Krisengebeulte Blockchain-Technologie, Teil 1 Ist der Hype um Blockchain vorbei?

Von Christian Rentrop Lesedauer: 4 min |

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Blockchain war lange Zeit das IT-Thema schlechthin und galt als Zukunftstechnologie. Doch dank Krypto-Pleiten und hohen Energiepreisen, KI-Boom und Regulierungsgesetzen steht die Technik für viele Anwendungen mit dem Rücken zur Wand.

In einigen Bereichen hat Blockchain durchaus eine Daseinsberechtigung, doch der große Hype scheint vorbei zu sein.
In einigen Bereichen hat Blockchain durchaus eine Daseinsberechtigung, doch der große Hype scheint vorbei zu sein.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay)

Die letzten Jahr waren ein wenig wie ein Blockchain-Goldrausch: Der Begriff musste nur irgendwo hingeworfen werden, schon waren auch Laien interessiert. Kein Wunder, denn der Erfolg der Blockchain ist maßgeblich verknüpft mit dem Erfolgs von Bitcoin. Und Bitcoin wird – zusammen mit anderen Kryptowährungen – als Möglichkeit wahrgenommen, schnell viel Geld zu verdienen.

Da spitzen Investoren und Entscheider gerne die Ohren, dementsprechend waren Bitcoin, seine Verwandten und der Begriff „Blockchain“ plötzlich überall, von Währungen über Smart-Contracts, in digitaler Verwaltungstechnik, im Finanzsektor, der Logistik und bis hin zur NFT-Kunst. Der Goldrausch ist inzwischen vorbei: Die Krypto-Währungen legten einige beachtliche Crashs hin, Krypto-Dienstleister wie FTX verursachten handfeste Finanzskandale.

Erschwerend kam die latente Energiekrise hinzu, die eine der größten Schwächen der Technologie aufgezeigt: Milliarden Mikro-Transaktionen blähen Blockchains schnell auf, trotzdem müssen oft riesige Datensätze von A nach B gebracht und mittels Proof-of-Work neue Coins erzeugt werden. In Zeiten knapper Energie ein enormer Kostenfaktor.

Bereits 2020 wurde errechnet, dass allein Bitcoin weltweit so viel Energie verbraucht wie die ganzen Niederlande. Die Kryptowährung Ethereum stieg deshalb vom Proof-of-Work auf das Proof-of-Stake-Verfahren um: Hier wird dank eines beim Mining deutlich weniger Energie verbraucht, da nicht mehr alle Miner gleichzeitig versuchen, neue Coins zu erwirtschaften.

Zur rechten Zeit am rechten Ort

Wie schon den Aufstieg haben die Kryptowährungen also nun den Absturz der Blockchain-Technik verursacht. Die „unabhängige“ Währung war eigentlich dazu gedacht, Vertrauen und Sicherheit in einer von Finanzkrisen klassischer Währungen gebeutelten Welt zu schaffen. Hier kam Bitcoin gerade recht: Als 2007/2008 wieder einmal eine Finanzkrise die Weltwirtschaft beutelte, kam Bitcoin als unabhängige, anonyme und stabile Währungsalternative in einem aufstrebendem Medium daher. Wer rechtzeitig an Bord war, konnte kräftig Kasse machen.

Katerstimmung im Krypto-Bereich

Davon blieb jedoch nicht viel übrig: Mit der Explosion der Energiepreise durch den russischen Angriff auf die Ukraine stürzten die Kryptowährungen ab. Das Versprechen der Sicherheit und ewig steigender Kurse einer unabhängigen Währung wurde durch die politische Realität gebrochen.

Die undurchsichtigen Vorgänge rund um die Pleite der der Kryptobörse FTX belegte zudem, dass Kryptowährungen eben doch nicht so sicher sind, wie oft proklamiert. Der Vertrauensvorschuss liegt nun eben bei privaten Unternehmen statt wie bei klassischen Währungen der Staaten. Bitcoin und Co. sind seither entzaubert, auch wenn die Kurse wieder steigen.

Hinzu kommt: Auch die Politik will den Kryptowährungen an den Leib. Mit dem MiCA-Act der EU und Transfer-of-Funds-Regulations sowie den Regulierungen in den USA, an denen sich viele andere Länder orientieren werden, werden Kryptomärkte künftig stark kontrolliert.

Der Nutzen der Kryptocoins etwa als Zahlungsmethode für kriminelle Aktivitäten, Geldwäsche, für Shopping-Touren im Darknet oder schlicht als digitale Form von Omas Geldpolster unter dem Kopfkissen wird dadurch deutlich reduziert. Dementsprechend skeptisch begegnen Anwender, Entscheider und Investoren derzeit auch dem Modebegriff Blockchain.

Vorteile nicht von der Hand zu weisen

Blockchains haben allerdings durchaus ihre Vorteile. Jenseits der Kryptowährungen gibt es nämlich zahlreiche praktische Anwendungsfälle für die Datenketten. So eignet sie sich zum Beispiel dafür, Lieferketten nachzuverfolgen. Im Zusammenhang mit dem Lieferkettengesetz sicherlich eine gute Idee. In Sachen Qualitätssicherung kann ein lückenlos rückverfolgbares Blockchain-Verfahren ebenfalls sinnvoll sein.

Die Technik hat allerdings auch hier ihre Tücken: Zwar ist die Blockchain an sich manipulationssicher – die Einträge an sich lassen sich aber durchaus verändern, ehe sie Teil der Blockchain werden. Genau hier scheitert die Blockchain als Lösung aller Probleme. Sie muss von Anfang bis Ende durchlaufen und es muss Mechanismen geben, die sie vor fehlerhaften Einträgen schützt.

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In der Praxis gibt es hierfür aber, wie so oft eine massive Hürde: Den Stand der Digitalisierung in Deutschland und den einzelnen Punkten der Lieferketten sowie mangelnde Compliance in den Herkunftsländern, etwa von Rohstoffen: Teile der Lieferkette, die Blockchain-Einträge „falsch“ setzen, korrumpieren den gesamten Nutzen eines Blockchain-Systems, ohne dass dieses technisch fehlerhaft wäre.

Blockchain: Eine Technik mit ungewisser Zukunft

Mit der Blockchain ist es derzeit wie mit vielen Boom-Technologien der Vergangenheit: Auf die Euphorie folgt die Konfrontation mit der Wirklichkeit. Das scheinbare technische Wunder entpuppt sich mit der Zeit als durchaus irdisches Phänomen mit all den zugehörigen Problemen.

Als aussichtsreiche Zukunftstechnologie hat Blockchain daher (erst einmal) ausgedient, bleibt aber als praktische Anwendungen für spezifische Einsatzzwecke durchaus eine sinnvolle Option. Allerdings hat der Ruf der Blockchain im Krisenjahr 2022 massiv gelitten. Für Software-Entwickler und Unternehmen, die Services und Lösungen auf Blockchain-Basis anbieten wollen, ist es daher wichtig, die Vorteile optimal zu kommunizieren.

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