Jäger der verlorenen Schätze Mit Blockchain gegen Produktpiraterie

Die Verbreitung gefälschter Produkte und digitaler Inhalte verursacht jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Betroffen sind Markenware, Komponenten in sicherheitskritischen Anlagen und Medien gleichermaßen. Wie können Blockchains davor schützen?

Blockchain-Technologien gewährleisten auf mehreren Wegen den Schutz des geistigen Eigentums.
Blockchain-Technologien gewährleisten auf mehreren Wegen den Schutz des geistigen Eigentums.
(Bild: Gerd Altmann (geralt) / Pixabay)

Die Bedrohungen durch die Produktpiraterie ist eine große Herausforderung für alle Marken- und auch Luxusgüterhersteller sowie vor allem auch den Maschinen- und Anlagenbau. Doch wie ist es möglich, den weltweit agierenden Fälschern Einhalt zu gebieten?

Hierzu bieten sich unter anderem die Vorteile der Blockchain mit ihrer Distributed-Ledger-Technologie (DLT) als ideales Instrument zur Bekämpfung der Produktpiraterie an. Denn sie sorgt für die nötige Transparenz und Datensicherheit, um das Online-Geschäft sowie komplette Lieferketten sicherer zu machen. Mittels einer Blockchain lässt sich beispielsweise der Weg einer Ware lückenlos nachverfolgen.

Transparenz durch Content-Monitoring

Eine Möglichkeit, wie die Blockchain für mehr Transparenz sorgen und Piraterie verhindern kann, ist das Monitoring digitaler Inhalte. Der Blockchain-Streaming-Dienst Vevue entwickelte zu diesem Zweck eine Plattform-Technologie, die den Lebenszyklus von Medieninhalten überwachen soll.

Diese Plattform ist dazu in der Lage, den Eigentümer eines Geräts/Systems zu identifizieren, auf dem der Content zuletzt abgespielt wurde, sowie insbesondere die Nutzer, die Medien illegal kopieren. Wobei die Blockchain den Content nicht selbst verfolgt, sondern es nur ermöglicht, die Überwachungsdaten effizient zu speichern und zu teilen. Oder anders gewendet: Die Blockchain liefert die Aufzeichnung, die das Team von Vevue nutzen kann, um Nachverfolgungsaktionen proprietärer Technologie zu unterstützen.

Was passiert beim Blockchain-basierten Video-Streaming?

Mithilfe der Blockchain ist es möglich, die Eigentumsfrage sehr einfach auf Protokollebene anzugehen. Die Technik hilft den Erstellern und den Usern dabei, ihre Videos zu verschlüsseln und diese dauerhaft mit dem IPFS-Schwarm (InterPlanetary File System) zu speichern. Die Blockchain überträgt den Video-Content autonom durch verschiedene Relaisknoten und IPFS, wodurch die Transparenz und Integrität des Eigentums auf dezentrale Weise gewahrt bleibt.

Die Blockchain behält auch das Eigentum an den Video-Streamern in Form von Non-Fungible Token (NFTs). User, die ihre Videoinhalte ausstrahlen, haben auch die Möglichkeit, sie auf den Marktplätzen im Austausch gegen Kryptowährungen zu handeln. Sie sichern zudem ihr Eigentum an Video-Content, indem sie ihre Inhalte auf der Plattform tokenisieren. Um Eingriffe Dritter bei den Einnahmen zu vermeiden, helfen Smart Contracts, eine unabhängige Beziehung zwischen Ersteller und User herzustellen. Es eliminiert die Vermittlungskosten und sorgt automatisch für Lizenzsicherheit.

Über die Blockchain-Technologie können User und Ersteller zudem online Mikrozahlungen tätigen, ohne dass Transaktionskosten oder Servicegebühren anfallen. Der User kann dafür eine Wallet nutzen, um seine monatlichen Ausgaben zu monetarisieren, indem er einen Blockchain-fähigen Browser verwendet. Der Browser kann dann Lizenzinformationen von der öffentlichen Blockchain erhalten und die hochgeladenen Medien unter Verwendung von Content-IDs prüfen.

Blockchain unterstützt Kopfgeldjagd

Die Blockchain-Technologie kann auch den Prozess einer digitalen Wasserzeichen-Markierung unterstützen, einem Prozess, der etwas an eine „Kopfgeldjagd“ erinnert. Das südafrikanische Unternehmen CustosTech hält für die Entwicklung einer proprietären Technologie für digitale Wasserzeichen eine Bitcoin-Blockchain im Einsatz. Wobei die Technologie die Einbettung einer monetären Belohnung ermöglicht.

Diese Wasserzeichen sind darin so integriert, dass sie für den Empfänger von Content nicht wahrnehmbar und nicht entfernbar sind. Wenn eine Datei raubkopiert wurde, kann CustosTech das Wasserzeichen für diese Datei analysieren, um festzustellen, wer der rechtmäßige Empfänger der Datei war. Die Tatsache, dass dabei auch eine monetäre Belohnung verschlüsselt werden kann, könnte als Anreiz für diejenigen außerhalb des Medienraums dienen, bei der Suche nach Raubkopien mitzuhelfen. Somit steht das Kopfgeldjagd-Programm von CustosTech jedem zur Verfügung. Durch das Aufspüren von Raubkopien können sich „Jäger“ Belohnungen in BTC verdienen.

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Die Idee, User mit Kryptowährung für ihre Unterstützung bei der Bekämpfung von Piraterie zu belohnen, wurde auch von RAWG, einer geräteübergreifenden Plattform zur Entdeckung von Spielen, übernommen. Das Unternehmen strebt dabei die Schaffung eines Blockchain-Systems an, das Videospieler mit Kryptowährungstoken für Erfolge belohnt, die sie im Spiel selbst erzielen. Wobei sie diese nur mit nicht raubkopierten Spielen und auf offiziellen Plattformen synchronisieren können. In diesem Sinne bietet RAWG keine Belohnung für eine „Kopfgeldjagd“, sondern vielmehr einen Anreiz für Spieler, Piraterie selbst zu vermeiden.

Blockchain in den Lieferketten

Die Blockchain-Technologie ist ebenso ein sinnvoller Ansatz zur Bekämpfung der Produktpiraterie in den Lieferketten. Oftmals sehen gefälschte Produkte und Bauteile wie ihre Originale aus. Allerdings reichen Qualität und Lebensdauer häufig nicht an ihre Vorbilder heran. Daher ist es wesentlich zu wissen, ob es sich tatsächlich um ein Original oder ein gefälschtes Produkt handelt. Im Schadensfall drohen Regressforderungen!

Für den Einsatz einer Blockchain, um Originale kenntlich zu machen, müssen die Transaktionsdaten für einen bestimmten Artikel wie beispielsweise Herstellungsort, Lieferdatum sowie Bewegungen entlang der Lieferkette in einer Blockchain gespeichert werden, wo sie nicht mehr veränderlich bzw. manipulierbar sind.

Dadurch wird es für Produktpiraten schier unmöglich, ihre gefälschten Produkte und Raubkopien in die Lieferkette als auch in die klassischen Übergabepunkte einzuführen. Die Blockchain bietet auf diese Weise eine Möglichkeit, zu gewährleisten, dass alle Schritte des Prozesses gemäß den Spezifikationen durchgeführt wurden. Ferner ordnet sie dem physischen Gut ein digitales Token zu, das es unmöglich macht, es zu klonen.

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