Citizen Developers

Inoffizielle App-Entwicklung bringt IT voran

| Autor / Redakteur: Olf Jännsch * / Stephan Augsten

Lässt man den Mitarbeitern einen gewissen „Entwicklungsspielraum“, kann das ganze Unternehmen davon profitieren.
Lässt man den Mitarbeitern einen gewissen „Entwicklungsspielraum“, kann das ganze Unternehmen davon profitieren. (Bild: Negativespace.co / CC0)

IT-Abteilungen mag die Vorstellung nicht gefallen, dass Mitarbeiter eigene Apps erstellen. Der Trend aber lässt sich nicht aufhalten. Die „Citizen Developer“ sind die Nachfolger der Power-User der 90er-Jahre – und es werden immer mehr.

Inoffizielle Entwickler gab es immer schon. Sie haben Makros in Word und Excel erstellt und ihren Kollegen in den Fachbereichen die alltägliche Arbeit erleichtert. Deren legitime Nachfahren sind die Citizen Developer, die heute Apps erstellen. Unterstützt wird deren Arbeit durch Softwarehersteller, die die dazu benötigten Werkzeuge bereitstellen.

Der IT-Abteilung eines Unternehmens bleiben in dem Fall zwei Möglichkeiten: Die Aktivitäten der Citizen Developer in den Fachbereichen generell zu verbieten oder sie durch eindeutige Regeln und Vorgaben zu legalisieren.

Ein Verbot ist keine Lösung

Ein striktes Verbot von eigens erstellten Apps oder Hilfsprogrammen in den Fachbereichen lässt sich nicht auf Dauer durchhalten, dazu gibt es zu viele Mitarbeiter, die über profunde IT-Kenntnisse verfügen und an der IT vorbei weiterhin ihre Lösungen einsetzen. Allgemein ist dieses Phänomen als „Schatten-IT“ bekannt.

Dieser ungewollte Zustand tritt ein, wenn Mitarbeiter außerhalb der vorgegebenen IT-Richtlinien beispielsweise Daten in den Cloud-Speicher Dropbox laden oder für den offiziellen Gebrauch nicht zugelassene Apps auf den unternehmenseigenen Smartphones oder Tablets nutzen. Kommt es zu Sicherheitsvorfällen oder Datenverlusten, macht die Unternehmensleitung die IT-Abteilung verantwortlich.

Wäre es nicht besser, die IT-Abteilungen würde die Aktivitäten der Citizen Developer im Rahmen offen kommunizierter Regeln und unter Einhaltung der unternehmensweiten IT-Sicherheitsrichtlinien erlauben? Dafür gibt es gute Argumente.

Eigeninitiative unterstützen

In jeder Fachabteilung finden sich Mitarbeiter, die die Geschäftsprozesse bis ins Detail kennen und wissen, wo durch erweiterte oder neue Applikationen Verbesserungen zu erzielen sind. Statt auf den offiziell vorgeschriebenen Wegen den Bedarf bei der IT-Abteilung anzumelden und dann zu warten, bis diese eine Lösung bereitstellt, wäre es effizienter, schnell selbst anzupacken.

Dafür muss die IT-Abteilung einige Voraussetzungen schaffen: Sie muss erstens Prozesse und Verfahren zur Unterstützung einer anerkannten Gruppe von Citizen Developer entwickeln. Zweitens muss sie eine einfach zu bedienende Plattform für die Erstellung von einfachen Anwendungen bereitstellen – entweder im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Cloud-Provider.

Mit diesen technischen und organisatorischen Maßnahmen kann sich die IT-Abteilung selbst entlasten. Zu wenig Personal und zu viele Anfragen aus den Fachabteilungen führen in den IT-Abteilungen zu einem großen Rückstau. Der lässt sich durch „offiziell zugelassene“ Citizen Developer deutlich reduzieren.

Die neu geschaffenen Rahmenbedingungen haben eine erwünschte Nebenwirkung. Sie beseitigen eine der Ursachen, die zum Entstehen und zur Verbreitung von Citizen Developer beigetragen haben: Aus Sicht der Fachabteilungen braucht die IT zu lange und ist zu unflexibel, wenn es um kurzfristige Anpassungen und Erweiterungen geht.

Rolle der IT-Abteilung ändert sich

Die durch Fachbereiche initiierten Ideen und Verbesserungsvorschläge sind das primäre Umfeld, in dem Citizen Developer die Applikationsentwicklung beschleunigen können und nur im Ausnahmefall Unterstützung durch die IT-Abteilung benötigen.

Schrittweise kann sich damit auch die Rolle der IT ändern. Bislang war sie oft nur der IT-Dienstleister und hat reaktiv gehandelt. Durch die Förderung von Citizen Developer und die engere Kooperation mit den Fachbereichen kann sie den Einsatz und die Verbreitung neuer Technologien fördern und schneller vorantreiben.

* Olf Jännsch ist Regional Vice President, Central and Eastern Europe bei Progress.

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