Ein Jahr vor geplantem Börsengang

GitLab gibt Gas mit Multi-Cloud und Partnerschaften

| Autor / Redakteur: Karin Johanna Quack / Stephan Augsten

Auf der Bühne des GitLab Commit London hielten unter anderem Vertreter von Porsche und Siemens ihre Präsentionen.
Auf der Bühne des GitLab Commit London hielten unter anderem Vertreter von Porsche und Siemens ihre Präsentionen. (Bild: GitLab)

Strategische Partnerschaften, mehr Sicherheit und der Support von Multi-Cloud-Deployment via Kubernetes: das waren die großen Themen der „GitLab Commit London“, einer Anwenderkonferenz für DevOps-Spezialisten.

Rund 400 Development-Experten waren der Einladung zum GitLab Commit nach London gefolgt.
Rund 400 Development-Experten waren der Einladung zum GitLab Commit nach London gefolgt. (Bild: GitLab)

GitLab ist ein europäisches Unternehmen: Die kreativen Köpfe hinter der Software, Dmitriy Zaporozhets und Valery Sizov, stammen aus der Ukraine, Sid Sijbrandij, Mitbegründer und Chief Executive Officer des Unternehmens, hat sein Büro im niederländischen Utrecht.

Eine konventionelle Firmenzentrale gibt es nicht, die derzeit 940 Mitarbeiter aus beinahe 60 Ländern arbeiten alle remote. Zudem ist ein Drittel der Kunden in Europa beheimatet, rund 42 Prozent des Geschäfts tätigt GitLab auf dem alten Kontinent.

Anders als der Hauptkonkurrent GitHub, der kürzlich für eine Summe von 7,5 Milliarden Dollar von Microsoft übernommen wurde, will GitLab nach eigenem Bekunden selbständig bleiben. Das Unternehmen hat sein enormes Wachstum – innerhalb eines Kalenderjahres stieg die Mitarbeiterzahl um 250 Prozent – bislang mit einer Reihe von privaten Finanzierungsrunden bestritten.

In einem Jahr, genauer am 18. November 2020, soll das Unternehmen jedoch an die Börse gehen, so die Planung. Wie CEO Sijbrandij erläutert, will GitLab damit eventuelle Übernahmegelüste der großen Player eindämmen.

Der ganze Lifecycle in einem Produkt

Das Geschäft von GitLab ist die Unterstützung verteilter Entwicklungsvorhaben. Im Zentrum des Systems steht ein Repository, das Code-Versionen speichert und managt. Es beruht auf dem von Linux-Erfinder Linus Torvalds initiierten Open-Software-Projekt Git.

Um die Versionsverwaltung herum stricken GitLab und eine große Zahl von „Kontributoren“ aus dem Umfeld des Unternehmens zahlreiche Werkzeuge, die vor allem die Zusammenarbeit von Entwicklung und IT-Betrieb, sprich DevOps, unterstützen sollen. Bislang bietet das System knapp 50 Funktionen plus zwei Dutzend in der Pipeline. Sijbrandji zufolge erhält GitLab jeden Monat rund 200 Verbesserungsvorschläge von außen – zusätzlich zu den internen.

„Wir wollen den Entwicklungszyklus komprimieren – von der Entscheidung, etwas zu tun, bis zum Feedback der Anwender“, so fasste der CEO in seiner Keynote den Kern des GitLab-Geschäfts zusammen, „und damit sind wir die Einzigen, die den gesamten DevOps-Lifecycle in einem Produkt anbieten können.“

Security als Bürger erster Klasse

Neben der kostenfreien Open-Software-Variante bietet GitLab sein Produkt auch in drei Enterprise-Editionen an. Sie unterscheiden sich durch den Preis und die jeweilige Zielgruppe: eine für Entwickler, die selbst Hand anlegen, eine für Teamleiter oder Direktoren und eine für interessierte Topmanager.

Als die wichtigsten Prioritäten für die Weiterentwicklung nannte Sijbrandij die Themen Sicherheit sowie Unterstützung für Kubernetes und Multi-Cloud-Umgebungen: „Sicherheit muss zu einem Bürger erster Klasse werden“, so das GitLab-Credo.

Umgesetzt wurde dies spätestens in der im Sommer 2019 veröffentlichten Produktversion 12.0, die beispielsweise mit einem „Security Dashboard“ aufwartet. Einsatzfähig, wenn auch noch nicht ausgereift ist die „Web Application Firewall“ (WAF); das Feature soll den Datenverkehr analysieren und böswillige Verkehrsteilnehmer ausschalten, bevor sie die Anwendungen erreichen.

Auf dem Plan stehen sieben weitere Funktionen: angefangen von der „Runtime Application Self Protection“ (RASP) über Funktionen wie Vulnerability Management, Threat Detection, Data Loss Prevention (DLP) sowie Storage Security und Container Network Security bis zur Machine-Learning-Anwendung „User and Entity Behavior Analytics“ (UEBA).

Jetzt auch auf dem VMware-Marktplatz

Neu ist die Partnerschaft mit VMware. Der GitLab-Code wird von den meisten Kunden noch vor Ort installiert. Er lässt sich aber auch als Hosted Software direkt vom Anbieter beziehen. Jetzt ist er zudem über den Cloud-Marktplatz von VMware zu haben. Ähnliche Kooperationen für die Amazon Web Services und die Google Cloud Platform sind in Arbeit.

Teil des Abkommens mit VMware ist die Unterstützung der Qualitätssicherungs-Methode „Continuous Verification“. Zudem soll die GitLab-Software laut Anbieter reibungslos mit dem Cloud-Service „VMware Secure State“, dem Analysewerkzeug „Wavefront by VMware“ sowie dem Governance- und Kosten-Management-Tool „CloudHealth“ kooperieren.

Workload-Portabilität in der Multi-Cloud

Laut Sid Sijbrandij war der GitLab Commit London 2019 die erste Anwenderkonferenz des DevOps-Spezialisten GitLab in Europa.
Laut Sid Sijbrandij war der GitLab Commit London 2019 die erste Anwenderkonferenz des DevOps-Spezialisten GitLab in Europa. (Bild: GitLab)

Großen Applaus erntete Sijbrandij mit der Ankündigung, dass GitLab noch in diesem Jahr den „Amazon Elastic Kubernetes Service“ unterstützen werde. Kubernetes ist das Open-Software-Projekt, das die Software-Auslieferung für Multi-Cloud-Umgebungen ermöglicht. „Es ist quasi die Eintrittskarte der Unternehmen für die Multi-Cloud“, wie der GitLab-CEO formulierte.

Laut Brandon Young, Vice President Alliances bei GitLab, gibt es Kubernetes-Implementierungen von knapp 20 unterschiedlichen Anbietern: „Und jeder von ihnen ist unser Partner“. Nun ja, wenn man einmal vom Erzrivalen GitHub absieht. „Auf jeden Fall haben wir das Deployment-Werkzeug Nummer 1 für Kubernetes“, so Young.

Überall dieselben Standards

GitLab will Workload-Portabilität zwischen unterschiedlichen Cloud-Plattformen ermöglichen. Und Sijbrandij erläutert, warum: „Das Deployment der Unternehmen hat sich über die Jahre verändert. Am Anfang sah es so aus, als könnten sie mit der Entscheidung für einen einzigen Cloud-Provider leben. Aber dann haben sie vielleicht ein Unternehmen gekauft, das seine Systeme aus einer anderen Cloud bezieht. Oder sie konnten sich mit ihrem Provider nicht mehr auf einen Preis einigen. Oder ihr Team brauchte Features, die nur woanders zu haben waren. Es gibt viele Gründe, warum eine Cloud nicht mehr reicht.“

Die Unternehmen bräuchten deshalb Flexibilität in Sachen Cloud. Und die will GitLab ihnen bieten, indem es die Übertragung von Workloads zwischen unterschiedlichen Plattformen vereinfacht. „Aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Standards überall einheitlich sind“, stellte Sijbrandij klar, „egal, in welcher Cloud sie ausgeliefert werden.“

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