Interview mit Sidney Rabsatt von NGINX

Microservices können Abhängigkeiten zwischen Teams beseitigen

| Redakteur: Stephan Augsten

Sidney Rabsatt: „Ein Großteil von DevOps dient dazu, das Risiko von menschlichen Fehlern zu reduzieren.“
Sidney Rabsatt: „Ein Großteil von DevOps dient dazu, das Risiko von menschlichen Fehlern zu reduzieren.“ (Bild: NGINX / geralt - Pixabay.com)

Automatisierung ist entscheidend für den Erfolg von DevOps, wie Sidney Rabsatt von NGINX kürzlich in einem Gastbeitrag bei Dev-Insider betonte. Wir haben den Experten zu wichtigen Aspekten wie Microservice-Architekturen und DevOps-Strategien befragt.

Dev-Insider: Herr Rabsatt, im Zuge Ihrer Arbeit bei NGINX sehen Sie viele Unternehmen, die ihre Legacy IT und damit auch die Altanwendungen modernisieren wollen. Für Unternehmen welcher Größe und welcher Branche ist dieser Denkansatz wirklich geeignet, welche Organisation sollte vielleicht besser verzichten?

Sidney Rabsatt: Das Hauptkriterium für die Modernisierung sind die jeweiligen Bedürfnisse eines Unternehmens, die sich dann auf die Anforderungen in Bezug auf die Applikation auswirken. Wir sehen Unternehmen jeder Art und Größe, die an der Modernisierung arbeiten, weil ihre Kunden es so fordern (da sie sonst ihre Marktanteile verlieren könnten). Am deutlichsten erleben wir es im B2C-Bereich wie bei Einzelhandel, Banken, Reisen und ähnlichen , aber auch im B2B-Bereich, also da, wo sich Unternehmen darauf fokussieren, ihren Kunden einen höheren Mehrwert zu bieten.

Die beste Herangehensweise dieser Unternehmen an die Modernisierung ist, herauszufinden, was sie konkret tun können, um die Bedürfnisse ihrer Kunden besser zu bedienen. Ist es nicht besser zu skalieren, um die Anforderungen zu erfüllen? Gibt es bessere Möglichkeiten, um Nutzer zu begeistern oder die Kaufabwicklung der Kunden zu vereinfachen? Was ist sonst noch zu bedenken? Ist das alles erst einmal geklärt, lassen sich spezifische Modernisierungsprojekte leichter erstellen und priorisieren.

Dev-Insider: Nun dürfte sich auch nicht jede Applikation dafür eignen, in Microservices aufgesplittet zu werden. Gibt es allgemein gültige Anhaltspunkte dafür, wann ein Umschwung auf Microservice-Architektur wirklich lohnt?

Rabsatt: Paradoxerweise stellen die Komplexität der Applikation und die Anzahl der beteiligten Teams die besten Anhaltspunkte dar. Wenn Unternehmen feststellen, dass die Synchronisierung der Aktivitäten und die Einsatzbereitschaft in mehreren Teams zu langsam wird, dann können Microservices eine Lösung sein.

Einer der Vorteile von Microservices-Mustern besteht darin, dass sie viele Abhängigkeiten zwischen den Teams beseitigen können. Zudem ermöglichen sie jedem Teil der Applikation, sich im von dem Unternehmen geforderten Tempo zu entwickeln. Ich halte es für paradox, weil die Komplexität nicht verschwindet, sie verlagert sich innerhalb der monolithischen Applikation und ihrer internen Prozesse zu einer dezentralen Komplexität und stellt mehr Oberfläche für die Koordination und Bedienung bereit.

Dev-Insider: Ist damit Ihrer Ansicht nach grundsätzlich auch Änderung an der Firmenkultur, sprich mehr Agilität in der Entwicklung und das Etablieren der DevOps-Idee verbunden?

Rabsatt: Ja. Ich glaube, DevOps ist aufgrund der bereits oben erwähnten betrieblichen Anforderungen entstanden. Es handelte sich um eine Antwort der Ingenieure auf das Bereitstellungsmodell, das flexibler, responsiver, etc. sein musste.

Ebenso sind Microservices die logische Engineering- und Organisationslösung für die Erstellung einer Applikation, die den Anforderungen des Unternehmens entspricht. In gewisser Weise sind es zwei Seiten einer Medaille. Ein moderner Ansatz sowohl für die Erstellung als auch für die Bereitstellung von Applikationen.

Dev-Insider: In Ihrem Gastbeitrag auf Dev-Insider schreiben Sie über drei grundlegende Ansätze: DevOps Lite, Ops-gerichtetes und Dev-orientiertes DevOps. Sollten Unternehmen von der Pike auf immer bei DevOps Lite beginnen?

Rabsatt: Nicht unbedingt. Wir sehen, dass viele Unternehmen, die den Druck zur Modernisierung spüren, bereits in ihre Applikationen und Mitarbeiter investiert haben. Oft stellen sie fest, dass es bereits qualifizierte Mitarbeiter gibt, die über die Fähigkeiten und den Wunsch verfügen, den Übergang zu DevOps vollständig zu vollziehen.

Die DevOps-Lite-Variante ist vor allem dann sinnvoll, wenn im Zweifelsfall die Möglichkeit besteht, den Prozess rückgängig zu machen, wenn Microservices als ein ungeeignetes Zielsystem erscheint oder wenn eine langfristige Investition in den Ausbau der für den Erfolg benötigten Qualifikationen erforderlich ist.

Dev-Insider: Unter welchen Umständen ist es dann wirklich sinnvoll, bereits vorausschauend einen spezialisierteren Ansatz mit all seinen Vorteilen und Fallstricken zu wählen?

Rabsatt: Dieser Ansatz ist am besten für neue strategische Applikationen geeignet, die diese modernen Kriterien erfordern. Darüber hinaus muss die Applikation wirkungsvoll genug sein, um die Kosten dieser Unternehmensstruktur zu decken.

Dev-Insider: Wie trägt ein Unternehmen die DevOps-Idee und -Kultur am besten ins Unternehmen hinein? Wie holt es möglichst viele Mitarbeiter auf einmal mit ins Boot?

Rabsatt: Dies gelingt, indem das Unternehmen das „Warum“ erklärt und für die aktuelle Unternehmensstruktur relevant macht. Man sollte die Einführung nicht damit begründen, dass alle anderen es auch so tun, sondern sicherstellen, dass jeder weiß, wie dieser Kulturwandel zu besseren Produkten und zufriedeneren Kunden führt. Zudem helfen konkrete Beispiele, um aufzuzeigen, wie das Unternehmen gewinnt, wenn es in der Lage ist, die Anforderungen zu erfüllen, die DevOps ermöglicht.

Dev-Insider: Für viele DevOps-Spezialisten ist ein Mehr an Automatisierung das A und O, um für effizientere Prozesse zu sorgen. Wo im Development-Prozess ist dies am wichtigsten, an welcher Stelle kann ich möglicherweise auch mit Handarbeit noch viel herausholen?

Rabsatt: Ein Großteil von DevOps dient dazu, das Risiko von menschlichen Fehlern zu reduzieren. Die Automatisierung ist ideal, um wiederkehrende und fehleranfällige Aufgaben zu vermeiden. Kluge Köpfe müssen die Automatisierung jedoch weiterhin bewerten und gestalten.

Sidney Rabsatt
Sidney Rabsatt (Bild: NGINX)

Diese Menschen müssen die Leistungsfähigkeit der Automatisierung ständig prüfen und Lösungen finden, um sie zu optimieren und weiterzuentwickeln. Wenn neue Wege eingeschlagen werden, sind nach wie vor kluge Köpfe gefragt, um sicherzustellen, dass die Prozesse wie erwartet funktionieren und die Automatisierung darauf auszurichten, wie sie mit diesem neuen Gebiet umgehen soll.

* Sidney Rabsatt ist Vizepräsident Produktmanagement bei NGINX.

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