Zeitersparnis beim Programmieren

Low-Code-Entwicklung – Ansatz und Tools

| Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Low-Code-Plattformen erlauben das Zusammenstellen von Anwendungen nach dem Baukasten-Prinzip.
Low-Code-Plattformen erlauben das Zusammenstellen von Anwendungen nach dem Baukasten-Prinzip. (Bild: 3dman_eu - Pixabay.com / CC0)

Low-Code-Development ist der neueste Trend bei der Programmierung. Statt harten Codierens wird mit Hilfe von Applikationsdesignern und grafischen Methoden gearbeitet. Das kann Zeit und damit Kosten sparen, hat aber seine Tücken.

Ganz früher gab es Maschinensprache und Assembler: Frühe Programmierer arbeiteten sehr technisch und nah an der Hardware. Das war komplex und aufwändig und nur von echten Experten zu Bewerkstelligen. Erst das Aufkommen höherer Programmiersprachen mit Abstraktionsebene – und dazu zählt schon Basic – hat dafür gesorgt, dass die breite Masse programmieren lernen konnte.

Die seit Beginn der 1980er-Jahre stattfindende Computerisierung von Arbeitsplätzen sowie Haushalten und der seither anhaltende Software-Boom sind deutliche Indizien dafür. Der neue Trend zum Low-Code-Development wird diesen noch beschleunigen: Mit möglichst wenig Code-Kontakt können Entwickler hier schnell Apps und Software stricken.

Low-Code-Entwicklung

Low Code bedeutet, dass möglichst wenig Code eingesetzt wird. Stattdessen setzen Low-Code-Entwickler auf Entwicklungsplattformen, die das Erstellen vieler oder sogar aller Aufgaben, Algorithmen, Logiken, Einstellungen und natürlich Designs mit einer grafischen Benutzerfläche ermöglichen.

Für diese Technik gab es bereits in den 1990er Jahren einige Ansätze unter der Fahne des Rapid Application Development, kurz „RAD“. Doch erst seit etwa 2014 ist Low-Code-Development als Begriff bekannt: Es geht darum, Anwendungen ohne den Einsatz von Fachleuten zu entwickeln und es (theoretisch) jedem Anwender zu ermöglichen, eine App zu programmieren.

Wer sich heute in Excel kleine „Programme“ bastelt, dürfte auch mit Low-Code-Plattformen zurechtkommen. So kann auch der durchschnittliche Mitarbeiter im Zweifel eine für das Unternehmen sinnvoll Software „zusammenklicken“, ohne lange Umwege über die Entwicklungsabteilung nehmen zu müssen. Aber auch „normale“ Programmierer können im Rahmen der agilen Softwareentwicklung auf diesem Wege Zeit und Geld sparen.

Es gibt auch Lösungen für Privatanwender

Damit die Programmierung nach Low-Code-Philosophie funktioniert, bedarf es allerdings zweier Voraussetzungen: Einerseits muss die Benutzerführung und Logik der Low-Code-Anwendung oder -plattform schlüssig und für den Informatik-Laien nachvollziehbar sein. Andererseits ist es zwingend notwendig, dass die zugrundeliegende Software die „Codierung“ übernimmt.

Eine sehr einfache Form dieser Programmierphilosophie für Privatanwender ist zum Beispiel der Dienst „If this then that“, mit dessen Hilfe allerlei Device- und Software-APIs zur Zusammenarbeit gebracht und logisch verkettet werden können. Auch Apples neue Siri-Shortcuts auf iOS-12-Geräten oder Microsoft Flow gehen in diese Richtung: Beide Lösungen erlauben den intuitiven Aufbau einfacher Algorithmen mittels vorgefertigter API-Funktionen, etwa von Apps, Devices oder Webservices. Dadurch sind einfache Algorithmen möglich.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Für professionelle Anwender gibt es online reihenweise Low-Code-Plattformen, die nach einem vergleichbaren Schema arbeiten, natürlich mit deutlich mehr Möglichkeiten. Low-Code-Plattformen können sich dabei auf Server-Anwendungen beschränken, wie es etwa beim Open-Source-Tool Skyve der Fall ist.

Oftmals sind die Low-Code-Plattformen jedoch als „Application Platform as a Service“ konzipiert – also in Form eines Web- oder Cloud-Dienstes, der sämtliche Schritte des Low-Code-Development abwickeln kann: Präsentation, Logik, Business-Integration, Datenverarbeitung und Authentifizierung oder Autorisierung. Der Anwender schiebt im Grunde Elemente zusammen, die von der Plattform im Hintergrund verarbeitet werden. Kontakt mit Code findet dadurch also nicht oder in nur sehr geringem Ausmaß statt.

Das hat allerdings den Nachteil, dass sich der Anwender an einen Service-Anbieter bindet: Oftmals sind die Plattformen proprietär, es gibt es keine Export-Funktion für weitere Dienste. Der Dienst will also wohl gewählt sein, ein späterer Wechsel ist nur möglich, indem Anwendungen neu erstellt werden. Vor dem Einsatz einer Plattform sollten außerdem Kosten-Nutzen-Rechnungen aufgestellt werden, denn es ist im Hinblick auf Portierbarkeit, Konvertierung und Plattform-Flexibilität möglicherweise eben doch günstiger, das klassische Code-basierte Development mithilfe eines Entwicklers vorzuziehen.

Zahlreiche Services

Dass Low-Code trotzdem ein wichtiger Faktor für die Entwicklung von Software innerhalb eines Unternehmens darstellen kann, liegt dennoch auf der Hand. Die Zahl der möglichen Plattformen ist jedoch schier erdrückend: So stehen mit Google AppMaker und Microsoft PowerApps Low-Code-Services zur Verfügung, Marktführer sind jedoch Dienste wie Zoho Creator oder das SAP-nahe Mendix , die bereits von einer Vielzahl großer Unternehmen eingesetzt werden und eine tiefgehende Integration in bestehenden Systemen ermöglichen.

Weniger proprietär sind Open-Source-Lösungen wie VisionX, die auf Java-Technologie setzen. Andere Low-Code-Plattformen wie iTiZZiMO Simplifier setzen auf spezialisierte Anwendungsbereiche wie das Internet of Things oder wie im Falle von Kissflow auf die Erstellung von geschäftlichen Workflow-Anwendungen. Wer nicht auf Drittanbieter setzen möchte, findet mit der Open-Source-Lösung OpenXava eine Möglichkeit, Low-Code-Technik auf der eigenen Infrastruktur einzusetzen.

Low-Code-Entwicklung macht vieles einfacher

Allein in Anbetracht der schier zahllosen Plattformen liegt es nahe, dass die Low-Code-Entwicklung das große Ding der nächsten Jahre sein wird. Der Markt wächst schnell – und wird weiter wachsen, auch weil der Vorteil von Low-Code-Anwendungen eben darin liegt, dass Kosten gespart werden.

Laut dem Marktforschungsunternehmen Forrester soll der Markt für Low-Code-Plattformen bis 2022 auf ein Volumen von 22 Milliarden US-Dollar anwachsen, gleichzeitig können Unternehmen die Technologie verwenden, um ihrerseits Prozesse zu optimieren, ohne auf die langwierige und teure klassische Software-Entwicklung setzen zu müssen. Eines kann Low-Code allerdings nicht leisten: Die Basis der Plattformen und Dienste ist nach wie vor klassischer Code – und den wird diese Art der Programmierung auch nie ersetzen können.

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