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Low-Code-Entwicklung Mehr Leistung, weniger Overhead

Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Die Idee der Low-Code-Entwicklung ist ebenso simpel wie effizient: Die Arbeit mit Code soll möglichst vermieden werden. Stattdessen kann nach dem Baukasten-Prinzip entwickelt werden. Wir beleuchten die Vor- und Nachteile dieser Technik.

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Auch erfahrene Entwickler können von Low-Code-Entwicklung profitieren, indem sie komplexe Anwendungen nach dem Baukasten-Prinzip schaffen.
Auch erfahrene Entwickler können von Low-Code-Entwicklung profitieren, indem sie komplexe Anwendungen nach dem Baukasten-Prinzip schaffen.
(© VAlex - stock.adobe.com)

Anwendungsentwicklung ohne viel Coding, und das nach dem Baukasten-Prinzip – das klingt nach einer tollen Angelegenheit. Schon weil die sogenannte Low-Code-Entwicklung im Idealfall auch Entwickler ohne große Programmierkenntnisse zum Zuge kommen lässt.

Das kann bei Unternehmen jeder Größe zahlreiche Vorteile bringen: Einerseits können einfache Applikationen und Tools schnell auch durch weniger versierte Mitarbeiter entwickelt werden, was Zeit und Kosten spart. Andererseits können erfahrene Entwickler auch von der Low-Code-Entwicklung profitieren, indem sie komplexe Anwendungen schaffen, ohne sich mit dem harten Coding befassen zu müssen.

Software nach dem Klik-&-Play-Prinzip

Die Idee hinter der Low-Code-Entwicklung ist nicht neu: Als Ende der 1990er Jahre das Internet groß wurde, gab es zahllose Anbieter von Web-Editoren, die die Anwender nicht oder möglichst wenig mit HTML-, CSS- und Java-Code belasten wollten. Die sogenannten WYSIWYG-Editoren erlaubten das Zusammenstellen einer Website per Mausklick, die darunterliegende Code-Schicht wurde automatisch vom Programm generiert.

Die Idee hinter Low-Code geht ebenfalls auf diese Zeit zurück, damals versuchte man sich im Rapid-Application-Development, kurz RAD, bei dem bereits Software-Baukästen nach dem WYSIWYG-Prinzip für die Prototypen-Entwicklung verwendet wurden. Interessanterweise hat Low-Code vor allem im Endanwender-Bereich einige Wellen geschlagen.

Spiele-Baukästen wie „Klik & Play“, „Multimedia Fusion“ oder Nintendos „Super Mario Maker“ sind seit Jahrzehnten zuverlässige Verkaufsschlager, eben weil sie Anwendern erlauben, Spiele nach eigenem Gusto zu programmieren, ohne sich mit Code befassen zu müssen. Algorithmenbasierte Lösungen wie Apples Automator für Mac und Workflows für iOS-Geräte oder die Web-Plattform „If This Then That“ (ITTT) sowie Actions für Windows-Systeme und vergleichbare Lösungen sind ebenfalls bei vielen Anwendern beliebt.

Low-Code-Entwicklung im Unternehmen

Inzwischen wurden diese WYSIWYG-Editoren zwar von Content-Management-Systemen wie Typo3 weitestgehend abgelöst, allerdings sind diese streng genommen auch Low-Code-Systeme. Spiele-Baukästen sind sicher nichts, was Unternehmen – außer vielleicht in Schulungen – benötigen.

Doch Low-Code-Entwicklung ist natürlich auch und gerade in Unternehmen ein Thema. Dabei spielt es keine Rolle, welche Größe das Unternehmen hat oder ob die Anwendung als interne Applikation verwendet oder als Produkt verkauft werden soll. Zu diesem Zweck gibt es zahlreiche Low-Code-Plattformen wie Mendix, Google AppMaker oder Skyve, die eine schnelle Applikations-Entwicklung nach dem Low-Code-Prinzip ermöglichen.

Die Plattformen bieten voll integrierte Umgebungen für die Softwareentwicklung, sprich: Neben der eigentlichen „Programmierung“ decken sie je nach Anbieter einen Großteil oder sogar den vollständigen Entwicklungsprozess ab, darunter das Testing, das Design, die Skalierung, Continuous Integration, Produktion und nicht zuletzt das Life-Cycle-Management – eben alles, was es für die Software-Entwicklung braucht.

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Low-Code-EntwicklungLow-Code-Entwicklung ist nicht neu, doch die Zahl der Plattformen steigt rapide. Doch was zeichnet die Idee hinter dieser Entwicklungsphilosophie aus? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code? Unser eBook erklärt es Ihnen.(PDF | ET 12.11.2019)


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Plattformen als Service

Damit das möglichst rund läuft, ist Low-Code-Entwicklung in aller Regel mit einem Anbieter verknüpft, der die notwendigen Tools der Entwicklungsumgebung zur Verfügung stellt. Eigene Lösungen sind natürlich möglich, aber ausgesprochen aufwändig und verlangen natürlich zunächst die klassische Entwicklung eben dieser Plattform. Das dürfte, wenn die Low-Code-Plattform nicht selbst als Produkt verkauft wird, in den meisten Unternehmen den Rahmen sprengen.

Genau diese Lücke schließen die Low-Code-Anbieter: Mit relativ geringem finanziellen Aufwand können Unternehmen die vorhandenen Plattformen nutzen und in ihre Prozesse einbinden. Gleichzeitig sorgen APIs und andere Schnittstellen dafür, dass die fertiggestellte Software keine Sackgasse darstellt. Je nach Anbieter werden mehr oder weniger externe Dienste unterstützt – hier gilt es, vorab zu prüfen, welche der vorhandenen Low-Code-Plattformen für die Ansprüche des eigenen Unternehmens am besten geeignet ist.

Entwickler und Business gehen Hand in Hand

Insgesamt haben diese Low-Code-Plattformen aber immer den Vorteil, dass, anders als bei der klassischen Anwendungsentwicklung, alle Schritte der Software-Entwicklung in einem Tool integriert sind. Dazu verwenden Low-Code-Plattformen üblicherweise vier Schichten, die die Entwicklung möglichst effizient gestalten sollen:

  • Die sogenannte Präsentationsschicht beinhaltet Editoren für die Gestaltung des User-Interfaces. So können Entwickler sich einfach und effizient mit anderen Abteilungen und Fachbereichen über die Optik und Funktionsweise einer Applikation abstimmen. Änderungen können dank User-Management und Versionierung schnell und einfach eingepflegt werden.
  • Die Logikschicht ermöglicht mit visuellen Elementen das Zusammenbauen von Algorithmen mittels standardisierter Business-Process-Model-and-Notation (BPMN) und Unified-Modeling-Language (UML). Dadurch können geschäftliche Abläufe einfach hinterlegt werden.
  • Die Datenschicht beinhaltet die notwendigen Verknüpfungen mit Daten, die bei der Nutzung der Anwendung generiert oder eingepflegt werden müssen.
  • Und zuletzt Basisdienste, die die eigentliche „Logik“ der Applikation enthalten, also etwa Benutzermanagement, Logins, eine Entwicklungsumgebung oder Version-Tracking samt Dokumentation.

Durch diese vier Ebenen wird sichergestellt, dass alles innerhalb der Low-Code-Plattform geschieht, von der Entwicklung über das UI-Design bis hin zur allgemeinen Funktionalität der App inklusive der Möglichkeit, Code auch manuell anzupassen. Auf diese Weise sind auch im Low-Code-Development alle notwendigen Schritte der Softwareentwicklung abgedeckt.

Low-Code ist nicht für jeden geeignet

Allerdings ist Low-Code-Entwicklung nicht für jeden geeignet: Gerade Unternehmen, die selber Software vermarkten möchten, sollten besser auf klassische Entwicklungsmethoden zurückgreifen. Auch gibt es durchaus Anwendungsbereiche, in denen die Low-Code-Entwicklung nicht greift, etwa dort, wo nah an der Hardware programmiert werden muss. Zudem sind Low-Code-Plattformen immer dann ungeeignet, wenn besonders spezielle Lösungen entwickelt werden müssen.

An dieser Stelle muss leider auch das Beispiel der WYSIWYG-Editoren oder Spiele-Klickboxen herhalten: Zwar lassen sich damit auch von interessierten Laien interessante Projekte erstellen, doch „echte“ Programmierer dürften beim ein oder anderen Projekt die Nase rümpfen. Sei es, weil der Code unnötig aufgebläht wird, sei es, weil es hier und dort an schönen Lösungen mangelt. Genau deshalb hat die Low-Code-Entwicklung auch eine spezielle Nische, die den klassischen Codierer künftig nicht arbeitslos machen dürfte; es gibt eben viele Bereiche, in denen Low-Code keine Alternative darstellt.

Dieser Artikel ist ein Exzerpt aus unserem eBook zur „Low-Code-Entwicklung“, das in Zusammenarbeit mit dem Low-Code-Anbieter Simplifier entstanden ist. Darin geben wir einen Überblick über drei besonders wichtige Aspekte der Low-Code-Entwicklung.

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Über den Autor

 Christian Rentrop

Christian Rentrop

IT-Fachautor