Suchen

Vom Labor bis zur Crowd Grundlagen des App Testings im Überblick

| Autor / Redakteur: Jan Wolter * / Stephan Augsten

Apps sind nicht mehr nur auf Smartphone-Bildschirmen zu finden, man begegnet ihnen auch in Desktop- und IoT-Umgebungen. App Testing wird unabdingbar, da die Qualität der digitalen Inhalte für Unternehmen zunehmend zum Erfolgskriterium wird. Doch welche Möglichkeiten gibt es?

Firmen zum Thema

Um bei der App-Nutzung für eine positive Benutzererfahrung zu sorgen, ist umfassendes Testing erforderlich.
Um bei der App-Nutzung für eine positive Benutzererfahrung zu sorgen, ist umfassendes Testing erforderlich.
(Bild: edar - Pixabay.com / CC0 )

Die digitale Landschaft verändert sich täglich und wird vielfältiger: Laufend erscheinen neue Soft- und Hardware-Versionen. Apps gewinnen in kürzester Zeit Millionen von Nutzern mit unterschiedlichen Geräten und Betriebssystemen. Sensoren verbinden immer mehr physische Hardware mit Anwendungen und schaffen neue digitale Erlebnisse und Erfahrungen (Digital Experiences) durch das Internet der Dinge.

Diese Produkte bestehen aus Berichten und der Interaktion mit Daten in Echtzeit, die Nutzern ermöglichen, schnellere und besser informierte Entscheidungen zu treffen. In dem neuen Umfeld gilt mehr denn je: Qualität ist als Erfolgskriterium unabdingbar.

Für Entwickler von Webseiten, Anwendungen und Connected Devices steigt die Herausforderung, konsistente Digital Experiences zu entwickeln, die fehlerfrei funktionieren. Denn mit der Verbreitung mobiler Apps sind auch die Ansprüche der User an deren Funktionalität gestiegen.

Ein mobiles Angebot kann noch so schön sein – wenn es abstürzt, bewerten die Nutzer es schlecht und wenden sich ab. Unternehmen sind also gut beraten, wenn sie in das Testing und damit in die Qualität, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit ihrer digitalen Erlebniswelten investieren.

Die Crowd liefert Ergebnisse

Sowohl kleine Startups als auch global agierende Konzerne setzen heute auf Crowdsourced Testing bzw. Crowdtesting in der Qualitätssicherung. Da echte Menschen an Standorten auf der ganzen Welt an den Tests teilnehmen, spiegeln sie die tatsächliche oder mögliche Nutzererfahrung wesentlich besser wider, als dies durch Labortests möglich wäre. Seine Wurzeln hat das Crowdtesting in der Open-Source-Bewegung mit Mozilla als einer der bekanntesten Organisationen, die die Vorteile großer Online-Communities für sich erkannt hat.

Trotz der Umwälzungen und Veränderungen in der mobilen App-Welt, gibt es einige Konstanten im Bereich der Qualitätssicherung, die Organisationen jeder Größe zu ihrem Vorteil ausnutzen können und beachten sollten. Sich auf einen einzigen Testansatz zu verlassen, hat in der heutigen, breit gefächerten Mobile-App-Welt übersehene Bugs und unzureichende Qualität zur Folge. Gutes Testing erfordert deshalb einen umfassenden Ansatz.

Funktionalität sicherstellen – Kunden verstehen

Erfolgreiche Applikationen müssen jederzeit, überall und für jeden funktionieren. Alternativen sind nur wenige Swipes, Berührungen oder Klicks entfernt. Im Bereich der App-Funktionalität ist es vom Design über die Entwicklung bis zur Qualitätssicherung entscheidend, die Funktionsfähigkeit der App als abteilungsübergreifende Verantwortung zu verstehen.

Tests sollten so früh und häufig wie möglich durchgeführt werden. Um die App aus allen Blickwinkeln zu betrachten, sollten außerdem automatisiertes und manuelles Testing kombiniert werden. Das automatisierte Testing gewährleistet zuverlässige, wiederholbare Ergebnisse und erhöht die Effizienz manueller Tests.

Besonders wichtig ist dabei, die Funktionalität der App auf einer Reihe von Geräten zu erproben. Hat die Anwendung beispielsweise Probleme mit dem Rendern, kann das bedeuten, dass die Navigation und andere Aktionen nicht durchführbar sind und die App damit praktisch nutzlos ist.

Die schönste Website oder die funktionsreichste mobile App sind nur so gut, wie die Benutzererfahrung es erlaubt. Können die Nutzer auf alles einwandfrei zugreifen? Ist es möglich, Aufgaben abzuschließen? Um die Nutzbarkeit (Usability) richtig einzuschätzen, sollten Tester gewählt werden, die die eigene Zielgruppe widerspiegeln, denn nicht alle User sind gleich.

Usability ist sehr subjektiv, entsprechend sollten keine Suggestivfragen gestellt werden. Besondere Beachtung liegt auch auf der Auswertung der Umfragedaten. Entscheidend ist dabei, zwischen unbedeutendem Feedback und wiederkehrenden Problemen, die die Usability für einen Großteil der Nutzer erschweren, zu unterscheiden.

Es kann auch helfen, sich Unterstützung von professionellen Usability-Experten zu holen. Diese erstellen Umfragen, analysieren Rohdaten und liefern hilfreiche Ergebnisse sowie Empfehlungen auf Grundlage des Verständnisses zeitgemäßer Nutzererwartungen und Branchenstandards.

Sicher ist sicher

Beim Load Testing ist die Zielsetzung im Vorfeld entscheidend. Wie kommt das Angebot mit stetiger Last zurecht, gibt es ein Datenleck, ab welchem Punkt bricht es zusammen oder wann wird es langsamer? Die unterschiedlichen Arten des Load Testings erfüllen jeweils andere Aufgaben.

Auch wenn es verlockend klingt, sich allein auf Testskripte zu verlassen, die synthetische Lasttests durchführen, ist es wie so oft: eine Maschine allein reicht nicht. Der umfassendste Ansatz im Load Testing ist die Verbindung von synthetischen Lasttests mit Live-Testern und Performance-Experten. Durch diesen Hybridansatz erhält der Test eine menschliche Perspektive. Zudem kann ein Performance-Experte Verbesserungsvorschläge geben.

Kundeninformationen zu sichern und zu schützen hat oberste Priorität. Leider werden ständig neue Schwachstellen entdeckt, was das Schritthalten fast unmöglich macht. Deshalb ist es wichtig, dass regelmäßig erfahrene Sicherheitsexperten Security Assessments für die eigenen Anwendungen durchführen.

Der Grad des Security Testings ist abhängig vom Testobjekt. Handelt es sich um eine mobile Webseite, eine Web API, einen Backend-Server oder alles zusammen? Weitere wichtige Aspekte, die unter das Security Testing fallen, sind Datenschutz und Transparenz.

Unternehmen, die sich Zugang zu nicht verwendeten Gerätefunktionen verschaffen oder Nutzerdaten heimlich weiterverarbeiten, müssen mit Imageschäden rechnen, wenn derartige Praktiken öffentlich werden. Die Datenschutzerklärung muss daher für die Nutzer einfach auffindbar und verständlich sein.

Gut gewappnet in die Zukunft

Die globale App-Wirtschaft und unsere hypervernetzte Welt haben verändert, wie Nutzer Inhalte konsumieren, Handel betreiben und mit Unternehmen und untereinander in Kontakt treten. Dank Webseiten, App-Stores und Social Media haben Konsumenten großen Einfluss darauf, wer Erfolg hat und wer nicht.

Bei ordnungsgemäßer Anwendung bieten automatisierte Funktionstests zuverlässige Sicherheit. Sie ermöglichen es, in kurzer Zeit die Qualität von Apps oder anderen Angeboten jederzeit zu überprüfen, ohne dass ein manueller Eingriff nötig ist. Sie können jedoch niemals manuelle Tests ersetzen. Gerade diese erlauben es Unternehmen, sich auf den menschlichen Faktor und die User Experience zu konzentrieren.

Menschlicher Scharfsinn und Kreativität sind nötig, um sowohl oberflächliche als auch tiefgehende Fehler zu finden, die vorab nicht im Labor planbar sind. Unternehmen müssen mit einer durchdachten Kombination aus manuellen und automatischen Testings eine Antwort auf die hohen Erwartungen der User liefern und sicherstellen, dass ihre Angebote wie geplant funktionieren.

Jan Wolter
Jan Wolter
(Bild: Applause)

So können sie in Sachen Marktanteil, Profitabilität und vor allem Nutzerloyalität und Nutzerzufriedenheit erfolgreich sein. Diejenigen, die Qualität vernachlässigen, werden mit der Konkurrenz auf lange Sicht nicht mithalten können.

* Jan Wolter ist Vice President und Geschäftsführer Europa bei Applause. Zuvor war er CEO und Mitbegründer von testhub, einem deutschen Software-Testing-Anbieter, der sich im Mai 2014 mit Applause zusammenschloss. Dadurch hat Jan Wolter jahrelange Erfahrung in der Umsetzung und Skalierung von Software-Testing-Lösungen.

(ID:44537547)