Schneller und agiler

Java EE wird Open Source – und jetzt?

| Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Gerade was die Agilität betrifft, könnte die Java Enterprise Edition von der neuen Open-Source-Strategie profitieren.
Gerade was die Agilität betrifft, könnte die Java Enterprise Edition von der neuen Open-Source-Strategie profitieren. (Bild: Oracle)

Die Java Enterprise Edition, kurz Java EE, soll künftig Open Source werden. Dadurch soll die Entwicklung der Business-Plattform von Java deutlich schneller und zuverlässiger entwickelt werden. Doch was bedeutet das für Entwickler und Unternehmen?

Seit nunmehr fast zwanzig Jahren gehört die Java Enterprise Edition von Oracle zu den Must-Have-Plattformen in vielen Unternehmen. Wie bei Java üblich, sind plattformunabhängige Anwendungen möglich, weshalb viele Unternehmen seit Jahren auf die Lösung setzen.

Allerdings geht die Java-Entwicklung seit rund einer Dekade ausgesprochen schleppend voran: Zuletzt erschienen die Hauptversionen Java EE 7 und Java EE 8 im Abstand von vier Jahren. Kleinere Updates erscheinen zwar regelmäßig, doch in einem Umfeld rasanten technologischen Fortschritts sind vier Jahre schlicht zu langsam.

Viele Entwickler fürchteten bereits, Oracle würde Java EE langsam sterben lassen. Java EE steht deshalb seit geraumer Zeit in der Kritik. Grund genug für Oracle, das Gesamtkonzept der Java Enterprise Edition zu überdenken – und Mitte August 2017 die Bombe platzen zu lassen.

Java EE soll sich öffnen

In einem Blog-Beitrag erklärte Oracle-Software-Evangelist David Delabassee, dass der Entwicklungsprozess von Java EE oft als nicht agil und flexibel genug angesehen werde – und dass Java EE deshalb einer Open-Source-Foundation übertragen werden soll.

Mit diesem Prozess solle noch in diesem Jahr begonnen werden: „Wir glauben, dass ein offenerer Prozess, der unabhängig von einem einzelnen Hersteller als Plattformführer ist, zu größerer Teilnahme und mehr Neuerungen führen wird“, schreibt Delabassee. Im Gespräch für die Übernahme von Java EE sind die Apache Foundation und die Eclipse Foundation.

Möglich ist aber auch die Gründung einer eigenen Java-Foundation. Oracle würde damit den bisherigen, recht undurchsichtigen internen Entwicklungsprozess der Plattform vollständig abgeben, was der Qualität von Java EE unter dem Strich nur nutzen kann.

Was bedeutet Open-Source-Java-EE für Entwickler?

Derzeit ist die Überführung von Java EE in Open-Source-Lizenzen noch nicht konkret. Doch mittelfristig wird die Plattform dadurch profitieren. Denn der derzeitige Status von Java EE wird aufgrund der mangelhaften Pflege der vergangenen Dekade von vielen Beteiligten Entscheidern und Entwicklern derzeit als schlecht angesehen.

Wer konnte, wechselte zu anderen Plattformen – oder griff zu Tricks und Kniffen, um vorhandene Lösungen weiterhin mit der Zeit gehen lassen zu können. Die langsame Entwicklung und das permanente Damoklesschwert einer Einstellung der Plattform ließ zudem viele Entwickler gar nicht erst zur Java Enterprise Edition greifen – obwohl Java grundsätzlich natürlich viele Vorteile bietet.

Die Umwandlung von Java EE in Open-Source-Lizenz kann der Plattform also nur nutzen. Einerseits, weil natürlich Java EE ab Version 8 deutlich agiler und schneller weiterentwickelt werden wird. Andererseits, weil Entwickler, die Java-Software in Unternehmensumgebungen verwenden und verwalten, im Zweifel eigene Forks der Plattform erstellen können, um Java EE an die Gegebenheiten des eigenen Unternehmens anzupassen.

Verbesserungen für Microservices erwartet

Gerade im Bereich der Microservices werden durch den Umstieg auf Open Source deutliche Verbesserungen erwartet. So haben namhafte Unternehmen wie IBM, Red Hat, LJC und Fujitsu in der Vergangenheit das Microservice-Projekt microprofile.io ins Leben gerufen, um Fortschritte in den Microservice-Möglichkeiten von Java EE zu bündeln und die langsame Java-EE-Entwicklung hiermit ein wenig abzufangen. Denn obwohl Java EE in letzter Zeit nur sehr langsam vorankam, war es nach wie vor die Basis für hunderttausende geschäftliche Anwendungen, im großen wie im kleinen Umfang.

Durch die künftige agilere Entwicklung könnte eine bessere Zusammenarbeit von Java EE mit derartigen Microservices erfolgen. Die Öffnung von Java sorgt letztlich auch dafür, dass mehr Entwickler zielgerichteter an der Plattform arbeiten können – wodurch letztlich alle, die Java EE derzeit als Basis nutzen, profitieren werden.

In der Vergangenheit verursachte die langsame Entwicklung der Plattform nämlich immer wieder Verzögerungen in der Entwicklung von Business-Applikationen – bis hin zum völligen Ausschluss aus aktuellen Entwicklungen und technischen Möglichkeiten. Auch das dürfte mit einem Open-Source-Java-EE Geschichte sein.

Node.js zeigt, dass es geht

Dass eine Plattform wie Java EE durch Quelloffenheit eine buchstäblich neue, agile Daseinsform annehmen könnte, zeigt das Beispiel Node.js. Diese von vornherein quelloffen angelegte Laufzeitumgebung ist natürlich jüngeren Datums als Java EE, die plattformübergreifend angelegt werden kann.

Anders als bei Java EE ist die Entwicklung dieser Runtime deutlich flotter und agiler, als es bei Java in den letzten Jahren der Fall war. So ist auch Node.js wie Java EE bereits bei Version 8 angelangt, ist jedoch erst 2009 in einer ersten Version erschienen und damit zehn Jahre jünger. Hier zeigt sich die Dynamik, die eine Open-Source-Anwendung entwickeln kann, wenn eine große Entwicklercommunity unter Anleitung einer Foundation ein Projekt in die Hand nimmt.

Durch die große Verbreitung von Java EE dürfte die potenzielle Entwicklergemeinde riesig sein, was der Fortentwicklung der Laufzeitumgebung schnell den lange Zeit fehlenden Schwung geben könnte. Java EE dürfte damit wieder für viele Unternehmensumgebungen interessant werden und zahlreiche lange benötigte Funktionen recht schnell nachrüsten.

Der Verzicht auf den geschlossenen und trägen Java Community Prozess (JCP) ist also ein Segen für alle Entwickler, die auf Java EE setzen – und dürfte der Plattform wie den auf ihr basierende Anwendungen zuverlässig den Weg in die Zukunft öffnen.

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