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Randthemen aus dem ThoughtWorks Technology Radar Makrotrends in der Technologiebranche 2020

| Autor / Redakteur: Mike Mason * / Stephan Augsten

Bei der Erstellung des Technology Radars führen wir auch immer wieder interessante Gespräche über zahlreiche Themen, die wir nicht aufnehmen können. Also, was tut sich gerade in der Welt der Software?

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Was hält das Jahr 2020 für uns bereit? ThoughtWorks hat sich einmal mehr mit Makrotrends in der IT befasst.
Was hält das Jahr 2020 für uns bereit? ThoughtWorks hat sich einmal mehr mit Makrotrends in der IT befasst.
(Bild: Robynne Hu / Unsplash)

Wettrennen um Cloud-Vorherrschaft verursacht Fehlstarts

Infrastruktur und Architekturstile sind in der Entwicklerbranche derzeit Cloud-dominiert. Die großen Service-Anbieter konkurrieren laufend um Marktanteile und wollen ihre Wettbewerber ausstechen. Dazu bringen sie Produkte und Services auf den Markt, die nach unserer Einschätzung noch gar nicht reif für eine allgemeine Nutzung sind.

Dieses Muster haben wir in der Vergangenheit auch an anderer Stelle beobachtet: Anbieter von Unternehmenssoftware bewerben ihre Produkte damit, dass sie mehr Funktionen bieten als die eines Wettbewerbers – egal, ob diese Funktionen fertig entwickelt oder schon im Produkt enthalten sind.

Das Problem an sich ist also nicht neu, in der heutigen Cloud-Landschaft wird es allerdings zu einer ganz besonderen Herausforderung. Zudem handelt es sich hier nicht um ein Versehen, sondern um eine gezielte Strategie. Die Unternehmen haben sich so aufgestellt, dass sie neue Software so schnell wie möglich veröffentlichen.

Dieses Wetteifern um neue Produkte und Services ist nicht immer zum Vorteil der Teams, die mit dem Resultat arbeiten müssen. Da Anbieter allzu große Versprechungen machen, heißt es: „Augen auf beim Softwarekauf“. Eine neue Cloud-Datenbank? Ein weiterer Service? Hier müssen die Teams ganz genau prüfen, ob die Neuheiten tatsächlich ausgereift und brauchbar sind. Kann das Team mit den unvermeidlichen Unfertigkeiten und Einschränkungen leben?

Tools und Produkte für Hybrid Clouds nehmen Gestalt an

Viele große Unternehmen nutzen Hybrid Clouds und nehmen die Dienste mehrerer Cloud-Anbieter in Anspruch. Die Entscheidung, einen oder mehrere Anbieter zu nutzen, ist komplex. Dabei sind nicht nur technologische, sondern auch wirtschaftliche, strategische und sogar rechtliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

Möglicherweise müssen Unternehmen in stark regulierten Branchen gegenüber einer Behörde nachweisen, dass sie problemlos zu einem anderen Cloud-Anbieter wechseln können, falls es bei ihrem aktuellen Anbieter gravierende technische oder wirtschaftliche Probleme geben sollte. Manche unserer Kunden betreiben immensen Aufwand, um die Cloud-Nutzung auf eine einzige Plattform zu konsolidieren.

Die Beweggründe sind vielfältig: Latenzprobleme bei der Nutzung mehrerer Clouds, komplexe VPN-Setups, bessere Preisangebote oder Cloud-spezifische Funktionen, z. B. Kubernetes-Support oder Zugriff auf bestimmte Algorithmen für Machine Learning. Solche Umstellungen oder Konsolidierungen können Jahre dauern – vor allem, wenn veraltete On-Premises-Ressourcen im Spiel sind.

Unternehmen brauchen also eine bessere Lösung für Multi-Cloud-Umgebungen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Control-Plane-Produkten für Hybrid Clouds, die hier vielleicht Abhilfe schaffen können. Kämpfen auch Sie mit mehreren Clouds? Dann lohnt sich vielleicht ein Blick auf Google Anthos, AWS Outposts, Azure Arc und Azure Stack.

„Quantum-ready“ als mögliche Strategie für dieses Jahr

Erst kürzlich brüstete sich Google mit seinen Errungenschaften bei der sogenannten „Quantenüberlegenheit“ (Quantum Supremacy).

Das Unternehmen hat einen Quantencomputer gebaut, mit dem sich ein Algorithmus ausführen lässt, der für einen klassischen Computer nahezu unlösbar ist. In diesem speziellen Fall nutzte Google einen Quantencomputer mit 53 Qubits, um innerhalb von 200 Sekunden ein Problem zu lösen, für das ein klassischer Supercomputer 10.000 Jahre brauchen würde.

IBM widersprach dieser Behauptung: Ihr Supercomputer würde das Ergebnis innerhalb von 2,5 Tagen berechnen). Festzuhalten ist, dass Quantencomputer mehr sind als ein teures Laborspielzeug. Es gibt keine unbekannten Barrieren, die Quantencomputer daran hindern, bedeutende Probleme größeren Ausmaßes zu lösen. Der Umfang der Probleme, die sich mit wenigen Qubits lösen lassen, ist derzeit überschaubar, aber die Quanten sind definitiv auf dem Vormarsch.

Das kanadische Start-up Xanadu entwickelt nicht nur Quantenchips – wobei die Kanadier für den Quanteneffekt auf Photonen setzen und nicht, wie Google, auf Supraleiter –, sondern auch Quantensimulationen und Trainingstools. Sie räumen ein, dass die meisten Quantenalgorithmen relativ theoretisch scheinen, jedoch können mit Quantentechniken Probleme wie Monte-Carlo Simulationen, die beispielsweise im FinTech-Bereich von großer Bedeutung sind, schneller lösen.

Wie bei vielen anderen technologischen Umwälzungen (Big Data, Blockchain, Machine Learning) ist es auch hier wichtig, sich einigermaßen mit der Technologie auszukennen und zu wissen, wie sie dem eigenen Geschäft vielleicht nützen kann. IBM, Microsoft und Google bieten Tools an, die die Simulation von Quantencomputern und manchmal den Zugriff auf echte Quantencomputer-Hardware ermöglichen.

Vielleicht ist Ihr Unternehmen (noch) nicht in der Lage, von den Beschleunigungen sehr spezieller Algorithmen zu profitieren. Aber wer weiß? Womöglich läuft der „Quantum-ready Developer“ dem bisher so begehrten „Data Scientist“ bald den Rang ab.

90 Prozent abgeschafft – 0 Prozent gespart

Veraltete Systeme verlangen der IT-Branche einiges ab. Altes lässt sich nicht immer schnell genug anpassen, ist zu teuer im Unterhalt oder schlicht zu risikoanfällig. Wenn eingerostete Systeme auf Hardware laufen, die nur noch bei eBay zu erwerben ist, kann das mit erheblichen Risiken verbunden sein. Als IT-Fachleute haben wir ständig mit Altsystemen zu tun und müssen sie letzten Endes in den Ruhestand schicken.

Ein vielversprechend klingendes Konzept für den Austausch von Altsystemen ist eine „Strangler Fig“-Anwendung, bei der nach dem Vorbild einer Würgefeige um ein Altsystem herum so viele neue und bessere Funktionen gebaut werden, dass schließlich komplett auf das Altsystem verzichtet werden kann. Dieses Konzept hat viel Aufmerksamkeit erhalten, was nicht zuletzt an dem brutal klingenden Namen liegt. Schließlich gibt es viele, die gerne mit Gewalt gegen die frustrierenden Altsysteme vorgehen würden.

Entsprechend zahlreich sind die Unterstützer einer Strategie, bei der es um das „(Er-)Würgen“ eines Altsystems geht. Problematisch wird das Ganze, wenn wir behaupten, wir würden dem Altsystem den Garaus machen, im Endeffekt aber nur zusätzliche Systeme und APIs anbauen, ohne das Altsystem tatsächlich abzuschalten. Unser Kollege Jonny LeRoy ist bekannt dafür, amüsante Namen zu finden. Er hat vorgeschlagen, eine „Nackenmassage für Altsysteme“ in die Kategorie „Hold“ einzuordnen.

Das Thema erschien uns zu komplex für den Radar, aber uns gefiel die Botschaft: Wenn wir vorhaben, ein System nach dem Strangler-Pattern abzuschaffen, dann sollten wir die Abschaffung auch wirklich durchziehen, denn ansonsten verlieren unsere ganzen Anstrengungen ihren Sinn.

* Mike Mason ist Global Head of Technology bei ThoughtWorks.

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