Citizen Developer und Low Code, Teil 2

Laienentwickler erfolgreich einsetzen

| Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Beim Citizen können viele kleine Ideen zu Tools und Anwendungen werden, die das Geschäft vorabtreiben.
Beim Citizen können viele kleine Ideen zu Tools und Anwendungen werden, die das Geschäft vorabtreiben. (Bild gemeinfrei: ar130405 / Pixabay)

Citizen Development ist eine gute Möglichkeit, um „kleine“, spezialisierte Anwendungen im Unternehmen zu etablieren sowie lange Dienstwege und kostenintensive Softwareentwicklung zu vermeiden. Allerdings sind für den erfolgreichen Einsatz der Laienentwickler einige Dinge zu beachten.

Citizen Development meint die Programmierung kleiner, meist abteilungs- oder teaminterner Software-Lösungen. Die können im Unternehmen sinnvoll sein und den Workflow einzelner Mitarbeiter, Teams oder ganzer Abteilungen deutlich verbessern – ohne dass eine offizielle Lösung erstellt werden muss.

Grundsätzlich ist das kein neuer Trends: Mitarbeiter, die Batches oder Makros programmierten, Excel-Sheets anlegten, mit WYSIWYG-Editoren arbeiteten oder sogar in Visual Basic kleine Tools zusammenstellten, um sich selbst die Arbeit zu erleichtern, gab und gibt es in jedem Unternehmen. Neu ist nur der Begriff „Citizen Developer“.

Neu ist allerdings der Fokus darauf, dass im Rahmen der Eigenentwicklungen keine Schatten-IT entsteht – und gute, produktive Tools auch intern weitergegeben werden. Möglich machen es die inzwischen recht unkompliziert nutzbaren Low-Code-Plattformen, die deutliche Synergieeffekte bei gleichzeitiger Kostenersparnis ermöglichen.

Citizen Development kann man nicht erzwingen

Höhere Effizienz und niedrigere Kosten – da wird das Management schon einmal aufmerksam. Man möchte diese Möglichkeiten möglichst effektiv einsetzen, gar forcieren oder erzwingen. Allerdings kann Citizen Development nur zum Teil vom Management vorgegeben werden.

Ob sich Mitarbeiter erfolgreich als Citizen Developer und damit an der Schnittstelle zwischen Business und IT einsetzen lassen, hängt nämlich vor allem von deren persönlichen Interessen und natürlich auch ihrem verfügbaren Zeitrahmen ab.

Nicht jeder Mitarbeiter ist als Citizen Developer geeignet, genauso wenig sollten aber interessierte Mitarbeiter „abgewürgt“ werden. Grundsätzlich gilt: Citizen Development lässt sich nicht erzwingen, sondern nur fördern.

Die richtigen Voraussetzungen schaffen

Für gezielte Lösungen sollte das Unternehmen weiterhin auf „klassische“ Entwickler setzen. Um von den Möglichkeiten des Citizen Developments zu profitieren, müssen vielmehr die richtigen Voraussetzungen im Unternehmen geschaffen werden.

Wie jeder kreative Prozess leidet allerdings auch das Citizen Development an Einschränkungen und allzu strengen Vorgaben „von oben“, zumal Mitarbeiter eher nebenher als Schatten-IT agieren. Genau deshalb sollte innerhalb des Unternehmens, der Abteilung oder des Teams für die richtige Kultur im Umgang mit Citizen Developern gesorgt werden.

Gleichermaßen sinnvoll ist es, die notwendige Infrastruktur zu schaffen, um den Nebenher-Entwicklern auch die Möglichkeit zu geben, sich als Citizen Developer zu verdingen. Und zu guter Letzt sollte natürlich dafür gesorgt werden, dass die Lösungen irgendwo gesammelt und geprüft werden, um Synergieeffekte nutzen zu können und gute Lösungen zum Beispiel von Abteilung A in Abteilung B zu übertragen.

No- oder Low-Code sind eine gute Basis

Genau deshalb sollten IT-Entscheider zunächst dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter in der Lage sind, selbstständig kleine Lösungen zu entwickeln. Hierfür bieten sich neben den klassischen Tools wie Excel natürlich Low-Code-Plattformen an. Mitarbeiter, die eigene Lösungen entwickeln möchten, sollten Zugriff auf diese Plattformen bekommen, um sich dort verdingen zu können.

Der Vorteil: Vorhandene Projekte werden zentral gesammelt und können bei Bedarf leicht in einen anderen Bereich übernommen werden. Zudem erleichtern sie Mitarbeitern, die keine praktische Programmiererfahrung haben, natürlich den Zugang ins Citizen Development. Vor dem Einkauf einer solchen Lösung sollte allerdings der Bedarf geklärt werden.

Bei einem Softwarehersteller dürfte der Anspruch der einzelnen Mitarbeiter an Art und Funktionsumfang der Low-Code-Plattformen ein anderer sein als zum Beispiel Fachabteilungen eines Lebensmittelherstellers. Auch innerhalb des Unternehmens gibt es hier Unterschiede im Anspruch und der Einstiegshürde. Diese sollten vorab ausreichend analysiert werden.

Probleme erkennen und Lösungen fördern

Zusätzlich zur Schaffung der technischen Basis ist es natürlich wichtig, dass Führungskräfte wie Mitarbeiter in die Citizen-Development-Idee involviert werden. Team- und Abteilungsleiter müssen ihren Mitarbeitern den Raum lassen, sich mit der selbstständigen Entwicklung von Lösungen zur Verbesserung interner Workflows zu befassen. Gleichzeitig sollten aber Mitarbeiter, die Citizen Development als Form der Prokrastination einsetzen, gebremst werden.

Das ganze lässt sich zum Beispiel mit einem Anreizsystem gut steuern: Mitarbeitern, die ein Problem erkennen und neben ihrer eigentlichen Arbeit Lösung entwickeln möchten oder schon entwickelt haben, sollten nicht nur die nötige Aufmerksamkeit erhalten; sie müssen auch in irgendeiner Form belohnt werden, um Anreize für weitere Lösungen und andere Mitarbeiter zu schaffen.

Die richtige Unternehmenskultur schaffen

Da Citizen Development organisch aus sich heraus geschieht, ist Druck von oben jedoch der falsche Weg. Niemand sollte als „der Citizen Developer“ benannt werden. Ebenso wenig sollten Aufträge für die Programmierung einer bestimmten Lösung bis zu einem Zeitpunkt X herausgegeben werden. Hierfür sind nach wie vor klassische Entwickler und/oder die IT-Abteilung der richtige Ansprechpartner.

Vielmehr sollten den Mitarbeitern die nötigen Werkzeuge und der nötige Zeitrahmen zur Entwicklung eigener Lösungen an die Hand gegeben und Anreize sowie eine das „kleine“ Programmieren fördernde Unternehmenskultur geschaffen werden. In Sachen Citizen Development talentierte Mitarbeiter sollten gezielt gefördert werden, ohne sie hauptsächlich als Citizen Developer einzusetzen.

Übernahme in „große“ IT ermöglichen

Auch die von Mitarbeitern im Do-it-yourself-Gedanke entwickelten Lösungen sollten zunächst als das betrachtet werden, was sie sind: Software, die zunächst einem Team oder einer Abteilung hilft, das tägliche Arbeitsaufkommen ein wenig effektiver abzuarbeiten. Dennoch sollten Schnittstellen zur regulären IT-Abteilung geschaffen werden.

Auf diese Weise wird die Grundlage dafür geschaffen, gute Software noch zu verbessern und sie gegebenenfalls sogar in unternehmensweite Tools zu überführen. Auch an dieser Stelle bieten sich Low-Code-Plattformen an, da die offizielle IT hier vorhandene Lösungen einsehen und gegebenenfalls übernehmen und optimieren kann.

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