Die besten Open-Source-Beiträge dieses Jahres

Google Summer of Code 2019

| Autor / Redakteur: Mirco Lang / Stephan Augsten

Weit über 35 Millionen Lines of Code wurden in den vergangenen Jahren beim Google Summer of Code eingereicht, heißt es auf der SoC-Webseite.
Weit über 35 Millionen Lines of Code wurden in den vergangenen Jahren beim Google Summer of Code eingereicht, heißt es auf der SoC-Webseite. (Bild: Lang / Google)

In der Welt der Programmierung ist Googles Summer of Code längst eine Institution. Und wieder haben Mentoren aus Open-Source-Projekten und studentische Entwickler zusammengefunden, um ein paar Tausend Zeilen Code zu produzieren.

Der SoC geht bereits ins 14. Jahr und konnte bislang über 14.000 Studenten an mehr als 24.000 Mentoren aus über 118 Ländern vermitteln. Weit über 35 Millionen Zeilen Code sind laut Google bereits dabei zusammengekommen.

Allein in diesem Jahr sind bei Google 1.273 studentische Projekte für 206 Open-Source-Organisationen registriert. Es gibt viele Gründe, sich die Liste näher anzuschauen: Für Unternehmen gibt es passende Studenten zu entdecken, für Entwickler ebenso interessante wie offene Themenbereiche und für Anwender viele zukünftige Features.

Die finalen Projekte stehen seit Anfang Mai fest, bis Ende des Monats sollen sich die Teilnehmer mit ihren Mentor-Organisationen bekannt machen, anschließend geht es bis Montag, 19. August, ans eigentliche Coding. Bis zum 26. August, also genau eine Woche darauf, ist dann Zeit für die Abgabe des Codes und die finalen Evaluationen.

Bis Montag, 2. September, laufen dann die Abschlussprüfungen der übergebenen Projekte auf Mentorenseite, am darauffolgenden Tag gibt Google die Ergebnisse bekannt – merken Sie sich also schon mal den 3. September vor! Die komplette Timeline finden Interessierte auf der Google-SoC-Detailseite.

Doch schon jetzt lohnt ein Blick in die Projektliste. Vielleicht finden Sie ein zu Feature, das Sie selbst gerne hätten und können dessen Entwicklung verfolgen. Oder – als Entwickler – vielleicht gar Hinweise geben!

Einige spannende Projekte

Unter den teilnehmenden Organisationen finden sich neben vielen kleineren Vertretern auch wieder allerlei Branchengrößen. Dazu zählen etwa Google selbst, Creative Commons, Django, Debian, Drupal, Fedora, Git, Gnome, Joomla, Jenkins, Kodi, LibreOffice oder das hierzulande bekannte Freifunk.net – um nur mal ein paar Beispiele aus der ersten Hälfte des Alphabets zu nennen. Allerdings sollte man zumindest noch Mozilla, Python, The Linux Foundation, VideoLAN, X.org und Wikimedia erwähnen, um zumindest noch weitere echte Branchengrößen zu erwischen.

Hier eine kleine Auswahl spannender Projekte:

Blender Virtual Reality: Julian Eisel arbeitet an der Implementierung von Kernfunktionen zum Nutzen von Virtual, Augmented und Mixed Reality. Über den relativ neuen, offenen Standard OpenXR sollen immersive Erfahrungen direkt über Blender erstellt werden können, die dann auf Head-mounted Displays laufen.

Blender fast Import / Export: Viele Fans bei Power-Usern dürfte das Projekt von Hugo Sales haben. Er will Blenders Exportfunktionen von Python nach C/C++ portieren, um die bei großen Datenmengen minutenlangen Exportvorgänge deutlich zu beschleunigen.

Interactive Book für CircuitVerse.org: Ein schönes Beispiel für unbekanntere Projekte ist der Simulator für digitale Logikschaltungen CircuitVerse. Aman Singla will über den SoC ein interaktives Buch entwickeln, das sowohl Theorie als auch – über interaktive, simulierte Schaltungen – Praxis vermitteln und als freies Lehrmaterial zur Verfügung stehen soll.

Browser-Erweiterung für Creative Commons: Das Projekt von Teilnehmer makkoncept könnte bei Erfolg großen Einfluss auf die Verbreitung, Nutzung und Aktzeptanz der freien CC-Lizenzen haben. Es soll ein Browser-Plug-in entwickelt werden, das CC-lizenzierten Content finden und attributieren sowie eigene Inhalten lizenzieren kann.

360°-Videofilter für FFmpeg: Eugene Lyapustin will dem andauernden Hype um 360-Grad-Kameras gerecht werden und FFmpeg mit einem entsprechenden Filter ausstatten, der dem Video-Allrounder bislang gänzlich fehlt. Neben der Darstellung sollen auch die üblichen Transformationen unterstützt werden.

Integration von Gnome Music und MusicBrainz: Student Sumaid packt zwei sehr populäre Musik-Tools an: Gnome Music und MusicBrainz. Die Integration der MusicBrainz-Daten in Gnomes Player soll auch Tags und Cover-Art beinhalten.

QR-Code-Support in LibreOffice: QR-Codes sollen künftige direkt in LibreOffice-Programmen erzeugt werden können. Shubham Goyal will diese Funktion für Texte und URLs umsetzen und das Ergebnis als skalierbares Vektorbild im SVG-Format ausgeben.

Visualisierungskomponente für MIT App Inventor: Der App Inventor gehört zu den wohl besten Programmieren-lernen-Tools überhaupt – auf Dev-Insider finden Sie auch ein Tutorial für eine eigene Android-App. Zwar fehlt hier das eine herausragende Projekt, aber die vier Ansätze zeigen, dass noch Leben im App Inventor steckt, der ansonsten häufig ein wenig festgefahren schien. Nun sollen zum Beispiel Custom Layouts für die ListView-Funktion entstehen, Tools zum besseren Erstellen von Menüs und Visualisierungswerkzeuge für Daten. Ein Blick auf die Überblicksseite lohnt sich jedenfalls!

Tab-Manager-Menü für Mozilla Firefox: Peter Nguyen könnte mit seinem Projekt “Tab Manager Menu in Firefox” sehr viele Hardcore-Surfer erfreuen, da der neue Tab-Manager vor allem besser auf den Umgang mit mehreren Tabs (gleichzeitig) und über mehrere Fenster und Geräte hinweg verbessern soll. So sollen beispielsweise mehr Optionen für gleichzeitig ausgewählte Tabs in den Kontextmenüs erscheinen. Übrigens: Es sind noch 17 weitere Mozilla-Projekte registriert!

Social Networking für The GNU Project: Sowohl Bruno Casteleiro als auch Miguel Dantas wollen sich um GNU social kümmern, GNUs dezentrale Social-Network-Software. Ersterer packt einige Baustellen rund um Load Balancing und Speicherplatznutzung an, Letzterer die Implementierung von HTTP-Signaturen des ActivityPub-Plug-ins sowie einige API-Aspekte.

The Linux Foundation: Auch hier wird gleich ein ganzes Dutzend unterschiedlichster Projekte gelistet – mit guten Beispielen für sehr technische Detailarbeiten. Beispielsweise sollen diverse Treiber entwickelt, der Konverter pdftoraster verbessert oder der Kernel um Security- und Performance-Funktionen erweitert werden. Auch wenn viele Projekte hier nur von thematisch bewandertern Besuchern verstanden werden dürften, ist die Linux Foundation immer ein guter Anlaufpunkt für spannende, einflussreiche Projekte!

Perl-6-Binaries unter Windows, Linux und macOS: Madeleine Goebel hat ein Herz für Windows-Nutzer: Im Projekt soll Perl 6 um die Möglichkeit erweitert werden, selbstbeinhaltende (self-containing), ausführbare Binaries für die Windows-Plattform herzustellen. Je nach zeitlichen Möglichkeiten soll es neben einer Hello-World-Anwendung auch Verlinkung mit Bibliotheken und zu anderen Programmiersprachen geben.

App-Testing mit DroidBot, The Honeynet Project: Das Thema Sicherheit ist auch dieses Jahr in vielen Bereichen vertreten, hier beispielhaft das Projekt von Minyi Liu: Die Android-Testing-Applikation DroidBot soll um das Feature erweitert werden, auch Spiele-, genauer gesagt OpenGL-Apps testen zu können. Für die automatische Analyse von Benutzeroberflächen sollen Computer Vision und Machine Learning herangezogen werden, die anhand von Screenshots selbständig Informationen über die darunter liegende Funktionsweise herausfinden können sollen.

CO2-Fußabdruck für Alexa, AOSSIE: Die AOSSIE (Australian Open Source Software Innovation and Education) ist eine Dachorganisation für Open-Source-Projekte, hierzulande sicherlich weniger bekannt, aber mit 19 gelisteten Projekten ebenso sicher einer der aktivsten SoC-Teilnehmer – Grund genug, Ihnen die Übersicht als letzten Punkt dieser Liste zu empfehlen. Ein Beispiel von dem man noch hören könnte, ist Sagar Kalras Fertigstellung der App Carbon Footprint. Darüber können Nutzer ihre persönliche CO2-Bilanz im Auge behalten. Und Maandeep Singh will CO2-Fußabdrücke auch Amazons Alexa spendieren!

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