Die neue Rolle der Entwickler

Low-Code-Plattformen in der Finanzbranche

| Autor / Redakteur: Harbinder Kang * / Stephan Augsten

Das Zusammenbasteln kleiner Apps und einfacher Desktop-Anwendungen ist mit Low-Code-Plattformen nahezu ein Kinderspiel.
Das Zusammenbasteln kleiner Apps und einfacher Desktop-Anwendungen ist mit Low-Code-Plattformen nahezu ein Kinderspiel. (Bild gemeinfrei: FeeLoona - Pixabay.com)

Low-Code ist bereits in vielen Branchen auf dem Vormarsch – die Forderung nach schnellen Produktzyklen treibt den Trend weiter voran. Auch die Finanzbranche hat das erkannt und kann auf entsprechende Plattformen zurückgreifen.

Wenn im Sinne der „Citizen Developer“ bald jedermann Apps erstellt, dann muss sich auch das Rollenverständnis der Entwickler verändern. Entwickler von Anwendungen benötigen heute breites Know-how: verschiedene Programmiersprachen, Tools zur Erstellung und zum Test, Verständnis für die Anforderungen der Nutzer und Kenntnisse über den korrekten Umgang mit Daten und Datensicherheit sowie für die Bereitstellung der Inhalte auf unterschiedlichsten Kanälen von Desktop bis Mobile.

Low-Code reduziert den Druck auf Entwickler

Darüber hinaus stehen die Entwickler zunehmend unter Zeitdruck, damit Unternehmen mit ihren Apps immer schneller auf die Anforderungen und Trends am Markt reagieren können. Agile Arbeitsweisen und DevOps sind nur zwei Methoden, die daraus hervorgegangen sind.

Den iterativen Ansatz verfolgen zunehmend auch Finanzdienstleister bei der Bereitstellung von Apps und Updates für Unternehmen. Dabei nehmen sie regelmäßig kleinere Aktualisierungen und Verbesserungen an den Systemen und der Benutzeroberfläche des Kunden vor, um einen weitestgehend unterbrechungsfreien Betrieb zu ermöglichen. Doch auch größere Systemwechsel lassen sich mithilfe von Low-Code-basierten Lösungen vornehmen.

Diese veränderten Herangehensweisen haben die Ära der Low-Code-App-Erstellung eingeleitet. Sogenannte Low-Code-Plattformen reduzieren bei der Kreation neuer Anwendungen den Anteil der manuellen Programmierung. Sie vereinheitlichen dadurch die Vorgehensweise und reduzieren die Komplexität sowie die Fehleranfälligkeit des Quellcodes.

Der Entwurf nimmt häufig auf einer zentralen Plattform auf SaaS-Basis Gestalt an. Ein solcher Ansatz erfordert nur wenig Aufwand für das Set-Up neuer Umgebungen und senkt damit die Hürden, sodass sich auch Fachexperten mit geringen Programmierkenntnissen beteiligen können. Außerdem lässt sich damit der Backlog in Entwicklungsteams rasch und oft ohne zusätzliche Programmierer-Ressourcen abarbeiten. Im Ergebnis lassen sich Apps schneller und auf eine kollaborativere Art und Weise bereitstellen.

Vom Programmierer zum Architekten

Mittelfristig könnte also Low-Code die Rolle des Entwicklers bei der Erstellung von Anwendungen verändern – vom Programmierer hin zum Anwendungsarchitekten und -Designer. In den neuen Aufgabenbereich fällt jedoch nicht nur das Design einer neuen App. Dazu wird die Verantwortung für die Bereitstellung von der Sandbox über Tests und Benutzerfeedback bis hin zum Rollout gehören.

Low-Code-Plattformen ermöglichen es den Entwicklern darüber hinaus, den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung zentral zu managen, sodass sie nicht zwischen verschiedenen Tools wechseln müssen. Eine der größten Herausforderungen ist dabei, ein Gleichgewicht zwischen Stabilität und Datendurchsatz der Anwendung herzustellen.

Ist eines davon nicht ausreichend gegeben, erhalten die Nutzer nicht die optimale Performance und die Anwendung ist weniger wettbewerbsfähig. Daher ist auch in einer Low-Code-Umgebung ein Governance-Modell erforderlich. Zur veränderten Rolle trägt zudem bei, dass Entwickler besonders effektiv neue Anwendungsfelder und Geschäftsideen für Technologien finden können.

In diesem Sinne richten immer mehr Unternehmen dedizierte Innovationsteams- und räume ein. Dort stehen die Anwendungsexperten im Zentrum der Ideenfindung für neue Lösungen und Produkte.

Entwickler lassen sich nicht automatisieren

Die Entwickler sind nun in der Verantwortung, ihre neue Rolle anzunehmen und die Chancen von Low-Code-Plattformen für eine schnellere Anwendungserstellung zu nutzen. Die Gefahr, dass diese Automatisierung Jobs in diesem Bereich kosten wird, ist eher gering. Sie kann aber zu einer besseren Zusammenarbeit mit anderen Unternehmensbereichen führen, weil die Funktionsweisen von Anwendungen auch für Nicht-Programmierer transparenter werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die immense Arbeitslast auf den Schultern der Entwickler etwas reduzieren lässt. Diese werden künftig weniger Code schreiben und können sich vermehrt um Sicherheit und Performance der Plattform kümmern. Auch Software-Unternehmen erkennen die Chancen von Low-Code für kürzere Produktzyklen und treiben so die Kollaboration zwischen ihren Entwicklern und anderen Unternehmensbereichen auf entsprechenden Plattformen voran.

* Harbinder Kang ist Global Head of Developer Operations bei Finastra. Das Finanztechnologie-Unternehmen bietet mit FusionFabric.cloud eine eigene Plattform auf SaaS-Basis für die Finanzwelt an.

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