Ein IT-Problem, das sich lösen lässt

Mainframe-Anwendungen und Agilität vereinen

| Autor / Redakteur: Thilo Rockmann * / Stephan Augsten

Legacy-Applikationen auf dem Mainframe lassen sich auf Umwegen durchaus auch mit agilen Prinzipien in Einklang bringen.
Legacy-Applikationen auf dem Mainframe lassen sich auf Umwegen durchaus auch mit agilen Prinzipien in Einklang bringen. (© vladimircaribb - stock.adobe.com)

Was tun, wenn Agilität gefordert ist, Kern der Software im Unternehmen jedoch Bestandsapplikationen sind, die auf Mainframes laufen? Immerhin gilt der Mainframe als Antagonist der agilen Entwicklung. Besteht die einzige Option in der Neuentwicklung?

Werner Vogels, einer der Schöpfer der Amazon Web Services brachte es auf den Punkt. Für ihn war Innovation zwar immer schon Teil der Amazon-DNA, aber vor etwa 20 Jahren durchlief das Unternehmen eine radikale Transformation, um den iterativen Prozess – „erfinden, starten, neu erfinden, neu starten, neu starten, neu starten, wiederholen, immer wieder wiederholen“ – noch schneller zu gestalten.

Zwar hatte AWS damals wesentlich weniger Kunden als heute, dennoch mussten Produkte und Dienstleistungen erweitert werden – vom Buchhändler zum IT-Provider. Das war damals nicht so einfach, denn um ein neues Feature hinzuzufügen, waren die Entwickler gezwungen, große Mengen Code in der bestehenden Anwendung zu ändern. Ohne eine agile Softwareentwicklung ging es bereits damals nicht mehr.

Agilität ist heutzutage in jedem Unternehmen unabdingbar. Die Geschwindigkeit, mit der neue und verbesserte Lösungen an den Markt gebracht werden können, bestimmt in hohem Maße über den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Dies gilt nicht nur für die Informationstechnologie, aber dort ganz besonderes. Schließlich werden in praktisch allen Unternehmen heutzutage die Geschäftsmodelle aufgrund der neuen Möglichkeiten in der Software in Frage oder gar auf den Kopf gestellt.

IT hechelt stets den Geschäftsanforderungen hinterher. Strategien sind meist einfacher formuliert als umgesetzt. Insofern besteht selbstverständlich ein großes Interesse seitens der Informationstechnologie einheitlich, konsistent und synchronisiert voranzuschreiten. Nur leider ist dies eine ziemliche Herausforderung, wenn man es mit Bestandsapplikationen zu tun hat. Denn diese sind oft integrativer Bestandteil von bestehenden Geschäftsabläufen, die wiederum auch nicht von heute auf morgen verschwinden. Agilität steht hier sicher nicht unmittelbar im Vordergrund.

Agilität ist ein Merkmal des Managements einer Organisation, flexibel und darüber hinaus proaktiv, antizipativ und initiativ zu agieren, um notwendige Veränderungen einzuführen. Dies ist wahrlich eine echte Herausforderung. Moderne Software Entwicklung stellt hier mittlerweile viele Methoden und Technologien zur Verfügung, die genau dabei helfen und exakt dafür entwickelt wurden.

Was passiert aber mit den Bestandsapplikationen, insbesondere wenn diese auf einer ganz anderen Plattform, wie z.B. dem Mainframe, laufen, welche ganz andere Skills, Erfahrungen und Entwicklungsmethoden bedarf? In einem ersten Schritt ist es hier sicherlich sinnvoll, wenn man diese Applikationen auf einer Umgebung betreiben kann, die auch für die meisten neuen Applikationen verwendet wird. D.h. auf eine x86 Umgebung basierend auf Open Source, Cloud, Container und so weiter.

Mainframe-Fachleute und komfortable Testumgebungen fehlen

Dazu muss man sich bewusst machen, dass Mainframes, die heute teilweise noch laufen, aus der Mitte der 1960er- und 70er Jahre stammen. Die Software, die auf ihnen bis heute läuft, wurde speziell für den Einsatz im damaligen Umfeld erstellt. Standardsoftware gab es in diesem Sinne damals noch nicht. Dies führte dazu, dass bis zum heutigen Tag die Anwendungen auf den Mainframes in hohem Maße individuell auf das jeweilige Unternehmen und den speziellen Anwendungsfall zugeschnitten sind.

Eine der größten Herausforderungen ist dabei zusehends die Verfügbarkeit von Experten, die über die Kontrolle dieser Anwendungen wachen können. Nach Angaben der Studie „Mainframe Modernization Survey 2019“ von Vanson Bourne, beträgt die durchschnittliche restliche Verweildauer von Mainframe-Experten bis zur Rente mittlerweile lediglich drei Jahre.

Die Erstellung und Pflege von geeigneten Testumgebungen sind aufwändig und daher in vielen Fällen für eine agile Entwicklung oft unzulänglich. Zumal entsprechende Testumgebung sehr kostspielig sind. Allein bei der Wartung der Systeme bedarf es sehr solidem Fachwissen und Erfahrung, sie ist bei weitem nicht intuitiv, weshalb jedwede Veränderungen mit erheblichem Overhead vorgenommen werden, um etwaige Fehler zu vermeiden. Daher sagten 69 Prozent der in der Studie befragten IT-Experten aus, dass der Mangel an Flexibilität des Mainframes die Innovationsfähigkeit der Unternehmens-IT behindert.

Verschärfend kommt hinzu, dass die Grundsätze der Softwareentwicklung bei den klassischen Mainframes auf anderen Paradigmen basieren. Die Entwicklung neuen Codes erfolgt in einer anderen Art und Weise als dies in einer modernen Umgebung der Fall ist. Das hat zur Folge, dass eine Entwicklung die Bestandsapplikationen umfasst, sich zumeist nach dem Tempo der Mainframe Entwicklung zu richten hat oder ggf. auch nur der Mainframe Verfügbarkeit, wenn dagegen getestet werden muss.

Kontinuierlicher Prozess

Heute findet die Softwareentwicklung in anderen Zyklen statt – es ist ein organischer und kontinuierlicher Prozess. Verbesserungen oder Fehlerbereinigungen werden sofort implementiert und kontinuierlich getestet. Anstelle von einzelnen großen Releases gibt es immer wieder viele kleine Anpassungen.

Jüngere Entwickler haben deswegen andere Prioritäten, sie arbeiten mit anderen Entwicklungswerkzeugen, anderen Programmiersprachen und anderen Development-Zyklen. Aber muss die Entwicklung neuen Codes für Mainframes einer agilen Arbeitsweise entgegenstehen? Die Antwort lautet: Nein!

Mainframe und Agilität vereinbar

In einem ersten Schritt bedarf es also einer effizienten Möglichkeit, diese Bestandsanwendungen auf die neue Umgebung weitestgehend unverändert zu heben. Eine solche Chance bietet beispielsweise der Software Defined Mainframe von LzLabs, da er ermöglicht, die Applikationen vom Mainframe ohne eine Re-Kompilierung bzw. eine Anpassung von Datenformaten auf Linux zu auszuführen. Darüber hinaus erlaubt der Software Defined Mainframe, das Testen zu vereinfachen und zu beschleunigen, sowie eine Automatisierung von Tests.

Es stehen den Entwicklern die Möglichkeiten einer agilen Programmentwicklung offen. Notwendige Funktionserweiterungen oder -änderungen können so nahtlos und rasch in die bestehende Umgebung eingearbeitet und getestet werden. Ein Programmierer kann individuell ohne Störung der Kollegen eine Containerumgebung hochfahren und dort seine Tests ausführen. Entwickler können auf die neuesten Tools zurückgreifen, die sie auch aus Projekten auf diesen modernen Plattformen kennen.

Flexibilität in der IT nutzt dem Unternehmen

Mit einem Software Defined Mainframe lassen sich so die Intervalle von Anpassungen erheblich erhöhen. Durch die kontinuierliche Bereitstellung einer agilen Softwareentwicklung können auch Releases mit kleineren Änderungen zeitnah erstellt werden. Vorbild sind hier Apps für mobile Endgeräte, die fortwährend entwickelt werden und keine großen Versionssprünge hinnehmen müssen, wie es früher bei Anwendungen der Fall war.

Immerhin erwarten 52 Prozent aller Teilnehmer der genannten Studie, dass eine Migration weg vom Mainframe eine bessere Agilität in der Softwareentwicklung bietet. Man arbeitet synchron über die gesamte Entwicklung hinweg, selbst wenn eine Entwicklung oder auch nur eine Nutzung von Bestandsapplikationen notwendig ist. Alle verwenden die gleiche DevOps-Umgebung. So kann die Unternehmens-IT schneller auf die Marktanforderungen reagieren und auch den veränderten Erwartungen der Nutzer Rechnung tragen.

Thilo Rockmann
Thilo Rockmann (Bild: mekipics.ch)

Beides führt zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. In Verbindung mit einer auf einer offenen Plattform basierten Lösung können Unternehmen die Kontrolle über ihre Bestandsapplikationen zurückgewinnen und Agilität gleichzeitig vorantreiben.

* Thilo Rockmann ist Chairman und COO von LzLabs und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der ITK-Branche. In dieser Zeit war er unter anderem als Chairman, Präsident, CEO, Geschäftsführer, Group Systems Director und Technologieberater für viele namhafte Unternehmen tätig. Dazu zählen Accenture, Sun Microsystems, Easynet (BSkyB) und JME Ventures. Er hat ein Diplom in Physik der Universität Hamburg sowie einen MBA der University of Wales in Cardiff.

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