Alternativen zu Google Analytics Matomo und Piwik Pro im Check

Ein Gastbeitrag von Hartmut Deiwick *

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Tracking ohne Google Analytics? Für viele Marketer undenkbar. Doch der ständige Zweifel an der rechtssicheren Nutzung des Tools lässt viele nach Alternativen Ausschau halten. Aber was können Matomo oder Piwik Pro wirklich?

Google Analytics ist zwar mächtig, wirft hinsichtlich des Datenschutzes aber immer wieder neue Fragen auf.
Google Analytics ist zwar mächtig, wirft hinsichtlich des Datenschutzes aber immer wieder neue Fragen auf.
(Bild: StockSnap / Pixabay)

Ohne das kontinuierliche Tracken und Analysieren aller Maßnahmen auf einer Webseite tappen Webseitenbetreiber bei der sinnvollen Optimierung der eigenen Seite im Dunkeln. Ein Webanalyse-Tool bleibt somit für den zielführenden Betrieb einer Webpräsenz unverzichtbar.

Doch die Verunsicherung ist groß, denn der bis dato unangefochtene Marktführer Google Analytics gerät immer wieder in das Visier der Datenschutzbeauftragten aller europäischen Länder. In Frankreich, Österreich und den Niederlanden wurde das Analyse-Tool sogar für unzulässig erklärt.

Um diese Unsicherheiten endgültig zu beseitigen, halten immer mehr Webseitenbetreiber nach datenschutzkonformen Alternativen mit einem gleichwertigen Leistungsumfang wie Google Analytics Ausschau. Matomo und Piwik Pro erfreuen sich seitdem großer Beliebtheit und machen Google Analytics gehörig Konkurrenz. Google reagiert auf diese Entwicklung mit einer überarbeiteten Version Google Analytics 4.

Wird mit dem neuen Google Analytics 4 alles besser?

Fans von Google Analytics hatten viel Hoffnung in die überarbeitete Version des Webanalyse-Tools gesetzt. Und tatsächlich berücksichtigte Google bei der Entwicklung einige Kritikpunkte, wie die Speicherung von personenbezogenen Daten auf Servern in den USA oder die mangelnde Anonymisierung der IP-Adressen.

Doch obwohl Google Analytics nun nicht mehr ausschließlich Cookies verarbeitet und die IP-Adresse automatisch anonymisiert wird, bezweifeln Datenschutzexperten weiterhin, dass Google Analytics dauerhaft DSGVO-konform genutzt werden kann. Webseitenbetreibern, die keine Strafen befürchten wollen, bleibt somit nur der Wechsel zu einem anderen, datenschutzkonformen Webtracking-Tool.

Ein solcher Schritt ist immer mit Unsicherheiten verbunden, schließlich punktete Google Analytics vor allem durch die kostenlose Nutzung und die einfache Handhabung. Inzwischen gibt es aber eine Vielzahl unterschiedlicher Anbieter, die sich bereits im Alltag bewährt haben. Matomo und Piwik Pro gehören dabei zu den bekanntesten Alternativen. Einen Leistungsverlust müssen Webseitenbetreiber dabei nicht befürchten. Im Gegenteil: In einigen Bereichen der Webanalyse übertreffen die Tools sogar Google Analytics.

Matomo und Piwik Pro im Überblick

Das Wichtigste vorab: Beide Tools ermöglichen ein datenschutzkonformes Webtracking und unterscheiden sich in diesem Punkt maßgeblich von Google Analytics.

  • Als OpenSource-Projekt kann Matomo kostenlos genutzt werden, wenn es auf dem eigenen Server installiert ist. Dies hat den Vorteil, dass keine Bestätigung der gesetzten Cookies von Matomo im Consent Layer mehr erforderlich ist. Wird der Hosting-Service von Matomo in Anspruch genommen, sind die Kosten abhängig vom monatlichen Traffic und beginnen bei 19 Euro pro Monat.
  • Piwik Pro ist sowohl in der kostenfreien, aber funktional eingeschränkten Version Piwik Pro Core erhältlich, als auch in der kostenpflichtigen Piwik Pro Analytics Suite Version mit Zugriff auf die vier Module Analytics, Tag Manager, Customer Data Platform und Consent Manager.

Verarbeitung und Speicherung von Daten

Bei Matomo und Piwik Pro liegt die Datenhoheit beim Unternehmen selbst. Dies bedeutet, dass die erhobenen Daten keinem Dritten zugänglich gemacht werden. Bei Matomo werden dazu alle sensiblen Daten auf einem eigenen Server oder der europäischen Cloud-Version gespeichert und können somit ausschließlich vom Webseitenbetreiber genutzt werden. Bei Piwik Pro ist das Hosting abhängig von der Version. Das kostenpflichtige Piwik Pro Enterprise kann lokal in der Unternehmensumgebung gehostet werden. Das kostenlose Piwik Pro wird hingegen nur in der Cloud gehostet und verhindert so den ungewollten Zugriff auf die erhobenen Daten.

Webseitenbetreiber, die Google Analytics nutzen, können den Speicherort der personenbezogenen Daten hingegen nicht beeinflussen. Die gesammelten Daten werden meist außereuropäisch in den USA gespeichert und von Google weiterverarbeitet, um eigene Dienste zu verbessern. Beim Umgang mit Cookies vollzieht Google mit Google Analytics 4 eine Kehrtwende und setzt wie die anderen Anbieter auch auf First Party Cookies. Ein Tracking soll auch ohne Third Party Cookies möglich sein. Das Tracking mit Google Analytics 4 ist dabei nicht mehr auf Sitzungen oder Seitenaufrufe beschränkt, sondern wird auf die Interaktionen während der User Journey ausgeweitet.

Funktionsumfang im Vergleich

Bei den zur Verfügung gestellten Funktionen schneidet Piwik Pro am überzeugendsten ab, denn es beinhaltet als einzige Lösung zusätzlich einen eigenen Consent-Manager. Über ein Analytics- und Tag-Manager-Modul verfügen alle drei Webanalyse-Tools. Grundsätzlich ermöglichen alle drei Anbieter wichtige Analysen des Nutzerverhaltens und der dabei zum Einsatz kommenden Hardware. Bei der Aktualität der zur Verfügung gestellten Daten erzielte Goolge mit Google Analytics 4 eine große Verbesserung. Kam es mit der älteren Version zu Zeitverzögerungen von bis zu 48 h, sind nun auch detaillierte Echtzeitanalysen möglich.

Matomo hingegen schwächelt hier, denn gerade bei größeren Webseiten kann es zu deutlichen Verzögerungen kommen. Piwik Pro stellt die angefragten Daten in 30 Minuten oder weniger zur Verfügung. Diesen Kritikpunkt kann Matomo jedoch mit zusätzlichen Funktionen ausgleichen. So liefert das Analysetool mit Informationen zur Medien- und Formularnutzung oder Heatmaps weitere wichtige Insights in das Nutzerverhalten.

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Zugriff auf Rohdaten

Webseitenbetreiber, die sich noch intensiver mit den Details ihrer Nutzer beim Besuch einer Webseite auseinandersetzen wollen, benötigen hierfür die sogenannten Rohdaten. Google Analytics ermöglichte bisher den Zugang zu Rohdaten nur in der kostenpflichtigen Google Analytics 360 Version. Inzwischen ist der Zugriff auch über BigQuery möglich. Bei Matomo und Piwik Pro werden Rohdaten an Data-Warehouses oder Software zur Datenvisualisierung zur Verfügung gestellt und ermöglichen so eine noch detailliertere Auswertung.

Welches Webanalyse-Tools ist das richtige für mich?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, da die Anforderungen an ein Webanalyse-Tool sehr individuell sind. Google Analytics hat sich zwar über Jahre als benutzerfreundliches Tool bewährt, zeigt aber aktuell noch Schwächen in Bezug auf die Datensicherheit.

Webseitenbetreiber, die hier kein Risiko eingehen wollen, kommen um einen Wechsel nicht herum. Bei der Datensicherheit können Matomo und Piwik Pro in jedem Fall punkten. Aber auch in Bezug auf den Funktionsumfang und die Handhabung sind Matomo und Piwik Pro dem Tool von Google mindestens ebenbürtig.

Hartmut Deiwick
Hartmut Deiwick
(Bild: Löwenstark Digital Group)

Webseitenbetreiber, die Daten in Echtzeit oder Rohdaten analysieren wollen, können zwischen den drei Varianten wählen. Bei größeren Webseiten ist jedoch bei Matomo mit einem Zeitverzug zu rechnen, sodass hier eines der anderen Tools die bessere Wahl ist. Ein Wechsel von Google Analytics zu Matomo oder Piwik Pro ist übrigens mit beiden Tools ohne Wissensverlust möglich und somit definitiv eine Überlegung wert.

* Hartmut Deiwick ist seit Februar 2020 CEO der Löwenstark Digital Group. Zuvor hat er bereits im November 2018 die Position als CEO der Löwenstark Online-Marketing GmbH eingenommen. Die Full-Service-Agentur entwickelt und betreut Online Marketing Kampagnen in den Bereichen SEO-, SEA-, Marketplace Marketing, Affiliate-Marketing-, E-Mail-Marketing- und Social Media für Kunden aller Branchen. Zuvor war Deiwick Geschäftsführer sowie Sales and Marketing Director bei der PharmaHera Service GmbH, Apothekendienstleister von APONEO Deutsche Versand-Apotheke.

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