Schnittstelle zum Kundenerfolg

Gemeinsame Grundlage für Entwickler und Geschäftsführung

| Autor / Redakteur: Rüdiger Fabian * / Stephan Augsten

IT-Entscheider müssen in Zeiten der Digitalisierung ihre Roadmap mehr an die Bedürfnisse der Entwickler angleichen.
IT-Entscheider müssen in Zeiten der Digitalisierung ihre Roadmap mehr an die Bedürfnisse der Entwickler angleichen. (Bild gemeinfrei: Fotis Fotopoulos / Unsplash)

Die Softwareentwicklung ist ein wichtiger Faktor für den Geschäftserfolg in der digitalisierten Welt. Doch alle Ressourcen sind endlich, Developer und IT schon jetzt durch den Betrieb und die Wartung bestehender Systeme gebunden. Wo also können IT-Entscheider noch ansetzen?

Tagesmedien titeln momentan, was viele Geschäftsführungen schon wissen: „Die Zeit der Shoppingcenter ist vorbei“. Endkunden kaufen heutzutage vor allem online. Das Phänomen trifft nicht nur auf den Einzelhandel zu: in vielen Bereichen krempeln digitale Angebote Prozesse und Gewohnheiten um. Schaut man sich an, wie in nur wenigen Jahren AirBnB zum größten Hotelanbieter oder Uber zum marktführenden Taxiunternehmen der Welt wurde, so merkt man, dass derartiges Wachstum nur durch Softwareinnovation getrieben werden kann.

Den extremen Umsatzsteigerungen liegt keine Investition in Hotels oder einen Fuhrpark zugrunde – die Investition in physikalische Assets ist im Vergleich zu Marktbegleitern minimal. Stattdessen hängt der Erfolg von Organisationen von einer einzigartigen Nutzererfahrung ab, die vorhandene Elemente optimal mit den Möglichkeiten der digitalen Welt kombiniert – einem Stück Software.

Eine Studie zeigt, dass sich deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb eher schwertun und nicht immer Schritt halten. Im Rahmen des Connectivity Benchmark Report wurden über 650 Geschäftsführungen und IT-Entscheider in Großunternehmen weltweit befragt, wo ihr Fokus beim Thema digitale Transformation liegt. Dabei wird deutlich, dass es um mehr als reine Steigerung der Effizienz geht.

Dies ist immer noch das wichtigste Ziel, allerdings geben 71 Prozent auch eine verbesserte Nutzererfahrung als Priorität an. Vor allem in den USA und England holt dieser Punkt auf, hierzulande sehen zwar immerhin 62,5 Prozent die Verbesserung der Customer Experience als wichtigsten Punkt an, man verbleibt aber hinter dem internationalen Durchschnitt.

Dabei ist es wichtig, sich auf disruptive Technologien einzustellen. Traditionsunternehmen dürfen sich nicht länger auf die Markentreue ihrer Kunden verlassen. Weltweit spürt man daher, dass Führungsetagen stärker auf die Anforderungen ihrer IT-Fachkräfte eingehen. Gaben 2018 schon 57 Prozent aller IT-Abteilungen an, dass sie die Ziele der Geschäftsführungen unterstützen, sind es in diesem Jahr bereits 72 Prozent.

Deutsche Unternehmen hinken hinterher

Zwar ist Führungsetagen klar, dass sie ihre Pläne stärker an den Bedürfnissen ihrer Entwickler ausrichten müssen, allerdings passiert in der Praxis oft zu wenig. Es ist gut, sich an deren Anforderung zu orientieren und sie für die Gesamtziele der Organisation zu begeistern, viel wichtiger ist aber deren Berufsalltag und Arbeitseffizienz dabei im Auge zu behalten.

Ein konkretes Beispiel: Eine elementare Rolle in der Unternehmenspraxis spielt die Bereitstellung und Entwicklung von Programmierschnittstellen. APIs schaffen die wichtigen Brücken zwischen Systemen, Tools, aber auch On- und Offline-Welt und sind der wichtigste Treibstoff der digitalen Wertschöpfung.

Obwohl die Entwicklung von passenden Anwendungsschnittstelle und Apps derart elementar für die Zukunft sind, wachsen in 77 Prozent der befragten Unternehmen die IT-Budgets nur um 10 Prozent oder weniger. Dabei wächst der Bedarf um über 30 Prozent. Das bedeutet, dass es Budgets real hinter den Bedürfnissen zurückbleiben.

Bereits jetzt sind viele Developer und IT-Ressourcen mit der Aufrechterhaltung von IT-Infrastruktur und Applikationen gebunden. Gerade mal 36 Prozent der IT-Projekte im letzten Jahr konnten wie geplant abgeschlossen werden. Logischerweise können aber nicht einfach mehr Ressourcen investiert werden. Daher müssen sich Entscheider Gedanken machen, wie sie ihre Prozesse effizienter gestalten können.

Gerade in Deutschland fehlt Unternehmen ein einheitlicher Ansatz, um die Ressourcen von Developern optimal zu nutzen. 20 Prozent der Befragten aus der Bundesrepublik haben keine Strategie für die Entwicklung von APIs – im internationalen Durchschnitt sind es nur acht Prozent. Dabei sind die Integration von Schnittstellen ein echter Flaschenhals für das Wachstum.

Die schlechte interne Abstimmung drückt nicht nur die Effizienz von Developern, sondern senkt auch die Möglichkeiten der Kundeninteraktion. APIs werden beispielsweise nicht nur unkoordiniert oder vielleicht sogar durch mehrere Abteilungen doppelt erstellt, sondern kommen auch nicht optimal beim User an.

In der Praxis wird dies in schlechten oder langsamen Interaktionsmöglichkeiten erkennbar. Nutzer gewöhnen sich aber zunehmend an das Echtzeit-Feedback. Die Folge sind extreme Veränderungen wie das Beispiel vom Ende des Shoppings-Centers. Kunden sehen sich nicht nur bei bekannten Marktbegleitern um, sondern ändern ihr komplettes Konsumverhalten hin zu Onlineangeboten – wenn diese eine bessere Nutzererfahrung bieten.

Entscheidung zum Kurswechsel muss richtig umgesetzt werden

Speziell größere Unternehmen wissen, dass sie umdenken müssen, sind sich aber nicht sicher, wie sie vorgehen sollen. Nur 35 Prozent aller Organisationen aus Deutschland glauben, dass sie eine wirklich umfassende Nutzererfahrung über alle Kanäle bieten können. Dabei hat der Einsatz von virtuellen Interaktionskanälen bereits zu einer großen Menge an Softwareschnittstellen geführt.

Man muss sich vor Augen führen, dass im Schnitt ein Großunternehmen auf etwa 900 eingesetzte Applikationen kommt – Tendenz steigend. Die deutliche Mehrheit (65 Prozent) gibt zudem an, dass es immer schwieriger wird, bestehende Apps und Infrastruktur anzupassen oder zu erweitern. Allerdings sind nur 29 Prozent aller Programme miteinander verbunden und in ein firmenweites System integriert. Oftmals binden Digitalisierungsinitiativen Ressourcen, schaffen es aber nicht, dass der Output der Kundenerwartung entspricht.

Die Anforderungen an Unternehmen in der Transformation sind hoch und meistens scheitern Anpassungen, weil sie kein passendes Fundament bauen. Anstatt einer grundlegenden Plattform für Software anzusetzen, werden neue Einzellösungen angehängt. Diese entlasten vielleicht einzelne Mitarbeiter, werden aber von anderen Bereichen nicht wahrgenommen oder sogar zu Belastung und helfen nicht bei der Abstimmung zwischen Fachabteilungen.

Dabei ist es sinnvoll, ein Developer-Framework zu implementieren, das den übergreifenden Austausch von Ressourcen ermöglicht, um Wiederverwendbarkeit zu gewährleisten – und das ohne Mitarbeiter zu belasten. Im Zentrum stehen dabei die Integration von APIs und Applikationen, sowie deren Inventarisierung und Verwaltung. Entwickelte Schnittstellen und Verbindungen können dadurch von anderen Teams wieder genutzt werden und leicht an zukünftige Entwicklungen angepasst werden.

In solchen Umgebungen lassen sich Sicherheitsrichtlinien und Compliance-Vorgaben leichter prüfen und durchsetzen. Dadurch verbessern Unternehmen den Schutz ihrer Assets und entlasten IT-Sicherheitsverantwortliche. Mögliche Schwachstellen oder Performance-Probleme können zudem effizienter angegangen werden und müssen nicht bruchstückhaft beseitigt werden.

Fazit

Made in Germany ist nach wie vor ein Qualitätssiegel für viele Produkte. Allerdings werden im Zeitalter der Digitalisierung Dienstleistungen und Kundenservice immer wichtiger. Die Essenzen der Onlinewelt sind Kundeninteraktion und Nutzererfahrung. Die treibende Kraft für Unternehmen, um diese Ziele zu erreichen sind passende Softwareentwicklung und APIs. Es geht nicht nur mehr darum, eine gute App programmieren zu können, sondern eine Umwelt aufzubauen, in der die Fähigkeiten der Entwickler keine Grenzen mehr kennen.

Rüdiger Fabian
Rüdiger Fabian (Bild: MuleSoft)

Deutsche Firmen müssen die Initiative ergreifen, wenn sie weiterhin am Markt erfolgreich sein möchten. Es geht darum, vorhandenes Know-how richtig in die moderne Welt zu integrieren. Wichtiges Fundament bei dieser Herausforderung ist ein Entwickler-Framework. Werden Ressourcen hier nicht richtig koordiniert, steigen nicht nur die Kosten, sondern es wird zudem unmöglich der Erwartungshaltung der Nutzer zu entsprechen.

* Rüdiger Fabian ist Vice President DACH bei MuleSoft.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45987137 / APIs)