Interdisziplinäre Zusammenarbeit statt Frustgefühl Low-Code bringt IT- und Fachabteilungen zusammen

Autor / Redakteur: Florian Weber * / Stephan Augsten

Reibungen zwischen IT-Mitarbeitern und Fachabteilungen lassen sich oft auf mangelndes Verständnis und fehlende Kommunikation zurückführen. Low-Code-Lösungen können dazu beitragen, Konflikte zu reduzieren.

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Interdisziplinäre Teams helfen, die Wünsche, Sorgen und Ansprüche der fachfremden Mitarbeiter besser zu verstehen.
Interdisziplinäre Teams helfen, die Wünsche, Sorgen und Ansprüche der fachfremden Mitarbeiter besser zu verstehen.
(© nd3000 - stock.adobe.com)

Das Verhältnis zwischen Fachbereichen und IT-Abteilung ist in vielen Unternehmen schwierig. Während Fachbereiche eifrig Wünsche nach neuen Lösungen vortragen, die ihnen helfen würden, Abläufe zu digitalisieren, bestehende Prozesse zu verbessern und neue Geschäftsmodelle voranzutreiben, blockt die IT-Abteilung ab. Im Tagesgeschäft aus IT-Betrieb und -Support bleibt nun einmal wenig Zeit, innovative Projekte zu begleiten oder gar selbst voranzutreiben.

Auf beiden Seiten herrscht daher Frust, auch weil häufig das Verständnis für die Sorgen und Nöte der jeweils anderen fehlt. Von Fachbereichen wird die IT-Abteilung als Bremser wahrgenommen – die wiederum hat das Gefühl, sich zwischen den aus allen Richtungen auf sie einprasselnden Wünschen aufzureiben und es kaum jemandem recht machen zu können.

Verschärft wird die Situation noch, wenn Fachbereiche kurzerhand selbst Anwendungen und Cloud-Services einführen und eine Schatten-IT schaffen, auf welche die IT-Abteilung nur mit stärkeren Restriktionen reagieren kann. Schaufelt sie dagegen Ressourcen frei, um einzelne Anliegen umzusetzen, dauern die Projekte meist lange und stellen die Geduld von Fachabteilungen auf die Probe.

Mit Low-Code zu weniger Frust

Eine Ursache dafür ist, dass für viele unternehmensspezifische Anforderungen keine Standardlösungen im Markt existieren und die klassische Entwicklung eigener Anwendungen sehr teuer und zeitaufwändig ist. Zudem birgt sie bei vorab nicht klar durch die Fachabteilungen definierten oder sich im Laufe des langen Entwicklungsprozesses ändernden Anforderungen das Risiko, nicht die erwünschten Ergebnisse zu liefern.

Eine spannende Alternative ist daher die Entwicklung von Business-Anwendungen mit Hilfe von Low-Code-Plattformen. Einerseits weil diese eine viel preiswertere und schnellere Entwicklung erlauben, andererseits weil sie Mitarbeiter aus den Fachabteilungen sehr stark involvieren.

Bei Low-Code-Plattformen erlauben visuelle Modellierungstools und vorgefertigte Software-Bausteine, etwa für Formulare, Regeln und Benachrichtigungen, eine zügige Entwicklung auch ohne Programmierkenntnisse. Sogenannte Citizen Developer, engagierte Mitarbeiter aus den Fachbereichen, können nach einer Schulung und unter Anleitung der IT-Abteilung vergleichsweise unkompliziert Anwendungen erstellen.

Statt umständlich zu erklären, was sie benötigen, setzen sie es mit einfachen Mitteln weitgehend selbst um. Die IT schafft dafür die Rahmenbedingungen und kümmert sich unter anderem um das Projektmanagement, die Integration von Datenquellen und den Betrieb der Anwendungen. Sie wandelt sich vom IT-Betriebspartner und IT-Problemlöser zu einem Coach und Business-Enabler, der die Einführung innovativer Anwendungen unterstützt und vorantreibt.

Damit solche Projekte erfolgreich sind, müssen die Low-Code-Plattformen in die existierenden Frameworks des Unternehmens eingebettet werden. So können IT-Abteilungen sicherstellen, dass alle Anwendungen – egal ob sie auf klassischem Entwicklungswege oder mit Low-Code erstellt wurden – auf demselben Fundament aufbauen und kein Software-Wildwuchs entsteht.

Vom Abhängigkeitsgefühl zum interdisziplinären Austausch

Low-Code löst gleichzeitig die klassische Rollenverteilung des „Einer bestellt, der andere liefert“ auf. Interdisziplinäre Teams mit Mitarbeiter aus Fachbereichen und IT-Abteilung arbeiten intensiv zusammen, was allerdings nur dann reibungslos funktioniert, wenn sie agile Methoden und Tools nutzen.

Derart aufgestellte Teams planen beispielsweise Projekte nicht bis zum erwünschten Endergebnis durch und arbeiten die einzelnen Aufgaben dann sklavisch ab. Vielmehr brechen sie das große Ziel in Teilziele herunter, die in kleinen, oft auch experimentellen Schritten erreicht werden und die regelmäßig überprüft und angepasst werden. Moderne Kommunikations- und Kollaborationstools unterstützen sie dabei.

Gerade in den vergangenen Monaten haben viele Unternehmen festgestellt, dass sie mehr und bessere digitale Prozesse benötigen und dass ihre Teams agiler zusammenarbeiten müssen, um schneller auf neue Herausforderungen reagieren zu können. Low-Code verknüpft diese beiden Ziele geschickt: Ideen aus Fachabteilungen können zu einem Bruchteil der Kosten klassischer Software-Entwicklungsprojekte in viel kürzerer Zeit in Anwendungen gegossen werden, die Geschäftsabläufe effizienter und Mitarbeiter produktiver machen.

Florian Weber
Florian Weber
(Bild: Pegasystems)

Durch das spezielle Entwicklungsmodell, das Fachbereichsmitarbeiter zum integralen Bestandteil der Entwicklungsprozesse macht, entsteht – fast schon automatisch – eine dynamische Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT. Beide sind gleichermaßen für ihre Anwendung verantwortlich und tragen zu ihrem Entstehen bei, was erfahrungsgemäß bei Mitarbeitern die Motivation und das Engagement erhöht und weitaus besser funktioniert, als die agile Zusammenarbeit einfach nur von oben zu verordnen.

* Florian Weber ist Principal Solutions Consultant bei Pegasystems.

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