer Low-Code-Strategie gibt es im Idealfall in allen wichtigen Fachabteilungen mindestens einen Citizen Developer.
(© Andrea Danti - stock.adobe.com)

Die Businesswelt läuft immer mehr über Apps. Unternehmen nutzen dabei vermehrt nicht nur vorgefertigte Software, sondern passen Anwendungen an ihre Bedürfnisse an oder kreieren individuelle Anwendungen für spezifische Zwecke. Das ist zeit- und kostenintensiv und erfordert IT-Fachkräfte mit dem passenden Know-how und zeitlichen Kapazitäten.

Der Fachkräftemangel hat jedoch auch die IT-Branche fest im Griff: 2021 blieben laut einer Bitkom-Studie ganze 96.000 Stellen unbesetzt. Und professionelle Code-Experten bleiben auch in den nächsten Jahren eine Rarität, prognostiziert der Bitkom Verband. Unternehmen, die sich digital aufstellen wollen und eigene Apps entwickeln, brauchen also andere Lösungen – das Gebot der Stunde lautet Low-Code.

Programmieren ohne Python, Java oder C#

Low-Code-Plattformen sind für professionelle als auch ungeschulte Entwickler – sogenannte Citizen Developer – konzipiert. Letztere benötigen kaum Erfahrung oder Know-how, denn die Plattformen bieten visuell-basierte Module und automatische Code-Generierung. Dadurch können Anwender schnell und einfach eine App entwickeln, um alltägliche Prozesse darzustellen, zu optimieren und zu automatisieren. Dafür ist nur ein Minimum oder gar kein manuelles Kodieren vonnöten.

Mitarbeiter mit Programmiererfahrung und richtige Pro-Coder können wiederum auch auf Low-Code-Plattformen bei Bedarf „von Hand“ entwickeln und so komplexere Anwendungen erstellen oder an den Schnittstellen kodieren. Das Schöne daran: Low-Code ist für alle da. Mitarbeiter aus allen Abteilungen – von HR bis zum Vertrieb – können Anwendungen erstellen, ohne eine Zeile Code zu schreiben oder sogar jemals etwas von Python, Java oder C# gehört zu haben.

IT-Spezialisten können wiederum auf der Basis von Low-Code schneller, komplexe Anwendungen erstellen. Dabei erschaffen sie auch neue Synergien innerhalb des Unternehmens. Außerdem obliegt der IT-Abteilung die Verwaltung der App-Entwicklung und das Thema Governance. Fortschrittliche Low-Code-Plattformen mit einer zentralen Management-Konsole unterstützen an dieser Stelle.

Innerhalb des Systems sollte einem Durcheinander von Custom-Apps mit entsprechenden Idee-Formularen entgegengewirkt und die Rollenzuweisung vorgenommen werden. Die IT-Abteilung kann beispielsweise bestimmen, welche Benutzer Anwendungen entwickeln oder bereitstellen dürfen, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen und welche Entwickler zusammenarbeiten.

Mit weniger mehr erreichen

Ein weiterer Vorteil: Je mehr Anwendungen durch Pro-Coder optimiert worden sind, desto mehr Möglichkeiten stehen Citizen Developern zur Verfügung, da die Basis schon vorhanden ist. Low-Code stellt demnach den Übergangsbereich zwischen Pro-Code und No-Code – also die Programmierung ganz ohne Code – dar. In diesem Übergangsbereich können Kollegen ohne Code-Erfahrung komplexere Anwendungserstellung in Zusammenarbeit mit sachkundigen Entwicklern durchführen.

Von Low-Code profitieren alle beteiligten Akteure: Die Software-Entwicklung kann dank Low-Code von Citizen Developern in einem Bruchteil der Zeit ablaufen, denn die Plattformen bieten auf Grund der angebotenen Standardmodule und dem Wegfall von aufwendigem Kodieren eine einfache, schnelle und intuitive Handhabung.

Die vorhandenen IT-Fachkräfte können ihre Kapazitäten anderweitig einsetzen und der Bedarf an professionellen Programmierern, die auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden sind, sinkt. Kurz gesagt: Mit Low-Code können weniger Mitarbeiter mehr erreichen. Unternehmen verzeichnen dadurch erhebliche Kosteneinsparungen. Die jeweiligen Fachbereiche außerhalb der IT erhalten wiederum die Lösung, die zu ihren Workflows und Bedürfnissen passt, da bestenfalls jemand aus der eigenen Abteilung als Citizen Developer beteiligt ist.

Prozesse lassen sich so sehr schnell optimieren und digital umsetzen. Und immer mehr Unternehmen springen auf den Trend auf: Gartner nimmt an, dass bis 2024 vier Fünftel der Technologieprodukte weltweit von Citizen Developern außerhalb der IT-Abteilung erstellt werden.

Damit das erfolgreich gelingt, sollten Low-Code-Plattformen folgende Funktionen bieten:

  • Ein mobiles Nutzererlebnis: Low-Code-Plattformen, die für mobile Geräte konzipiert sind, bieten eine bessere Benutzererfahrung, da Probleme bei der Verkleinerung von Design und Funktionalität nicht anfallen und viele Nutzer sich intuitiv auf mobilen Geräten auskennen.
  • Development Tools: Eine vollständige Sammlung an App-Entwicklungstools hilft dabei leistungsstarke Apps in kürzester Zeit und in großem Umfang zu erstellen. Je größer die Tool-Suite, desto mehr Möglichkeiten.
  • Integrierte Anwendungen: Es sollte auch schon vorgefertigte Integrationen für gängige Geschäftsanwendungen geben, um die Plattform einfach mit jedem System und allen Daten verbinden zu können.
  • Integrierte Benachrichtigungsdienste: Diese stellen sicher, dass alle wichtigen Ereignisse den verantwortlichen Personen bekannt sind, damit sie entsprechend reagieren können.
  • Intelligente Orchestrierung: Fortschrittliche Low-Code-Plattformen können durch eingebaute KI und einer intelligenten Orchestrierung Probleme vorhersagen, bevor sie entstehen, und die Entscheidungsfindung erleichtern.
  • Security: Geschäftsanwendungen können potenziell sensible Daten enthalten – sowohl vom Unternehmen als auch persönliche. Sicherheit ist daher ein entscheidender Faktor. Automatische Code-Scans können standardmäßig vordefinierte Sicherheitsstandards garantieren. Das reduziert Risiken in Bezug auf Daten, betriebliche Auswirkungen, Geschäftskontinuität, Betriebsleistung und mehr. Besonders wichtig ist auch, dass Applikationen im Default-Modus nur auf ihre eigenen Daten zugreifen können.

Die erfolgreiche Erweiterung der IT-Abteilung

Unternehmen können interessierte Mitarbeiter durch Schulungen und Trainings relativ schnell zu Citizen Developern ausbilden. Nötig ist ein gesundes Level an Technikbegeisterung und Interesse daran Workflows digital umzusetzen. Ziel ist es, dass die Mitarbeiter nicht nur an der Erstentwicklung der App, sondern auch bei der Wartung und Weiterentwicklung federführend involviert sind. Sie sollten das Projekt von Anfang an begleiten und Experte für die jeweilige Anwendung sein.

Der erste Schritt hin zu Citizen Development ist die Identifizierung der Mitarbeiter, die diese Rolle in ihren jeweiligen Fachabteilung ausfüllen sollen. Ein Interesse für die Thematik und grundlegendes IT-Verständnis sind die einzige Voraussetzung. Führungskräften kommt die Aufgabe zu, diesen Mitarbeitern die Wichtigkeit der neuen Skills darzulegen und sie zu ermutigen, von Anfang an eine enge Beziehung zur IT aufzubauen. Dadurch werden Hürden und Vorurteile abgebaut.

Der nächste Schritt ist die Weiterbildung. Low-Code-Schulungsprogramme und Workbooks sollten zum festen Bestandteil jedes größeren Unternehmens gehören und werden von internen oder externen Experten durchgeführt. Einige Plattformen bieten diesen Service auch direkt mit an. Potenzielle Citizen Developer lernen in den Workshops die nötigen Skills und vor allem die Logik hinter Low-Code.

Nach der Schulung steht die tatsächliche Anwendung und Umsetzung in den Fachabteilungen im Vordergrund. Das theoretische Wissen können die ausgebildeten Citizen Developer jetzt in der Praxis umsetzen. Vor allem in Hinblick auf die tausenden Prozesse in den verschiedenen Bereichen ist das Potenzial für Optimierung und Automatisierung durch Apps grenzenlos.

Die Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung ist entscheidend für den Erfolg der Citizen Developer. Essenziell ist eine gute und transparente Kommunikation zwischen beiden Parteien, um Schatten-IT zu verhindern und eine optimale Entwicklung zu gewährleisten. Voraussetzung dafür ist eine Plattform, über die alle Fachbereiche gemeinsam an einer Lösung arbeiten können.

Im Idealfall gibt es nämlich in allen wichtigen Fachabteilungen mindestens einen Citizen Developer. Die Entwicklung geschieht so nicht „an einem Rechner“, sondern ist von allen einsehbar und die IT kann zu jedem Zeitpunkt mit in das Projekt einsteigen. Der Austausch über Herausforderungen oder komplexen Fragen kann während der Entwicklung schnell vonstattengehen.

Hamiedha Sahebzada
Hamiedha Sahebzada
(Bild: ServiceNow)

Die IT-Abteilung hat dabei die Aufgabe, die Anwendungen von Citizen Developern auf Funktionalität, Sicherheit und Governance zu überprüfen und bei Bedarf zu erweitern. Die erfahrenen IT-Spezialisten stellen auch die Richtlinien auf, um Unternehmensressourcen und -daten zu schützen und einen Supportplan zu haben. Die Citizen Developer liefern die Anforderungen an die Anwendung und das Konzept, das ihren Zwecken dient. Gelingt die Zusammenarbeit, profitieren alle von den geschaffenen Synergien und dem hervorragenden Anwendungsergebnis.

* Hamiedha Sahebzada ist als Sales Director bei ServiceNow tätig und verantwortet dort die Creator Workflow-Geschäftsunit für die EMEA Central Region. In ihrer Rolle hilft sie Kunden dabei, Geschäftsprozesse in leistungsstarke digitale Workflows zu verwandeln und intuitive Erlebnisse für ihre Mitarbeiter zu schaffen.

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