Solution Stack unter macOS

Mac für die Software-Entwicklung aufsetzen

| Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Im App Store von Apple finden sich allerhand nützliche Development-Tools.
Im App Store von Apple finden sich allerhand nützliche Development-Tools. (Bild: Rentrop / Apple)

Mit Macbook, iMac und Co. können Entwickler nicht nur eine zuverlässige Hardware-Basis zurückgreifen, sondern auch Software für alle wichtigen Betriebssysteme entwickeln. Damit das reibungslos klappt, gibt es jedoch ein paar Dinge zu beachten.

Viele Entwickler rümpfen die Nase, wenn sie an Apples Mac-Systeme denken. Denn die Hardware ist teuer und Apple versucht an vielen Stellen, eigene proprietäre Lösungen zu etablieren. Geschlossen ist das System dadurch aber nicht.

macOS basiert auf FreeBSD und ist damit im Kern ein vollumfängliches Unix-System. Wer für macOS und iOS entwickeln möchte, kommt ohnehin nicht um die Anschaffung eines Rechners aus Cupertino vorbei.

Doch macOS kann mehr, als nur die Apple-Infrastruktur zu bedienen. Schließlich gibt es alle denkbaren Entwicklungsumgebungen auch für Apple-Rechner. Und dank virtueller Maschinen ist es möglich, die Software auch direkt unter Windows, Linux oder Android zu entwickeln und zu testen.

Die Hardware: Vier Kerne sollten es sein

Grundsätzlich ist zwar jeder Mac als Basissystem für die Softwareentwicklung geeignet, allerdings ist es im Hinblick auf die Virtualisierung sinnvoll, mindestens zwei Prozessorkerne für macOS und zwei für eine virtuelle Maschine bereitzuhalten. Der Mac sollte also einen Quadcore-Prozessor besitzen, was jedoch bei den meisten aktuellen Modellen der Fall ist.

Zusätzlich sind natürlich ausreichend RAM, also 16 Gigabyte oder mehr, und eine interne SSD mit mindestens 256 Gigabyte sinnvoll, um Platz für alle denkbaren Tools und VMs zu haben. Ist der Mac angeschafft und das Basis-System aufgesetzt, ist die Einrichtung für die Software-Entwicklung ein Kinderspiel.

1. XCode installieren

Für die Arbeit mit xCode muss zunächst das Graphical User Interface installiert werden, ...
Für die Arbeit mit xCode muss zunächst das Graphical User Interface installiert werden, ... (Bild: Rentrop / Apple)

Wer den Mac als Entwicklermaschine nutzen will, kommt an Apples XCode nicht vorbei. Die IDE ist sowohl für die Entwicklung für den Mac als auch für iOS gedacht, kann aber für andere Systeme zweckentfremdet werden. Unterstützt werden neben Apples Swift die Sprachen C, C++, Objective C und -C++, Java, Python sowie Ruby. Zudem gibt es Plugins für Perl, C# und viele andere.

XCode kann entweder über den Apple App-Store installiert werden oder über ein Apple-Entwicklerkonto. Nach der Installation der GUI-Version sollten noch die Kommandozeilen-Tools aufgesetzt werden, da diese für weitere Installationen wie Homebrew zwingend notwendig sind.

... gefolgt von den passenden Kommandozeilen-Tools.
... gefolgt von den passenden Kommandozeilen-Tools. (Bild: Rentrop / Apple)

Öffnen Sie dazu ein Terminal-Fenster und installieren Sie diese mit dem Befehl:

xcode-select --install

Anschließend sollten Sie noch die Lizenzbedingungen akzeptieren, was am einfachsten mit dem Befehl …

sudo xcodebuild -license

… zu bewerkstelligen ist. So ist der Mac für den Einsatz weiterer Entwicklertools vorbereitet.

2. Homebrew aufsetzen

Zusätzliche Paketmanager wie Homebrew geben unter MacOS die nötige Flexibilität.
Zusätzliche Paketmanager wie Homebrew geben unter MacOS die nötige Flexibilität. (Bild: Rentrop / Homebrew)

Ein weiteres wichtiges Tool für die Software-Entwicklung unter macOS ist Homebrew. Der Paketmanager erlaubt die einfache Nachrüstung von aus Linux-Umgebungen bekannten Kommandozeilentools unter macOS. Um Homebrew zu installieren, ist ein einfacher Kommandozeilen-Befehl notwendig:

brew install wget

Homebrew installiert dadurch notwendige Tools für die Kommandozeile. Zudem kann anschließend der brew-Befehl genutzt werden, um Software direkt über die Kommandozeile zu installieren. Falls während der Homebrew-Installation Fehlermeldungen über Berechtigungen auftreten, hilft der Befehl …

sudo chown -R $(whoami) $(brew --prefix)/*

… dabei, die Fehlermeldungen loszuwerden. Anschließend können Sie mit dem Befehl …

brew doctor

… prüfen, ob alles korrekt installiert ist. Der Befehl …

ruby -e "$(curl -fsSL https://raw.githubusercontent.com/Homebrew/install/master/uninstall)"

… entfernt Homebrew wieder vom System.

3. Die Alternativen: Fink und Macports

Homebrew ist eine schöne Lösung, um die Mac-Kommandozeile für die Software-Entwicklung nützlicher zu gestalten. Alternativ gibt es aber noch andere Lösungen für Mac-Paketmanager, nämlich Macports und Fink. Alle beide sind ähnlich wie Homebrew dafür gedacht, Tools und Anwendungen bequem über die Kommandozeile zu installieren.

Macports ist dabei die umfangreichste Lösung mit den meisten Paketen, Fink setzt dafür auf den von Debian bekannten Paketmanager Apt. Dadurch dürften gerade Anwender, die von Linux kommen, deutlich besser mit dem Mac-Paketmanagement klarkommen. Beide Tools funktionieren ähnlich wie Homebrew, allerdings gilt dieses derzeit als Quasi-Standard.

4. Editoren für die GUI installieren

Für MacOS gibt es eine ganze Reihe praktischer Editoren.
Für MacOS gibt es eine ganze Reihe praktischer Editoren. (Bild: Rentrop / Emacs)

Im Folgenden ist es natürlich sinnvoll, noch einige Text-Editoren zu installieren. Vi, vim und Emacs sind bereits im System, zusätzlich kann aber auch eine Emacs-Version für die grafische Benutzeroberfläche verwendet werden. Alternativ bieten sich Editoren wie SubEthaEdit oder COTEditor aus dem AppStore für Entwickler an, um Quellcode schnell und effektiv zu bearbeiten.

5. Zusätzliche Entwicklungsumgebungen aufsetzen

Neben XCode gibt es natürlich noch eine Reihe praktischer Entwicklungsumgebungen, die auf jedem Mac für Entwickler installiert sein sollten: Neben Android-Studio, das die Entwicklung von Android-Apps ermöglicht, bietet sich auch Microsoft Visual Studio an, das die Entwicklungsoptionen erweitert.

Zusammen mit Xcode und der brew-Funktion in der Kommandozeile ergibt sich dadurch ein Rundum-Sorglos-Paket für Entwickler. Beide Tools werden einfach in der GUI installiert und bringen die nötigen Kommandozeilen-Tools in der eigenen Umgebung mit.

6. Windows, Linux und Android virtualisieren

Virtualbox ermöglicht das Aufsetzen eines Rechners im Rechner – ideal für die Software-Entwicklung.
Virtualbox ermöglicht das Aufsetzen eines Rechners im Rechner – ideal für die Software-Entwicklung. (Bild: Rentrop / Oracle)

Wenn für verschiedene Systeme entwickelt werden soll, empfiehlt sich noch das Aufsetzen von virtualisierten Umgebungen für das Testen von Anwendungen. Kostenlos erhältlich sind hier Docker Desktop und Virtualbox. Letzteres ermöglicht das Einrichten virtueller Rechnersysteme, was Entwicklern zusätzliche Hardware und auch viele Wege spart.

Virtualbox kann über ein virtuelles Netzwerk problemlos auf Ordner auf dem Mac zugreifen, wodurch es ein Leichtes ist, zum Beispiel Linux in der virtuellen Umgebung zu verwenden und mit macOS zu integrieren, ohne dabei den Rechner zu wechseln. Das gleiche gilt für Windows. Die Android-Unterstützung von VirtualBox ist zwar vorhanden, aber eher rudimentär, weshalb es sinnvoll ist, hier den Simulator von Android-Studio zu verwenden.

Um Aufwand für die Einrichtung zu sparen, empfiehlt sich der Einsatz sogenannter Appliances, die frei im Web verfügbar sind. So bietet die Website OSboxes.com eine Vielzahl von fertigen Virtuellen Maschinen, die nur noch in VirtualBox eingebunden werden müssen.

7. LAMP-System unter macOS aufsetzen

Wer Web-Applikationen entwickeln möchte, sollte zu guter Letzt noch ein LAMP-System (Linux, Apache, MySQL, PHP) auf dem Mac betreiben. Das kann auf drei Arten eingerichtet werden: Entweder in Form eines virtuellen Systems, also einer VirtualBox-VM oder eines LAMP-Docker-Containers, in denen das System entsprechend aufgesetzt wird. Wer lieber direkt unter macOS arbeitet, kann entweder den bereits in macOS implementierten Webserver nutzen, der sich bequem im Terminal mit dem Befehl …

sudo apachectl start

… aktivieren lässt. Zusätzliche Einstellungen können vorher unter /etc/apache2/httpd.conf vorgenommen werden. Beim Default-Webserver fehlt allerdings MySQL, das von der MySQL-Website nachinstalliert werden kann.

MAMP eröffnet einen vollwertigen Webserver unter MacOS.
MAMP eröffnet einen vollwertigen Webserver unter MacOS. (Bild: Rentrop / MAMP)

Einfacher geht das alles aber mit dem Tool MAMP. Dieses erlaubt das schnelle Starten eines Webservers innerhalb der MAMP-App, wodurch die ganze Umgebung gegenüber dem Hauptsystem abgekapselt ist. Das hat den Vorteil größerer Übersichtlichkeit und reicht in aller Regel, um zum Beispiel Web-Apps zu testen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46063233 / Betriebssysteme)