Sonderforschungsbereich für verständliche Softwaresysteme

Komplexe Software soll ihre Funktion selbst erklären

| Redakteur: Stephan Augsten

Informatik-Professor Holger Hermanns will komplexe Software-Systeme etwa im autonomen Fahrzeug dazu bringen, dass sie ihr Verhalten selbst erklären.
Informatik-Professor Holger Hermanns will komplexe Software-Systeme etwa im autonomen Fahrzeug dazu bringen, dass sie ihr Verhalten selbst erklären. (Bild: Oliver Dietze)

Komplexe Softwaresysteme verhalten sich nicht immer wie erwartet. Im Sonderforschungsbereich „Grundlagen verständlicher Softwaresysteme“ erarbeiten Wissenschaftler Mechanismen, die sowohl Experten als auch Laien das Verhalten besser vermitteln sollen.

Ob Smart-Home-Steuerung, autonomes Fahrzeug oder intelligentes Verkehrsleitsystem: Selbst Experten verstehen das Verhalten komplexer Softwaresysteme immer weniger, wie Holger Hermanns, Professor für Verlässliche Systeme und Software an der Universität des Saarlandes, unterstreicht: „Momentan enthalten sämtliche computergestützte Systeme keine Konzepte, um ihr eigenes Verhalten zu erklären. Stattdessen berechnen sie Ergebnisse und reichen diese weiter, ohne diese zu erläutern.“

Als Beispiel führt er einen Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang an, bei dem im März ein autonomes Uber-Fahrzeug eine Passantin erfasst hatte. Erst Wochen später fanden Experten heraus, dass der Bordcomputer die Warnung der Fahrzeugsensoren als falsch eingestuft hatte. Das verwundere nicht, schließlich laufen selbst in den Bordcomputern „normaler“ Fahrzeuge Fehlermeldungen auf, „auf die sich selbst das Fachpersonal in den Werkstätten keinen Reim machen kann“, erklärt Hermanns.

Eine solche zunehmende Unverständlichkeit gelte auch für Software in anderen Bereichen des Alltags. Gegensteuern soll nun der Sonderforschungsbereich „Grundlagen verständlicher Softwaresysteme“. Darin wollen die Forscherinnen und Forscher die wissenschaftlichen Grundlagen für computerunterstützte Systeme legen, die ihre Funktionalität und ihr Verhalten selbst erläutern. Die Wissenschaftler bezeichnen diese neue Art von Software als „verständliche Systeme“ oder „perspicuous systems“.

Diese sollen sich Softwareingenieuren bei der Entwicklung selbst erklären sowie Laien beim Benutzen der Software oder bei Fehlfunktionen unterstützen. Um die Idee in die Tat umzusetzen, arbeiten die Forscher in 15 Teilprojekten und verbinden dabei Verfahren aus der formalen Verifikation mit Methoden aus der Mensch-Maschine-Interaktion. Dabei setzen sie sich auch mit den Mechanismen des Maschinellen Lernens auseinander. Auf dieser Weise sollen Vorkomnisse wie der beschriebene Unfall künftig ausgeschlossen werden.

An dem neuen transregionalen Sonderforschungsbereich sind von der Universität des Saarlandes neben Holger Hermanns die Professorin Vera Demberg sowie die Professoren Bernd Finkbeiner, Matthias Hein, Jörg Hoffmann und Antonio Krüger beteiligt. Christoph Weidenbach vom Max-Planck-Institut für Informatik und Maria Christakis, Rupak Majumdar und Joel Ouaknine vom Max-Planck-Institut für Softwaresysteme wirken ebenfalls mit.

Die Technische Universität Dresden ist durch die Professorinnen und Professoren Franz Baader, Christel Baier, Raimund Dachselt, Christof Fetzer, Stefan Gumhold und Markus Krötzsch sowie die Forscher Sarah Gaggl und Stefan Borgwardt vertreten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt den Sonderforschungsbereich mit elf Millionen Euro über vier Jahre hinweg. Rund sechs Millionen Euro fließen in das Saarland.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45627676 / Embedded Software)